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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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731 antrat. — Ich beabsichtigte 4 Wochen daselbst zu bleiben, aber es sind schon 5 seit meiner Ankunft in's Land gezogen und ich kann mich nur schwer von dem liebgewonnenen Orte trennen. Für morgen früh aber habe ich endgiltig meine Rückreise festgesetzt, und deßhalb drängt es mich, den Lesern dieser Blätter in wenigen Worten die Eindrücke zu schildern, die mein hiesiger Aufenthalt bei mir zurückgelassen hat. Der klimatische Kurort Falkenste in liegt am Abhange des Taunus, 1300 Fuß über dem Meeresspiegel, am Rande einer ganz eigenartig prachtvollen Thalsenkung und ist von Frankfurt a. M. ans in circa 1 Stunde mit der Bahn zu erreichen. Schon vor mehreren Jahren wurde daselbst ein großes Kurhaus gegründet, das trotz seiner nicht sehr günstigen Lage von Brnstleidenden und Nervenkranken vielfach frequcntirt wird. Erst seit wenigen Jahren hat Herr Dr. med. H irsch aus Frankfurt a. M. hier eine Anstalt gegründet, die trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens sich eines großen und in der That wohlverdienten Rufes erfreut. Dieselbe ist au eiuem der herrlichsteu Punkte der ganzen Umgebung gelegen und erfreut sich einer so lebhaften Frequenz, daß in diesem Jahre zwei weitere Häuser zur Unterbringung der Fremden gemiethct wurden und der Besitzer' genöthigt ist, eine weitgehende bauliche Vergrößerung der Anstalt vorzunehmen. Deutsche, Russen, Engländer, Franzosen und Holländer verkehren hier in einer so herzlichen, ungezwungenen Weise, daß man sich in eine große, zusammengehörige Familie versetzt glaubt und ganz vergißt, daß es ein Kreis fremder Menschen ist, die hier zusannnen leben. Auch Nichtjuden zählt der gesellige Kreis, die sich so behaglich darin finden, daß sie behaupten, nie eine so herrliche Kurzeit genossen zu haben. In der That aber vereinigt sich auch Alles, um den Aufenthalt in der Dr. Hirs ch'schen Anstalt zu einem überaus behaglichen zu machen. Von der Altane des Hauses, die aus dem Gesellschaftssaale in's Freie führt, bietet sich eine entzückend schöne Aussicht nach Frankfurt, Hanau bis zum Rheinstrom hin. Zur Rechten aus wellenförmiger Hebung dehnt sich ein herrlicher Fichtenwald aus, der auf weichem Südwind seinen frischen Duft herübersendet, zur Linken die Ausläufer des Taunusgebirges und die sie umsäumenden Städte und Dörfer. — Die Luft ist in Folge der günstigen Lage des Hauses ungemein erfrischend und stärkend und auf die Äthmungsorgane von fühlbar wohlthuendem Einfluß, worauf auch der erstaunliche Erfolg beruht , den Brustleidende und Nervenkranke nicht genug rühmen können. Diesen aus der äußeren Lage entspringenden Vorzügen reihen sich nun noch diejenigen an, die durch die nach jeder Seite hin mustergiltige Hausordnung sich ergeben. — Ich habe schon viele Gasthäuser besucht, aber noch nie einen so reichlichen, überaus kräftigen Tisch als hier gefunden. Daß sämmtliche 'speisen und Getränke den rigorosesten Anfordernngen des Religionsgesetzes entsprechen, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Selbst Leute, die sonst nicht die Speisegesetze beobachten und von jüdischen Nestauratkonen nicht verächtlich genug sprechen können, räumen ein, daß sie noch nie anderwärts cil^n derartigen Tisch gefunden haben, wie derjenige in der Dr. Hirsch'schen Anstalt. Einer der christlichen Gäste hielt mir dieser Tage einen ganzen Lobhymnus über die jüdische Küche, die er hier zum ersten Male keimen lernte. Dabei ftttb im Vergleich zu anderen Kurorten und der Reichlichkeit alles hier Gebotenen die Preise so außerordentlich billig, daß auch weniger bemittelte Leute in der Lage sind, einige Wochen hier zu leben.. Es ist jedenfalls nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die hiesige Pensions-Anstalt des Herrn Dr. H i r s ch in ihrer Art einzig dasteht, und nach den Resultaten der wenigen Jahre ihres Bestehens zu urtheilen, einer großen Zukunft engegengeht. — Mit neuen Kräften und frischem Lebensmuthe verlasse ich morgen die Anstalt, die ich abgespannt und erschöpft vor wenigen Wochen betreten habe. Der tiefgefühlte Dank für die herrlichen hier verlebten Dage hat mir die Feder^zum Abschiede in die Hand gedrückt, obwohl das sckzreiben sonst nicht meine Sache ist. Aber ich glaube auch des Dankes aller Derjenigen sicher zu sein, die durch diese Zeilen auf Faltenstein aufmerksam gemacht, dasselbe zum Ziel ihrer Reise wählen werden. Feuilleton Salomon Uothenberger. IV. Der alte Freiherr Otto v. Ottcrnbcrg saß beim Frühstück; die Großnichte seiner verstorbenen Frau, ein schönes junges Mädchen von ungefähr 18 Jahren, Fräulein Blanca v. Buchenhof, schenkte ihm den dampfenden Mocka ein; allein er ließ denselben unberührt stehen. „Onkelchen," sagte Fräulein Blanca schmeichelnd, „ich bitte Dich, trinke doch , Du bist so so schwach, und wenn Du nichts genießest, wirst Du noch schwächer werden!"

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