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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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730 tern auf ihn ein, da erbat er sich von ihrem Anführer, er möge ihm wenigstens eine kurze Frist gönnen, um noch vor seinem Tode sein Gebet verrichten zu können. Sie wurde ihm gewährt. Man kann sich leicht denken, mit welchen Gefühlen er sein Herz zu Gott erhob in dieser schrecklichen Noth. In Todesangst und mit einer Flnth von Thränen begann er die '--n zu sagen, ohne Hoffnung, nach menschlicher Voraussicht, aus den Händen dieser Wütheriche zu entkommen. Jedoch im Rathschluß des Allmächtigen war cs anders beschlossen. Der Anblick, des in Todesangst mit inniger Inbrunst Betenden, wirkte so erschütternd aus die verthierten Gemüther der Räuber, daß sie sogleich das Haus verließen, ohne ihn weiter zu behelligen. Rur einer von der Schaar versetzte ihm einen Säbelhieb auf den Kops, der ihm die Hirnschale spaltete. Die Spuren dieser Verwundung waren noch lange nachher erkennbar. Bald darauf wurde ihm ein Sohn geboren, dem er, zum Andenken an seine wunderbare Errettung, den Namen gab. Die Ungunst der Zeiten hatte auch auf seine materiellen Verhältnisse nachtheilig gewirkt; er sah sich daher genöthigt, trotz seines Widerwillens, einen Rabbinatsposien zu Szikszö auzunehmen, der ihm um jene Zeit angeboten wurde. Hier fand er erst seinen eigentlichen Wirkungskreis und von dieser Zeit an datirt sein Ruf als ausgezeichneter Redner. Er hielt hier an jedem Markttage allwöchentlich eine Predigt für die Landbevölkerung, welche massenweise zusammenströmte und begeistert seinen Worten lauschte. Hier übte er die ihm verliehene Gottesgabe, die Menschen durch seine Rede begeistern zu können, im Dienste der Thora und die großartigen Erfolge, die er dadurch errungen, die vielen Abtrünnigen, die er zu den eifrigsten Anhängern des Judenthums machte, die vielen Schwankenden, denen er Halt und Stütze geboten, dies Alles kann nur der gehörig würdigen, der in jener Gegend gelebt hat. Nach fünfjähriger, segensreicher Wirksamkeit, folgte er einem Rufe der Gemeinde Klausenburg in Siebenbürgen als Rabbiner. Aber schon nach einem Jahre erhielt er den ehrenvollen Ruf nach Preßburg als Prediger zu gehen, welchem er nur mit Widerstreben, und erst nachdem ihm von maßgebender Seite vorgestellt wurde, wie wichtig es für das Judenthum sei, daß er diese Stelle annehme, Folge leistete. Was er in Preßburg geleistet, wie er es verstanden hat, in Tausenden den schlummernden Funken der Liebe zur Thora zur Helten Flamme anzufachen, und selbst dort, wo schon dieser Funke erloschen war, neuerdings zu entzünden — dies Alles ist bekannt und in diesen Blättern schon oft erwähnt worden. Die altehrwürdige Preßburger Gemeinde hat denn auch den großen Mann nach Gebühr gewürdigt und hat auch nach seinem Tode das Andenken desselben geehrt, durch das Verhalten gegenüber der Wittwe. In Preßburg schloß dieses thatenrciche Leben; ein Leben voller Arbeit und ehrlichen Strebens; dem aber auch der Erfolg nicht fehlte. Möge der Allmächtige die Gesammtjudenheit ferner vor solchem Verluste bewahren und der trauernden Wittwe und den unmündigen Waisen in ihrem großen Unglücke Trost senden! D. F. in Rawitsch. ZeiturrgsnaHrichterr und Correspondenzen. Deutschland. Falkenstein im Taunus. Wer in der heißen Jahreszeit das Vedürfniß empfindet, sich von seinen Berufsgeschästen oder seinem körperlichen Leiden durch einen Aufenthalt in Gottes freier Natur einige Wochen zu erholen, hat, wenn er als gesetzestreuer Jude leben will, sicherlich ebenfalls schon öfter unter der Misvre gelitten, unter der ich alljährlich leide, wenn ich mich zu einer solchen Reise entschließe. Wer einen großen Theil des Jahres geschäftlich zu reisen genöthigt ist, erträgt die Hungerkuren, welche durch den Mangel an jüdischen Gasthäusern unerläßlich sind, mehr oder weniger willig, indem er sie mit den übrigen geschäftlichen Unannehmlichkeiten auf ein und dasselbe Eonto setzt und sie als etwas Unvermeidliches hinnimmt. Wer aber zu seiner Erholung reisen und dieselbe durch schmale Fastenkost nicht illusorisch machen will, der steht alljährlich, wenn er seinen Reisebündel schnürt, vor einem schweren Problem. Wohl gibt es Kurorte mit in jeder Hinsicht vorzüglichen jüdischen Gasthäusern, aber ihre Zahl ist gering, und wer nicht durch ein Leiden auf den Besuch eines bestimmten Ortes angewiesen ist, hat wenig Neigung, sich auf diese wenigen Orte zu beschränken. Wenn daher sonst die Qual in der Wahl besteht, so ist hier das Gegentheil der Fall und kein noch so eifriges Bädeker-Studium kann diese Qual mildern. Diese und ähnliche Erwägungen ließen mich dieses Jahr nur schwer einen definitiven Reiseplan fassen. Da machte mich ein befreundeter — christlicher — Arzt auf den Luftkurort Falken st ein im Taunus aufmerksam, der in ärztlichen Kreisen sich eines ungewöhnlich guten Renommtz's erfreue und besonders in den jüngsten Jahren durch die Anlagen von Di'. Hirsch daselbst vielfach genannt wird. Auf diese Anregung hin zog ich weitere Erkundigungen ein, die sämmtlich so günstig ausfielen, daß ich wenige Tage darauf meine Reise nach dem Tauus

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