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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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728 Iretung dessen, was Er uns verboten hat, wie es heißt: Der Endzweck, in welchem Alles inbegriffen ist: Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist der Inbegriff der ganzen Menschheit."" „Deine Anschauungen weichen gar sehr von den meinigen ab." „„In Bezug auf das, was ich gesagt habe, kann und darf es keine Meinungsverschiedenheiten geben."" „Und Ihr selbst, Ihr Weisen Israels, weichet doch so mannigfach von einander in Euren Lehrmeinungen ab!" „„Darüber, daß die Gesetze Gottes für alle Israeliten verbindlich sind, gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Nur in Bezug auf die Ausführung einzelner Gebote existiren auseinandergehende Lehrmemungen, über die jedoch nach den von der Thora selbst festgellellten Regeln entschieden wird."" „Ich bin auf diesem Felde Dir nicht gewachsen und kann mit Dir nicht disputiren. Sage mir lieber, was Du von mir verlangst." „„Ich verlange von Dir, daß Du die ganze Gemeinde in die Synagoge berufest und mir gestattest, zu ihr zu sprechen."" „Synagoge? Was ist das?" „„Die Synagoge ist das Gotteshaus, das große Lehrhaus, welches der Ruhm und der Stolz der Juden Alexandria's ist."" „Ah, Du meinst die Proseuche?" „„Wohl, diese meine ich. Schicke Deine Boten umher zu allen Juden der Stadt und lasse ihnen sagen, daß ein Abgesandter der Weisen aus dem Lande der Väter da ist, der zu ihnen sprechen will."" „Ich werde thun, wie Du es wünschest. Anr nächsten Sabbat, nach dem Schluffe des Gottesdienstes magst Du Deine Anrede halten." Rabbi Akiba verabschiedete sich von dem Alabarchen. Als er auf die Straße trat, herrschte in derselben ein festliches Treiben. Es wurde das Fest des Dionysos gefeiert. Von allen Seiten ertönte Trommel- und Flötenklang, «Lchellengerassel und lautes Jauchzen. Da führte ein Jüngling einen Zug. Mit Epheuranken umkränzt und einen Thyrsusstab schwingend, tanzte er vorwärts und hinter ihm her sprangen und jubelten Männer und Frauen, alle bis zur Tollheit erregt, jauchzend, singend und tanzend. Wein-, Epheu- und Asphodelusranken umflatterten hundert Häupter; Pappel-, Lotus- und Lorbeerkränze schwankten auf glühenden Stirnen, Panther- Hirsch- und Rehfelle hingen von nackten Schultern und wurden beim schnellen Lauf vom Zugwinde hoch in die Luft geworfen. Künstler und reiche junge Herren mit ihren Geliebten zogen in Begleitung einer Musikbande daher. Wer auch diesem fröhlichen Hausen begegnete, den zog er an, den riß er mit sich fort! Bürger und Bürgerfrauen, Arbeiter, Dirnen, Sklaven, Soldaten und Matrosen Offiziere, Flötenspielerinnen, Handwerker, Schiffsführer, erregte Weiber, die einen Bock, der dem Dionysos geschlachtet werden sollte, mit sich zerrten — Niemand von ihnen widerstand der Lockung, dem Zuge zu folgen. — Wie klangen die Doppelllötcn so laut, wie schlugen die Mädchen so kräftig auf das Kalbfell der Handtrommel, während der Wind sein Spiel trieb mit dem aufgelösten Haar der tobenden Weiber und dem Rauche der Fackeln, die übermüthige Gesellen als Pane und Satyrn verkleidet, laut aufjauchzend schwangen. Hier schnellte ein Mädchen in vollem Laufe ein Tamburin hoch in die Luft und schüttelte die Schellen in seinen Reifen so heftig, als sollten sich die hohlen metallenen Kugeln von ihm ablösen und auf eigenen Wegen die Luft durchsausen. Dort, neben einem bis zur Grenze des Wahnsinns erregten Weibe, hüpfte in ausgesucht zierlichen Sprüngen ein schöner Jüngling daher, trug den langen Stierschwanz, den er sich angeheftet hatte mit komischer Sorgfalt unter deni Arm und blies von der längsten in die kürzeste und von der kürzesten in die längste der Röhren, die seine Panflöte bildete. Mitten aus dem rasch dahinlärmenden Zuge klang manchmal lautes Gebrüll, das eben so gut die Lust wie der Schmerz erzeugt haben konnte. Aber es wurde jedesmal schnell vom tollen Gelächter, ausgelassensten Gesang und lustiger Musik übertönt. — Alt und Jung, Hoch und Gering, Alles, was sich dem Aufzuge nahete, wurde mit unwiderstehlicher Macht sortgerissen, ihm jauchzend zu folgen. Rabbi Akiba drückte sich an die Mauer der Häuser und wandte mit Verachtung seinen Blick von dem eklen Treiben. Dann sprach er vor sich hin: „An uns ist es zu preisen den Herrn des Weltalls und zu verkünden den Preis des Schöpfers, daß er uns nicht gemacht hat wie die Völker der Länder und nicht eingesetzt wie die Geschlechter des Erdreichs, daß Er nicht gegeben hat unseren Antheil wie sic und unser Loos wie alle ihre Menge; denn sie bücken sich vor Eitelkeit und Nichtigkeit und flehen zu Göttern, die nicht helfen können. All' ihre Frömmigkeit ist ein Gräuel und mit abscheulichen Lastern feiern sie ihre Feste." (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Nedaction: vr. Lehmann in Mamz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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