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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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727 besten Ringkämpfer, und was sie einzig von den griechischen Bewohnern der ägyptischen Hauptstadt unterschied, war ihr Haß und ihre Verachtung gegen die griechischen Götter, woraus sie kein Hehl machten. Das war auch der Hauptanlaß zu Streitigkeiten zwischen Juden und Griechen, die allerdings noch durch den tiefwurzelnden Racenhaß vermehrt wurden. Der erste Vorsteher, welcher den Titel „Alabarch" führte, wurde in seiner Lectüre unterbrochen; ein Diener meldete ihm den fremden Gast aus Palästina. Als Thiogonos den Namen Rabbi Akiba's hörte, erhob er sich von seinem Sitze und ging dem Eintretenden entgegen. „Sei mir willkommen," sagte er, „Du großer Lehrer Israels! Dein Ruf dringt von einem Ende der Welt bis zum andern." Dann führte er den Gast zu einem der Ruhepolster und befahl einem Diener, Speise und Trank herbeizuholen. „Laß nur," sagte Rabbi Akiba; „ich kann zu meinem Bedauern von den Speisen in Deinem Hause nicht essen. Wehe, was haben meine Augen schauen müssen, seitdem ich nach Alexandria gekommen! Vergessen ist der Gott Israels und sein heiliges Gesetz. Ihr gebt Euch den Genüssen dieser Welt hin, wie die Heiden, in deren Mitte Ihr lebt. Größer ist die Sünde Alexaiidria's als die Sünde Jerusalems vor dessen Fall!" „Bist Du hierhergekommen, Fremdling, um mich in meinem eigenen Hause zu beleidigen?" „„Nicht doch; ich bin von den Lehrern Israels abgesandt worden, uni unsere Brüder in Arabien, Lybien, Aegypten und andern Ländern von einem gewaltsamen Aufstande gegen die Römer zurückzuhalten. Erst dann, wann Gott uns den Erlöser senden wird, werden wir unsere Freiheit und Selbstständigkeit zurückerlangen. Bis dahin müssen wir geduldig das Joch tragen, welches fremde Nationen uns auferlegen. Jede Empörung wird und muß mißlingen, wird und muß zum Verderben des irregeleiteten Volkes führen. Dies meinen Brüdern zu Herzen zu führen, ist der mir gewordene Auftrag. In Arabien ist es mir gelungen, meine Glaubensgenossen zu überzeugen und sie zu bewegen, geduldig auszuharren. Hier in Aegypten drängt sich mir ein anderer Auftrag auf. Hier tritt mir die unabweisliche Pflicht entgegen, zu verkünden meinem Volke sein Verbrechen, dem Hause Israels seine Sünde. Ihr beobachtet nicht den Sabbat und nicht die Feier- > tage, wie es uns von Gott ist befohlen worden, j Unrein sind Eure Speisen und Getränke, unjüdisch ist euer Lebenswandel!"" „Gestatte mir, o Fremdling, daß ich Deinen edlen Zorn besänftige. Wir alexandrinischen Juden sind anders als die palästinensischen; wir sind genährt an den Brüsten der griechischen Weisheit. Wir glauben an den einzigen Gott; aber die Gesetze haben für uns nur symbolische Bedeutung. Wie könnten wir Hütten bauen am Hüttenfeste inmitten der griechischen Bevölkerung? Sie würden uns die Hütten zerstören, und wir würden dadurch ernstliche Unruhen Hervorrufen. Das mag gut für Palästina sein; in Alexandria ist das unmöglich. Aber auch abgesehen davon lehren uns unsere philosophischen Gesetzesausleger, daß wir nur den Geist der Gebote festzuhalten haben. Die Form ist unwesentlich. Wir glauben an den einzigen Gott und bekennen ihn. Wir hassen und verachten die griechischen Götter. Das ist unser Judenthum. Wir halten den Kern werth und hoch; die Schale aber zerbrechen wir und werfen sie fort." „„Und meinst Du, daß je eine Frucht ohne Schale wird wachsen? Alle Gesetze, die Gott uns gegeben, sind von hohem unermeßlichem Werthe und müssen so ausgeführt werden, wie Gott es befiehlt. Eure pbilospohischen Ausleger führen Euch in die Irre, und Ihr selbst glaubt nur deßhalb ihren Worten, weil es Euch bequem ist. Aber Gott, der Allmächtige, wird Euch nicht loslassen und fordert die Erfüllung Seines heiligen Wortes von Israel, wo immer es auch wohnen mag. Fürchtet Ihr nicht den Zorn des Richters des Weltalls? Und Du, o Alabarch, der Du an der Spitze dieser großen Gemeinde stehst, Du trägst die Verantwortlichkeit für all das liebet, ba§ hier geschieht. Wie wirst Du dereinst vor Gott im Himmel erscheinen und Dich rechtfertigen können? Gottes Mahnruf ergeht durch mich an Dich und die Deinen! Kehret um von Euren bösen Wegen, damit das Verderben Euch nicht ereile!"" Der Alabarch war wie erstarrt. So hatte noch Keiner mit ihm gesprochen. Und dieser Fremde sprach zu ihm in fließendem Griechisch, mit der Kraft und der Gewalt eines Demosthenes. „Fremdling," sprach er, „auch Dir scheinen die gelehrten Werke der Griechen nicht unbekannt zu sein, da Du in unserer Sprache zu mir redest! Du kennst doch sicherlich die Lehren des Plato und des Aristoteles und weißt, daß des Menschen höchstes Ziel die Erkenntniß ist. Wozu also jene Formen und Gebräuche, welche die Erkenntniß nicht fördern?" „„Nicht Plato hat die Wahrheit geschaut, nicht Aristoteles hat sie zu erfassen vermocht. Die Wahr- > heit ist uns am Sinai offenbart vom Schöpfer des Weltalls. Nicht kann die Erkenntniß des Menschen höchstes Lebensziel sein, da Gott selber ihr Schranken * gesetzt hat, wie es heißt: Denn nicht kann mich erschauen der Mensch, so lange er lebt. Das Lebensziel des Menschen besteht in der Erfüllung der göttlichen Gebote und in der Vermeidung der lieber-

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