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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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726 r;i zu können, in den Stand gesetzt zu werden, für sich selbst aus anständige Weise sorgen, dem Staate und der Gesellschaft nützen und dem Elende, dem sie hier zweifelsohne preisgegeben wären, entrinnen zu können; Jünglinge, die den Stiftungsbedingungen nicht vollkommen genügen, die beispielsweise nicht die gehörige Volksschulbildung besitzen, nicht physisch genug entwickelt sind u. s. w. wodurch denselben die Möglichkeit benommen ist nach Wien unter die schützende Obhut des isr. Handwerkervereins gesendet zu werden, werden bei hiesigen anständigen Meistern unterbracht, und mit möglichster Sorgfalt wird für ihre Zukunft gesorgt. Gegenwärtig zahlt die Mayer Kallir-Stipendienstiftung für 20 Lehrlinge. Das Vermögensstand dieser Stiftung beträgt fl. 22.759.50. Der gegenwärtige Vermögensstand des Lehrer- Pensionssonds weiset gegen den im Jahresberichte von 1880 gegebegen Ausweis einen Vermögenszuwachs von 1900 fl. aus. Er hat 13.130 fl. Vermögen. England. London. Herr H. Gedaljah in London wandte sich brieflich an den Premier-Minister des Königs Alfonso XII, um Aufschluß darüber zu erlangen, ob wirklich eine formelle Einladung von Seiten der spanischen Negierung an die russischen Juden ergangen sei. Die vom 27. Mai datirte Erwiderung des Ministers bestätigt das vorerwähnte Gerücht nun in keiner Weise, so sympathisch sie sich auch über die Juden äußert. Das Antwortschreiben Sagasta's lautet in wortgetreuer Uebersetzung: „Geehrter Herr! Mit großer Genugthuung habe ich von Ihrem geschätzten Briefe vom 20. d. M. Kenntnis; genommen, und beehre mich zu erwidern, daß der Art. 1 der spanischen Verfassung den entschiedensten Widerruf des Verbannungs-Ediktes der Juden vom Jahre 1192 enthält. Deßhalb hat die Regierung es nicht für nothwendig erachtet, den Bekennen; des mosaischen Glanbens eine besondere Erlaubnis; zur Ansiedlung in Spanien zu ertheilen. Allen Ihren Glaubensgenossen steht die Hierherkunft frei, und sie werden von der Regierung, den Anschauungen des Landes entsprechend, mit Wohlwollen und Sympathie empfangen werden. Ich verbleibe mit der Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung PraxedeS M. Sagasta." Rußland. Petersburg, 14. Juli. Meldungen aus Poltawa zufolge fanden in Perejaslaw Ausschreitungen gegen die Juden statt. 60 Verhaftungen wurden vorgenommen. Türkei. Tripolis. Die jüdische Gemeinde in Tripolis in der Berberei hat einen eben in Wien weilenden Gelehrten aus Jerusalem beauftragt, ihr einen österreichischen Arzt zu senden. Derselbe wird aus Gemeindemitteln erhalten werden, sich jedoch verpflichten müssen, einige Jahre in dieser Stadt zu verbleiben. In Tripolis practicirte schon vor einigen Jahren ein österrichischer Arzt Namens Dr. Geiger und die dortige jüdische Gemeinde war mit seinen Leistungen so zufrieden, daß sie sich nun entschlossen hat, sich abermals einen Arzt aus Oesterreich zu verschreiben. Wie man nun vernimmt, wurde ein solcher Arzt unter Mitwirkung des Rabbiners der Wiener türkisch-jüdischen Gemeinde schon engagirt und wird derselbe nun in der nächsten Woche in Begleitung des jerusalemitanischen Gelehrten über Triest nach Tripolis abreisen. Feuilleton. U k i b a. XXIX. Rabbi Akiba war in Alexandria angekommen. Hier suchte er den ersten Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Namens Theogonos, auf. Das Haus desselben lag in der Banopischen Straße; es war das schönste und stattlichste von allen. Die Wohnung war mit fürstlicher Pracht ausgestattet und schien eher für einen Griechen als für einen Israeliten hergestellt worden zu sein. Die Gemälde an den Wänden des prächtigen Wohnzimmers, dessen halbgeöffnete Decke von Säulen aus Porphyr getragen wurde, bezogen sich auf die Liebe des Eros und der Psyche; zwischen den Säulen standen die Büsten der größten heidnischen Philosophen, und im Hintergründe des Saales war eine Büste des Plato zu sehen. In diesem schönen Raume fehlte es nicht an bequemen Polstern; auf einem derselben lag Theogonos, ein wohlerhaltener Fünfziger, in einem griechischen Buche lesend. Er, wie fast alle seine alexandrinischen Glaubens- und Standesgenossen, hatten eine griechische Bildung empfangen und fühlten und dachten in hellenischer Weise. Die meisten vornehmen Juden in Alexandria hatten sich dem eigentlichen Judenthume entfremdet, und ein zeitgeuösischer Schrift- 8 steller behauptet, daß die Schweine in Alexandrien 8 viel billiger gewesen wären, wenn die Juden streng § nach dem Gesetze gelebt hätten. Sie hatten die 8 schönsten Rosse und errangen damit manche Siege 8 im Hippodrom; sie stellten in dem Gymnasien die )

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