Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1881)
- Date
- 1881-07-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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725 am Kreuzdamm, einem jüdischen Bürger gehörig, hat bis in den dritten Stock kein ganzes Fenster aufzuweisen, ebenso wie die Figuren, welche zur Verzierung angebracht waren, zerstört sind. Sogar einzelne Christen sind nicht verschont geblieben, ob aus Jrrthum oder weil sie, um in der jetzt modernen Sprache zu reden, Judengenossen und Judenknechte sind, vermag ich nicht zu entscheiden. Unsere Polizei ist, wenn sie auch den guten Willen hat, solchen Tumulten gegenüber zu schwach. Es muß übrigens constatirt werden, daß auch nicht ein einziger anständiger Bürger oder Handwerker an dem Tumult sich betheiligt hat. Charakteristisch ist es, daß bei einem Theil der Menge sogar die Absicht zu plündern bestand, da, wie von einem Polizisten versichert wird, vor einem Kaufladen, der mit Steinen bombardirt wurde, Frauen und Kinder mit Körben bereit standen. Der Schaden, welchen die Stadt zu ersetzen hat, dürfte sich auf eine nicht zu kleine Summe belaufen. Der Tumult ist wohl zum größten Theil den täglichen Hetzereien der hier erscheinenden „Nordd. Presse" aus Rechuung zu setzen, ebenso wie der Pöbel wohl nur die Ideen, welche in dem hier bestehenden deutschen Bürgerverein gepflegt werden, ins Praktische übersetzt hat. Der L., dem bei der Verhaftung ein sünfläusiger Revolver abgenommen wurde, hat sich heute Morgen mit der Eisenbahn gedrückt; doch dürfte er vielleicht bald zurückkehren, um sich wegen Anstiftung zum Lanfriedensbruch vor Gericht zu verantworten." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie». Prof. Brehui, der in einer Vorlesung, die er in Gegenwart des Kronprinzen gehalten, antisemitische Bemerkungen hineinzog, wurde von demselben auf folgende Weise zurecht gewiesen: „Ich muß Sie bitten, von den Juden mit mehr Achtung und Wahrheit zu sprechen, denn wir rechnen sie zu unseren treuesten und loyalsten Staatsbürgern." — Wahrlich ein schönes Wort eines Kaiserssohnes zur rechten Zeit. Wien, 11. Juli. Der durch seinen Wohlthätigkeitssinn rühmlichst bekannte Baron Hirsch hat in großmütbiger Weise für die Bedrängten Rußlands wiederholt 100,000 fl. bestimmt, um deren Auswanderung, die leider immer mehr zur dringenden Rothwendigkeit wird, zu ermöglichen. Budapest, im Juli. Anläßlich des Ablebens der Frau Henriette Landau, geb. Natanson spendete ihr Sohn Herr Horace Ritter v. Landau 10.000 fl. den hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsvereinen. Durch Erlaß des Justizministers wurde den Behörden aufgetragen, daß bei Bewerben um richterliche Aemter in der Qualifications-Tabelle auch das Religionsbekenntniß ausgenommen werde. Prag, 8. Juli. Gestern Abend hielt Oberrabbiner Hirsch in der Altneusynagoge einen mDn über r>i ums bwvlo Piun pwan. Nach einer kurzen passenden Einleitung theilte Redner mm aus den hinterlafsenen Manuscripten des Verewigten mit und ging dann zu einer eingehenden Betrachtung des Verlustes über, den die Judenheit durch den Heimgang des großen Lehrers erlitten. Er verglich ihn treffend mit dem letzten der Richter, mit seinem Namensgenossen da er wie dieser nicht kraft der ihm verliehenen Macht und äußern Würde, sondern nnr kraft seiner umfassenden Gelehrsamkeit und seines immensen Scharfsinns sich Geltung, Ansehen und Einfluß verschafft hatte. Im weitern Verlaufe feiner Trauerrede verglich er den Heimgegangenen auch mit Dup-nfi p ’in dessen glühenden Feuereifer, dessen bcwundcrnswerthe Beharrlichkeit, dessen unerschütterliche Festigkeit, dessen kraftvolle Energie auch er besessen, Eigenschaften, die bei diesem wie bei jenem, bei deren Lebzeiten Gegnerschaften hervorgerufen, welche es aber nicht zu verhindern vermochten, daß ihnen nach deren Hinscheiden allseitig die verdiente Anerkennung und Bewunderung gezollt wurde. Oberrabbiner Hirsch ergriff auch die Gelegenheit seinem Schwager dem berühmten Preßburger v, iNDttns ttM's ‘jrnn mn einen ergreifenden Nachruf zu widmen. — Die zahlreiche Zuhörerschaft — es hatten sich alle mm ’jd eingefunden und das altehrwürdige Gotteshaus war in allen seinen Räumen gefüllt — folgte der einstündigen Rede zwischen nrao und :mj?D mit reger Theilnahme und gespanntester Aufmerksamkeit. Brody. Dem Jahres-Berichte der Israelitischen Knaben- und Mädchenhauptschule zu Brody, Schuljahr 1880-1881 von Dr. Leopold Herzel entnehmen wir: Die Zahl der zum Schulbesuche eingeschrieberen Kinder betrug 1118, und zwar 491 Knaben und 627 Mädchen. Alle diese Kinder wurden in 14 Abtheilungen unterrichtet. Die Verwaltung der Mayer Kallir'schen Stipendienstiftung ist unablässig bemüht, den an dieselbe gestellten Anforderungen nach Thunlichkeit gerecht zu werden. Jünglinge, 'die den Bedingungen des Stiftungsgenusses vollkommen entsprechen, werden zumeist nach Wien entsendet, um dort, unter dem Einflüsse des reich entfalteten Culturlebens und durch mannigfache Gelegenheit ein Handwerk gründlich erlernen l 4