Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1881)
- Date
- 1881-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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722 und vollkommener werden; daß mit diesem irdischen Leben unsere Bahn nicht abgeschlossen ist, sondern daß aus dem Tode ein neues, schöneres Leben erblüht. Welch' eine Freude gewährt es, zu erfahren und zu wissen, daß inmitten all' des Vergänglichen ein fester Halt und ein fester Hort sich bietet, daß, wenn wir Gottes Gebot erfüllen, wir etwas gewirkt und geleistet haben für die Ewigkeit, daß wir auf den Flügeln des Gebetes uns emporzuschwingen vermögen bis zu den höchsten Höhen, daß wir durch die Weihe der Gottesgebote das Irdische vergeistigen, daß wir durch das Eindringen in die Geheimnisse der Gotteslehre den Abglanz der göttlichen Majestät auf uns herniederlenken Gibt es eine größere, schönere, wahrhaftere, reinere Freude? 2b tioipd mps „Die Befehle Gottes, die gerader!, erfreuen das Herz." Ta ist ein Mann mit trauererfülltem Herzen. Sorge und Kümmernisse belasten ihn, Enttäuschung und Trübsal haben seinen Lebenspfad verfinstert; er nimmt seine Zuflucht zu dem den Trübsinn verscheuchenden Becher und füllt ihn mit perlendem Wein. Da durchströmt neue Glut seine Adern, es erheitert sich der umflorte Blick und alle Kümmernisse sind vergessen btuk 22no»* j"i „Der Wein erfreut des Menschen Herz." Nur zu rasch verfliegt der Rausch, und dann treten die Sorgen und Kümmernisse in verdoppeltem Maaße ans. Wenn aber der Mensch aus dem erquickenden Becher der Gotteslehre trinkt, wenn er lernt eindringen in die Tiefen des geoffenbarteu Gottesgeistes, wenn er lernt, alles Irdische als gering und unbedeutend iin Vergleiche mit dem Ewigen und Unvergänglichen zu erkennen, da überwindet er Schmerzen und Sorgen, da zieht dauernde, himmlische, reine Freude ein in sein Herz, da belohnt ihn ungetrübte Heiterkeit, da ersaßt ihn etzi beseligendes Gefühl, auf das keine Ernüchterung folgt. «7« nnpa^ mm nan yno „Es gibt keine Freude, die derjenigen gleiche, welche man aus den Worten der Gotteslehre schöpft." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 13. Juli. Die antisemitischen Agitatoren erheben mit Vorliebe gegen die Juden den Vorwurf, daß dieselben keinen Patriotismus für das Land besitzen, in dem sie wohnen, sich vielmehr stets als eigene'Nation fühlen und mithin eine eigene Art jüdischen oder palästinensischen Patriotismus besitzen. Die „Kölnische Zeitung," welche in einem Leitartikel die Judenhetze in Deutschland bespricht, antwortet darauf in folgender treffender Weise: „Vernunft und Erfahrung belehren uns, daß kein Volk auf Jahrhunderte „in der Zerstreuung" ein wirkliches einheitliches Volk mit wirklicher Vaterlandsliebe zum verlassenen Stammlande bleiben kann. Deni Deutschen in den „Vereinigten Staaten" wird manche Generation hindurch eine pietätvolle Anhänglichkeit an sein früheres Vaterland als heiliges Gefühl erhalten bleiben; sein wirkliches Vaterland ist doch in Wahrheit die Union; ihrer Vertheidigung auf dem Schlachtfelde schuldet er sein Leben, und je vollständiger das neue Vaterland den Einwandererin seine staatsbürgerliche Rechtsgleichheit aufnimmt, desto weniger Generationen werden erforderlich sein, die fremde Nationalität in die neue der gegenwärtigen Lebensgemeinschaft umzuwandeln. Jede erkünstelte Verzögerung dieses historischen Umschmelzungsprozeffes ist vom Bösen, und führt, je zäher sie festgehalten wird, um so mehr zu krankhaften politischen Zuständen. Und das gilt ebenso von den zerstreuten Semiten wie von den zerstreuten Japhetitcn. So lehren Vernunft und Erfahrung." Berlin, 16. Juli. Rach einer Mittheilung des Eorrcspondentcn der „Vossischen Zeitung" in Madrid hat sich jetzt herausgestellt, daß die aus Rußland geflohenen, momentan in der Türkei sich aufhaltenden Juden, die nach Spanien zu wandern beabsichtigen, in Madrid zunächst haben anfragen lassen, ob sie eventuell ans Unterstützungen von Seiten der spanischen Regierung hoffen dürften. Die Antwort ist jedoch in negativem Sinne ausgefallen. Frankfurt am Main. Die hiesige Synagogengemeinde sucht einen zweiten Prediger für ihre Orgelsynagogc, der erste — Herr Dr. Brüll — scheint ihr also nicht mehr zu genügen. Was derselbe gethan oder nicht gethan hat, daß ihm ein 01 101s/ bei* gegeben werden soll, ist nicht bekannt. Wie groß oder wie gering das Predigertalent des Herrn Dr. Brüll von seinem Vorstande auch befunden werden möge, sür die spärlichen Besucher der Synagoge dürfte es reichlich genügen. Nach einer Version soll die Anstellung eines weiteren Predigers nur in dem Umstande seinen Grund haben, daß die orthodoxen Elemente in den jüngsten Jahren zu viele Koncessionen eingeräumt bekommen hätten und daß die Reform- Partei durch die zu treffende Wahl eines zweiten Predigers ihrer Richtung eine Anerkennung ihrer Oberhoheitsrechte erfahren soll. Andererseits macht es vielfach den Eindruck als ob der Vorstand Mittel und Wege suche, um mn