Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1881)
- Date
- 1881-07-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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xxn. Jahrgang. M 29. Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthnm. Herausgegeben von Vr Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 20. Juli 3641 (1881). Diese Zeitung ersckeiüt wöckemlick einmal, Mittmocks, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reicks-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Inserate 25 PF-inige die dreigespalteue Petit;eile oder deren giaum. — Oesterreichische Banknoten laut Emirs. — Directe Francorusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 sl. österr. an die Expedition sranco einpuenden. Inhalt. Leitender Artikel: Die Welr des Geistes. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. Hanau. Breslau. Berlin. — Oest. - Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Prag. Brody. — England: London. — Rußland: Petersburg. — Afrika: Tripolis. — Feuilleton: Akiba. Inhalt der erften Beilage: Leitender Artikel: Rabbiner F. Fischmann b"it. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Falkenstein im Taunus. Feuilleton: Salomon Rothenberger. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Hechtsheim bei Mainz. Feuilleton: Aus den Papieren einer Schamesch-Familie. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisje. Leitender Artikel. Die Welt des (öeistes. XII. Mainz, den 13. Juli. Wie der Wein das Herz des Menschen erfreut, so gibt in der Welt des Geistes es keine größere Freude, als diejenige ist, welche das Wissen und Kennen der göttlichen Lehre bereitet. Die meisten Menschen denken nicht; sie gleichen oen vor den Frachtwagen gespannten Pferden, welche die schweren Lasten ziehend, kein anderes Ziel haben, als die Stationen, an denen sie gefüttert werden und den Stall, in welchem sie ausruhen können. So schleppen die meisten Menschen die schwere Last des Daseins, und ihr ganzes Sinnen und Trachten gilt der Erringung der materiellen Güter und dem Kampfe um die Nahrung und die übrigen Bedürfnisse des Leibes. Nur einzelne bevorzugte Geister erheben sich über die Masse, um über das Wesen und die Bestimmung der Welt und der Menschheit «nWidenken. Aber diese Bevorzugung ist ihnen zugleich ein Nachtheil. Dem Jrrthum ausgesetzt, verfallen sie nur zu leicht in denselben, so daß ihnen das Nachdenken verhängnißvoll wird. So trägt die trostlose Philosophie, die in unseren Tagen modern ist, der Pessimismus, als dessen vorzüglichster Apostel Schoppenhauer gilt und in neuester Zeit Hartmann, einen großen Theil der Schuld an den traurigen Zuständen der Gegenwart. Da gibt es keine Hoffnung und keine Zuversicht; das Leben ist nichts als eine Last, die mit Unwillen getragen wird, und die einzige Erlösung ist die Vernichtung. Da bewährt sich der Ausspruch des weisen Königs: u'ioo njn w' „Wer zunimmt an Erkenntniß, nimmt zu an Schmerz". Anders verhält es sich mit dem Juden. Schon als kleines Kind erfährt er die höchsten Wahrheiten, um deren selbstständige Erlangung der Menschengeist Jahrtausende lang vergeblich gerungen und die Gott unseren Vätern am Sinai offenbarte: daß ein einziger Gott das Weltall erschaffen hat, lenkt und leitet, daß ein liebender Vater die Völker und die Einzelnen ihre Lebenswege führt, vorsorgend für sie bedacht ist und ihnen alles gibt, was sie bedürfen; daß ein allweiser Gott die Fäden der Weltgeschichte in seiner allmächtigen Hand hält und daß dem blinden Zufall keine Herrschaft eingeräumt ist auf Erden; daß unser Vater im Himmel uns Gesetze gegeben, durch deren Beobachtung wir weiser, besser