Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Feuilleton. Salomo» Uotheuberger. in. .^aum war der Sabbat zu Ende, als auch der junge Offizier im Hause Rothenbergers erschien, um das Geld in Empfang zu nehmen. „Herr Rothenberger", sagte er, „Sie haben mich doch recht verstanden, ich brauche zwei tausend Thaler in Gold, vierhundert Louisdor." Salomo» Rothenberger zählte das Geld auf den Tisch; er hatte einen Schuldschein geschrieben, welchen er dem jungen Barone zur Unterschrift vorlegte. Dieser wollte den Akt unterschreiben, ohne ihn gelesen zu haben. „„Lesen Sie Zuvor!"" gebot Salomon. „Wozu?" fragte der Baron. „Ich habe Euch ja bereits gesagt, Ihr dürft soviel Prozcntchcn rechnen wie Ihr wollt." „„Lesen Sie!"" gebot Salomon aufs Reue, „„oder Sie erhalten keinen Pfennig von mir."" Der Baron las: „Ich Endesunterschriebener bekenne hiermit, von Herrn Salomon Rothenberger in E. 2000 Thalcr in Gold, in Worten zweitausend Thaler tu Gold, als Darlehen empfangen zu haben. Herr Rothenberger beansprucht keine Zinsen, da er mir das Darlehen nur aus Dankbarkeit und Freundschaft für meinen Vater gewährt hat. Ich verpflichte mich, die obige Summe, sobald cs mir möglich, zurückzuzahlen. E. den 28. November 18 . ." Der Baron unterschrieb und wollte das Geld, ohne cs gezählt zu haben, cinstreicheu. „„Zählen Sie!"" befahl Salomon. „Ihr seid aber auch gar zu penibel, alter Salomon; Ihr werdet schon richtig gezählt haben." „„Aber der Herr Baron könnte glauben, ich hätte statt 400, nur 300 aufgezählt!"" Der Baron zählte das Geld nach; es waren richtig vierhundert Louisdor. „Habt Ihr keine Goldwaage, alter Salomon?" fragte er lachend, „soll ich die einzelnen Goldstücke nicht auch wägen, ob sie vollwichtig sind?" „„Nein,"" entgegnete Salomon, „„das verlange ich nicht; aber ich verlange von Ihnen, daß sie nicht wieder so leichtsinnig spielen. Im Wiederholungsfälle würden Sie meine Thnrc verschlossen finden!"" Der junge Baron begab sich in seinen Elnb und schüttelte unter dem Jubel seiner Genossen die eben eingeheimften Goldfüchse aus. Er hatte den alten Salomon betrogen; seine Schuld betrug nur einhundert Louisdor, die er seinen Gläubigern ausi händigte. Jetzt begann das Spiel auf's Reue j und endigte nicht früher, bis von der» Gelde Rothen-! bergers nicht mehr ein einziges Stück in dem Besitze! des Barons war. Schon nach wenigen Tagen! wollte der junge Officier ein neues Anlehen bei! Salomon contrahiren, welcher dieses aber standhaft j verweigerte. Dagegen schrieb er an den Batcr des j leichtsinnigen, jungen Menschen und stellte ihm die! Gefahr vor, welcher der junge Baron sichtlich ent- ] gegenging. Rach wenigen Tagen kam eine Antwort vom Haushofmeister des alten Freiherrn. Baron; Friedrich war vom Schlage gerührt, gelähmt und durfte, auf strengen Befehl der Aerzte, mit ernsten oder gar betrübenden Dingen nicht behelligt werden. Unterdes; erfuhr Salomon, daß Otto v. Otternberg seinen ausschweifenden leichtsinnigen Lebenswandel fortsetze und große Summen bei den berückkigtsten Wucherern der Stadt aufnehme. Er snchtc ' den jungen Manu auf und machte ihm die eindringlichsten Vorstellungen. Otto lachte ihn aus und behauptete, daß seine Hilfsquellen unerschöpflich seien. Rach Jahresfrist starb der Freiherr Friedrich v. Otternberg, und sein einziger Sohn gelangte in : den Besitz der großen Erbschaft. Als er jedoch dazu; schritt, seine Schulden zu bezahlen, fand er zu seinem Erstaunen, daß der größte Theil seines Vermögens von ihm in einem einzigen Jahre war vergeudet worden. „Herr Baron," sagte Salomon, als Otto seine; Schuldverschreibung einlöste, „ich bitte Sie, Werder: j Sie jetzt ein anderer Mensch und geben Sie de:: 1 leichtsinnigen Lebenswandel auf. Wenn Sie so fort rasen, wie Sie es bis jetzt gethan haben, so werden Sie in wenigen Jahren ein Bettler sein." „„Ihr habt Recht, alter Salomon,' " sagte der Baron. „„Ich habe verdammt viel Geld zu bezahlen. Doch nun habe ich ausgerast. Ich quittire den Dienst und begebe mich auf meine Güter. Da fehlt cs an lustiger Gesellschaft, und ich finde nicht einmal die ■ Gelegenheit, ein Spielchen zu machen. Wenn das Trauerjahr aus ist, heirathe ich meine Eoufinc ' Blanca von Vuchcnhof, die unterdeß zu einer lieblichen Jungfrau herangeblüht ist. Dam: werden mich Hymens Bande vor allen Ausschreitungen bewahren." " Der Baron hielt Wort. Er nahm seinen Abschied und begab sich aus seine Güter. Rach weniger: Monaten aber, als der Winter herankam, wurde es ihn: zu einsam und zu langweilig in dem alten! großen Schlosse. Er kam wieder nach C., um die 1 alten Kameraden aufzusuchen und einige Wochen in : lustiger Gesellschaft zu verleben.! 'Run begann das alte Leben aufs Reue. Jetzt; war Otto nicht mehr der abhängige Officier, der auf seine Gage und auf die Zulage seines Vaters