Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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697 angewiesen war; jetzt war er der reiche Freiherr v. Otternberg, der nach keinem Menschen etwas zu fragen hatte. Er veranstaltete Schlitteupartien, deren Kosten er allein trug; er ließ in Gesellschaft seiner ehemaligen Kameraden und seiner Standesgenossen den Champagner in Strömen fließen und duldete nicht, daß ein Anderer an der Bezahlung der Zeche Theil nehme. Dabei wurde um hohe. Einsätze gespielt. Wenn die Zechgenossen verloren und in Folge dessen betrübt waren, so ersetzte ihnen Otto ihre Verluste, während sie natürlich behielten, was sie von ihm gewannen. Bald war das baare Geld, welches sein Vater hinterlassen hatte, ausgegeben. Aber Otto wußte sich zu helfen; er ließ ganze Wagen voll Silbergeschirr nach E kommen und verkaufte cs zu Spottpreisen. Natürlich hielt dieses Hilfsmittel nicht lange an. Es wurden Hypotheken auf die bisher freien Güter gemacht, und das Trauerjahr war noch nicht zu Ende, als die Otternberg'fche Güter unter dem Hammer kamen und verkauft' werden nnlßten. Jetzt begann wieder die Periode des Schulden- ^nachens, und der alte Rothenberger, dem zu begegnen /Otto bisher sorgfältig vermieden hatte, wurde wieder aufgesucht. „Gnädiger Herr Baron," sagte Salomon, „Sie haben Ihr Wort, das Sie mir gegeben, schlecht gehalten. Wie verträgt es sich mit Ihrer Cavalier- Chre, daß Sie als ein wortbrüchiger Mann vor mir erscheinen?" „„Stille, alter Salomon,"" sagte der Baron, .„sparet Eure Vorwürfe und gebt mir lieber Geld, »iel Geld! Ihr wißt, es ist Euch sicher, da mir wch die Erbschaft von meinem Onkel Heinrich in 'lussicht steht. Mein Onkel ist älter als mein later war, und kann nicht lange mehr leben "" „Wenn Sie, Herr Baron," entgegnete Salomon, es so weiter treiben, so wird das Vermögen Ihres )nkels dahin gehen, wohin das Vermögen Ihres laters gekommen." „„Mein Onkel ist aber viel reicher als mein >atcr war."" „Bei Ihrem Lebenswandel, bei Ihrer wahnimigen Verschwendung und Spielsucht würde auch >is größte Vermögen nicht lange anhalten. In wenigen Jahren wird auch das Geld Ihres Onkels ergeudet sein, und Sie können dann als Bettler 7s Land durchziehen." „„Pah, ich kann einmal das lustige Leben nicht wen. Wenn der letzte Thaler ausgegeben ist, so >ird eine wohlgezielte Kugel den Freiherrn Otto v. llternberg vor dem schrecklichen Loose bewahren, as Ihr mir in Aussicht stellt."" „Und Ihre Cousine?" „„Freilich, um die thut mirs leid."" „Was soll denn aus dem armen Fräulein werden, das selbst kein Vermögen hat und mit der Aussicht ist erzogen worden, einmal die reiche, vornehme Freifrau v. Otternberg zu werden? Wenns gut geht, wird sie als Gouvernante oder Gesellschaftsdame ein armseliges Leben fristen." „„Donnerwetter, daran habe ich noch gar nicht gedacht! Ihr habt Recht Salomon. Es ist schändlich von mir, die Zukunft meiner Cousine zu vernichten. Um ihretwillen will ich ein neues Leben beginnen und mit meiner ganzen Vergangenheit brechen. Hier habt Ihr meine Hand! Ich gebe Euch mein Ehrenwort, daß ich ein solider und sparsamer Mensch werden will."" Salomon ergriff eifrig die ihm dargebotene Hand. „Herr Baron," sagte er, „ich danke Ihnenfür dieses Versprechen, und es wäre unrecht von mir, wenn ich an der Erfüllung desselben zweifeln wollte. Sie entstammen einem alten, ehrenwerthen Geschlecht, und es ist wohl noch nienrals vorgekommen, daß ein Freiherr v. Otternberg das gegebene Ehrenwort verletzt hätte. Ihre Lebensweise hat mich mehr betrübt als ich Ihnen sagen kann. Ihr seliger Herr Vater hat mir und den Meinigen so viel Gutes erwiesen, daß mir der Gedanke schrecklich war, daß sein Sohn so . . . so rühmlos untergehen sollte. Und nun, Herr Baron, rathe ich Ihnen, daß Sie sofort E. verlassen und sich eine angemessene Thätigkeit suchen. Angestrengte Arbeit schützt am Besten vor allen Extravaganzen." „„Ihr habt Recht, alter Salomon; aber wohin soll ich meine Schritte wenden? Meine Güter sind verkauft, und ich habe kein Heim, in das ich zurückkehren könnte."" „Gehen Sie nach Otternberg und helfen Sie dort Ihrem Oheim bei der Verwaltung seiner Güter." „„Das kann ich nicht. Mein Onkel ist sehr böse auf mich, und ich kann dem alten Griesgram nicht unter die Augen treten. Ich will lieber wieder in die Armee eintreten."" „Nicht doch, Herr Baron, thun Sie das nicht. Da wäre die Versuchung zu groß, in das alte Treiben zurückzufallen. Ich will Ihnen einen andern Vorschlag machen. Kaufen Sie sich ein kleines Gut und bewirthschaften Sie dasselbe. Da ist hier in der Nähe ein solches seil; Epperndorf ist ein schönes Gut, nur ein wenig vernachlässigt. Mit zehntausend Thaler Anzahlung kann man es haben. Da bietet sich Ihnen ein reiches Feld der Thätigkeit, da könnten Sie die von dem vorigen Besitzer ausgehauenen Forsten wieder anpflanzen, die von gewissenlosen Pächtern ausgemergelten Felder wieder in Stand setzen, das verfallene Herrenhaus wieder Herrichten!"