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Der Israelit · 1881-07-13 · Heft 28 (13.7.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 28 (13.7.1881)
Date
1881-07-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXII. Jabr gaitzg. Erste Keilagc;« Ar. 88 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. „Aramäische Pflanzennamen", vnn Immanuel Löw. NUt Unterstützung der k. Akademie der Wissenschaften in Wien. Leipzig, Wilhelm Gngelmann 1881. Tie Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit der talmndischcn Literatur, ihr >?ineinragen in alle Verhältnisse des Lebens bringt es mit sich, daß säst kein Gebiet menschlichen Strebens non ihr unberührt bleibt. Jede Disziplin ist hier vertreten; Mediziner und Juristen, Naturforscher und Philologen finden hier ein ausgedehntes Feld für ihre wissenschaftlichen Bestrebungen. Namentlich aber für letztere bleibt noch viel zu thun übrig, trotz der vielfachen und fchätzenswerthen Arbeiten, die wir aus dem Gebiete der talmndischen Lexicographie besitzen und jeder Wissenssreund nur dankbar anerkennen rvird. Ist es denn nicht erfreulich, das; sich auch nichtjüdische Forscher und Gelehrte dem Studium des Talmuds, vorzugsweise der sprachlichen Seite desselben, tvidmen, und besonders in unserer Zeit, wo so viele lügenhafte Anklagen gegen denselben erhoben werden? Zur Ghre der Wissenschaft sei es gesagt, daß sich ihre Vertreter nicht dazu verleiten ließen, die erlangten Kenntnisse im Talmud als Waffen gegen das Volk, dessen Grzengniß er ist, zu gebrauchen; daß die wirklichen Männer der Wissenschaft sich an der modernen Talmndhetze nicht betheiligt haben. Die Judenfeinde müssen ihre giftigen Waffen ans dein Arsenal eines (Eisenmenger u. dgl. holen, wenn sie das Judenthum beschimpfen wollen. Kein einziger wirklicher Kenner des Talmuds hat sich an dem wüsten Geschrei gegen denselben betheiligt. Man kann dies getrost behaupten trotz Rohlings Prahlerei, er hätte den Talmud durch und durch studirt. Jeder, der Delitzsch' Broschüre gegen ihn gelesen hat, wird wohl zugeben, daß ich im Rechte biii, wenn ich ihn nicht M den Talmudkennern zähle. sind nun solche Arbeiten meistens für Philologen von Fach bestimmt, so ist auch ihr Nutzen für solche, die sich dem Talmudftudium mit Vifer widi men, die ihn nicht nur als eine Raritätensamnilung! für Alterthumsforscher und Sprachenkenner, sondern! als die lebendige Duelle betrachten, aus der auch das jetzige Geschlecht Belehrung, Grbannng und Thorakenntniß schöpfen soll, von großem und vielfachem Nutzen. Wenn wir es auch als eine Anomalie und Ginseitigkeit empfinden, wenn von jüdischen Gelehrten dem Aenßerlichen im Talmud peinliche Sorgfalt zngewendet wird; das richtige Verständnis;, der innere Kern desselben vernachlässigt oder als antiqnirt bei Seite gesetzt wird; so läßt sich andererseits nicht verkennen, das; es auch für jene wünschenswerth erscheinen muß, richtige Wort- und Sacherklärung zu erstreben, die dem Talmud als vornehmlichste Duelle für der unser ganzes religiöses Leben ordnet, warme Begeisterung entgegenbringen. Auch hier gilt das Wort des weisen Königs: „.halte das eine fest und las; auch das andere nicht los." Abgesehen davon, sind ja auch historische Forschungen, sprachliche und archäologische Grlüuteruugen, selbst für solche, die das Talmndstndimn als religiöse Verpflichtung ansehen und als solches betreiben, von großer Wichtigkeit. Wird ja auch dadurch, um bei ersteren zu bleiben, das Interesse für unsere glorreiche Geschichte selbst bei solchen wachgerufen, denen Zeit und Berns fehlen sich mit deiii Talmud zu beschäftigen. Wer sich jedoch ein zn weites Gebiet für seine wissenschaftliche Thätigkeit auswählt, muß nothwendig bei der kaum zu überwältigenden Fülle des Stoffes und bei der Schwierigkeit'der Materie, oberflächlich und flüchtig werden.'Dies hat der Verfasser unzählige Mal Gelegenheit uachzuweisen; selbst tüchtige Philologen müssen es sich gefallen lassen, daß ihnen in diesem Werke grobe Verstöße nachgewiesen werden. Nur wer sich ein speeielles Gebiet auswählt und dieses mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit bearbeitet, darf hoffen etwas Bleibendes zu schaffen. Glue solche Speeialarbeit im besten Sinne des Wortes bietet das vorliegende umfangreiche Werk. Dbschon der Verfasser sich nicht blos auf das Talmudische beschränkt, sondern die Pflanzeuuamen des ganzen aramäischen Sprachgebietes in den Kreis seiner Untersuchungen gezogen hat, so läßt sich das Werk dennoch als „Botanik des Talmuds" betrachten, da dies der Ausgangspunkt seiner Untersuchungen war und den Hauptwerth des Werkes ausmacht. Jedoch muß hier das Wort „Talmud" im weiteren Sinne genommen werden, Nicht nur aus beiden Talmuden, sondern auch Tosefta, Midraschim :c. und selbstverständlich die Targumim hat der Verfasser in den Kreis seiner Untersuchungen gezogen. So bietet das Werk zwölshuudert aramäische Pstan-

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