Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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692 starben lieber, ehe sie Gottes heilige Gebote verletzten und ihre Unschuld Preisgaben*). Zu allen diesen schrecklichen Dingen kamen noch unerträgliche Steuern und die willkürlichen Erpressungen der römischen Beamten. Das Alles hatte das römische Joch ganz unerträglich gemacht. Aber die Juden waren zerstreut im ganzen römischen Reiche. Wenn sie sich wie ein Mann erheben, wenn die anderen unterdrückten Nationen sich mit ihnen verbinden würden, so war Aussicht vorhanden, daß der gewaltige Coloß der weltbeherrschenden Roma Zusammenstürzen und die geknechteten Völker ihre Freiheit wieder erhalten würden. Allein die Weisen Israels lebten der Ueberzeugung, daß kein Aufstand gelingen würde, solange Gott nicht die Erlösung herbeiführe und den heißersehnten Davidssprößling sende. Deßhalb entschloß sich Rabbi Akiba, weite Reisen zu unternehmen und die Brüder in den entferntesten Ländern der Diaspora vor einer gewaltsamen Erhebung zu warnen. Auch einen großen Theil von Arabien hatte Kaiser Trajan durch seinen Feldherrn, Cornelius Palma, den Statthalter von Syrien, erobern lassen. In Arabien wohnten von Alters her viele Juden, die sich dort schon vor der Auswanderung in die babylonische Gefangenschaft niedergelassen hatten. Auch sie seufzten nunmehr unter dem römischen Drucke und gingen mit dem Gedanken um, sich von dem römischen Joche Zn befreien. Dorthin wendete sich Rabbi Akiba zunächst. Auch in diese fernen Gegenden war sein Ruf gedrungen, und er wurde überall und nicht nur von den Glaubensgenossen mit den größten Ehren empfangen. Könige kamen und baten um seinen Rath und befolgten ihn auch**) Daher gelang es ihm denn auch, die Juden Arabiens von dem allgemeinen Aufstande zurückzuhalten und während alle andern Länder des Ostens sich empörten, fügte sich Arabien willig der römischen Herrschaft. Rabbi Akiba dehnte seine Reise bis nach Gallien, Nordafrica und Aegypten aus. In dem zuletztgenannten Lande waren die Juden sehr Zahlreich vertreten. Dorthin waren nach dem Tode des Gedalia ben Achikam diejenigen entflohen, welche Nebukadnezar nach der Zerstörung des ersten Tempels in Jerusalem zurückgelassen hatte. Unter der Herrschaft der Ptolomäer war Judäa länger als ein Jahrhundert ägyptische Provinz gewesen. Damals waren die Beziehungen beider Länder sehr innige und in Folge dessen hatte sich Vergleiche Jeruschalmi, Zuckah, Pcrek, Hachaiil. **) Tanchuma Paraschath Naho, Rabbah c. 89. die jüdische (Monte in Aegypten bedeutend vermehrt. In diesent Lande hatten sogar die Juden einen Tempel errichtet und Opfer dargebracht, was allerdings dem Gesetze nicht gemäß war, aber doch ein Zeügniß ablegt von der Größe der jüdischen Einwohnerschaft in Aegypten. Die Hauptstadt des Landes war zur Zeit unserer Erzählung Alexandria, einst von Alexander dem Großen gegründet und nach seinem Namen genannt. Hier wohnten sehr viele reiche, vornehme' und gelehrte Juden. Philo, der Alexandrier, welcher kurze Zeit vor dem Beginne unserer Erzählung gestorben war, gilt als einer der bedeutendendsten Philosophen der nenplatonischen Schule. Ihn hatten einst seine Glaubensgenossen nach Rom geschickt, um den Kaiser Caligula zu bitten, daß er die Juden von der Pflicht entbinde, dem Bilde des Kaisers göttliche Ehre zu erweisen. Uno Ealigula gewährte die Bitte; doch konnte er es sich nicht versagen, die dummen Juden auszulachen, die feine Göttlichkeit nicht anerkennen wollten. Auch die Tribunen Eassius Ehärea und Cornelius Sabiuus, die den Unhold bald nachher ermordeten, scheinen nicht an seine Göttlichkeit geglaubt zu haben. Das Judenthum der alexandrinischen Juden scheint in jener Epoche meistens nur in der Verläugnung des Götzendienstes bestanden zu haben. Noch zeugte die große Synagoge in Alexandria von der Frömmigkeit und Opferwilligkeit der Vorfahren. Sie war wie eine Basilika, das ist, wie eine königliche Halle gebaut. Prachtvolle Säulen trugen das Dach und der große Raum faßte viele Tausende von Andächtigen. Siebenzig goldne Sessel für die Aeltesten der Gemeinde standen im Vordergründe. So groß war die Synagoge, daß die Stimme des Vorbeters sie nicht auszufüllen vermochte. Deßhalb stand auf der Bimah (Almemor) der Synagogendiener mit einer Fahne, die er schwenkte, sobald der Vorbeter eine Berachah beendet hatte, worauf dann ein mehrtausendstimmiges Amen ertönte. Nach Zünften fanden sich die Besucher der Synagoge beisammen. Hier standen die Zimmerleute, dort die Schmiede, hier die Goldarbeiter, dort die Silberschmiede, hier die Weber, dort die Schreiner und so alle Handwerker. Wenn ein Fremder nach Alexandria kam, so brauchte er nur die Synagoge zu besuchen, um seine Handwerksgenossen beisammen und Arbeit oder Unterstützung zu finden. (Fortsetzung folgt.) Hierzu sechs Beilagen. Verantwortliche Red-icnon: Dr. Lehmann in Mainz. — Vertag und tZxpedrrron des „Israelitgrore Bleiche 45. I. Got rsleben's Buchdruckerci füicuuer Anzeiger).