Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447876--17768-2473785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 L neic sich Trajan durch viele glückliche Kriege aus. Er strebte nach dem Ruhme, ein zweiter Alexander von Macedonien zu werden und hatte es gern, wenn man ihn als solchen bezeichnete, so daß er in der That von seinen Zeitgenossen und Späteren mit diesem Namen genannt wurde*). Die eroberten und gebrandschatzten Provinzen mußten das Geld liefern für die herrlichen und wundervollen Bauten, welche der Kaiser in Rom und an anderen Orten errichtete. Als der Kaiser Dacien erobert hatte, ließ er ein Forum errichten, das an Umfang und Glanz jedwedes ähnliche Unternehmen der ihm vorangegangenen Kaiser übertraf. Der Platz war mit zahlreichen Statuen geschmückt, unter denen die Flgur Trajans häufig wiederholt war, und zu den Zierden desselben gehörten Gruppen in Bronce oder Marmor, die seine gefeiertsten Thaten vorstellten. Die Balustraden und Gesimse der sämmtlichen Gebäude glitzerten von vergoldeten Waffen und Rossen; hier stand die große Reiterstatue des Kaisers und der Triumphbogen, der mit prachtvollen Skulpturen geziert war. In der Mitte des Forums erhob sich die Trajanssäule bis zu einer Höhe von 128 Fuß, von der Basis des Schaftes bis zur Spitze mit Reliefdarftelluugen aus den dacischen Kriegen und mit vergoldeten und gefärbten Windungen geschmückt; auf ihr ragte die Kolossalstatue des Siegers empor. Mit dem Forum waren zwei Bibliotheken verbunden, die eine für griechische und die andere für römische Werke; im Westen war es von einer Basilika von großartigen Verhältnissen begrenzt; prachtvolle Säulengänge verbanden Hallen uud Gemächer zum Gebrauche und ur Erholung des Publikums. — Außer diesem einem Hauptwerke ließ Trajan noch eine Menge großartiger Gebäude: Theater, Gymnasien, Bäder, Hallen und Säulengänge errichten. Auch Italien und den Provinzen kam des Kaisers Baulust zu Gute; er ließ in Ancona einen Hafen errichten, und der Hafen von Civita Becchia wird noch heute von dem Molo geschützt, den Kaiser Trajan hat erbauen Lassen. Er ließ in Spanien den Tagus bei Alcantara überbrücken nnd bei Mainz eine feste Brücke über den Rhein schlagen. Noch heute erblickt man, sobald ein niedriger Wasserstand es erlaubt, bei Tur Severin in Rumänien die Pfeiler der gewaltigen Brücke, welche Apollodorus im Auftrag des Kaisers über die Donau schlug. Trajan ließ Straßen erbauen, um alle Provinzen des großen ti *) Hierach ist der Ausspruch Abaja's in Lucka 51b. zu erklären; unter dem dort erwähnten Alexander von Macedonien ist Trajan verstanden, wie auch in Ieruschalmi und den Midraschim das dort Erzählte ausdrücklich von Trajan berichtet wird in Nebereiustimlniing mit den römischen Schriftstellern jener Zeit. Reiches mit der Hauptstadt zu verbinden nnd die Getreidezufuhr nach derselben zu ermöglichen. Die zeitgenössischen Schriftsteller rühmen die Gerechtigkeit, die Bescheidenheit und den unermüdlichen Fleiß des Kaisers; sie preisen seine schöne majestätische Gestalt, feine Tapferkeit ini Kriege und seine Leutseligkeit im Umgänge. Seine Fehler versuchen sie soviel als möglich zu beschönigen; trotzdem müssen auch sie zugestehen, daß er im Essen und Trinken höchst unmäßig war, daß seine Böllerei ihm am Ende seiner Tage die Wassersucht zuzog und daß er während seines ganzen Lebens einem abscheulichen uud widernatürlichen Laster fröhnte. Die jüdischen Quellen wissen nicht viel Gutes von Trajan zu erzählen; de.m dieser Kaiser war es, der unendliches Weh über unsre Voreltern gebracht hat. Auch Plotina, die Gemahlin des Kasers wird von den zeitgenössischen Schriftstellern sehr gerühmt, und doch soll sie es gewesen sein, welche Trajan zu seinen Grausamkeiten gegen die Juden anreizte. Trajan hatte einen Sohn' und eine Tochter, die beide in früher Jugend starben. Als der Sohn geboren wurde und der Jubel das ganze große römische Reich erfüllte, feierten die Juden gerade den Fast- und Trauertag um die Zerstörung Jerusalems, den neunten Tag des Monats Ab; als die Tochter starb, zündeten die Israeliten die Lichter vor ihren Häusern an, denn es war gerade am Ehanukafeste. Da sprach Plotina zu ihrem Gatten: Sichest Du, wie die Juden Dich hassen! Als Dein Sohn geboren wurde, saßen sie auf der Erde, weinten trauerten und fasteten. Jetzt, da Deine Tochter gestorben, illuminiren sie ihre Häuser. Trajans Haß gegen die Juden war sicherlich auch aus potitischen Ursachen erwachsen. In seinem Kriege gegen die Parther leisteten ihm die Juden, welche an den Ufern des Euphrat und des Tigris sehr zahlreich wohnten, den heftigsten Widerstand. Ja, während der Kaiser in Rom seine Triumphe feierte, standen die Juden in den neueroberten Ländern wieder auf; gleichzeitig erhoben sich die Juden in Aegypten, Cyrene und auf der Insel Cypern, alle von dem Gedanken beseelt, das harte römische Joch von sich abzuschütteln. Denn schwer lastete dieses Joch namentlich auf den Juden. Sie waren der Willkür der einzelnen Statthalter preisgegeben und sollten gezwungen werden, den Bildsäulen der römischen Imperatoren göttliche Ehre zu erweisen. Viele gaben M Leben hin zur Heiligung des göttlichen Namens. Aber das vergossene Blut schrie um Rache und verbitterte die Gemüther der Verwandten und Freunde. Auch viele Frauen, Jungfrauen und Jünglinge wurden von den römischen Legionären bedroht; sie sollten den natürlichen und unnatürlichen Lüften derselben dienen. Aber sie