Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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090 summe der Legate beziffert sich auf mehr als 300,000 fl. Bemerkenswerth ist folgender Passus des Testaments: „Nachdem ich jederzeit ein eifriger und unerschütterlicher Bekenner unseres von Gott eingesetzten Glaubens war, nachdem dieser göttliche Glaube mir nicht nur in jeder Lage meines Lebens Trost und Beistand gegeben hat, sondern auch in meiner Nächstenliebe mich so sehr bekräftigte, daß er mir ein offenes Herz für jeden Nothleidenden, welchem Glauben derselbe auch angehören möge, gnädig verliehen hat, so empfehle ich meinen Erben, daß sie meinem Beispiele folgen und niemals einen Unterschied in der Religion bei jenen Nothleidenden machen mögen, welche sich um Hilfe an sie wenden. Wien, 5. Juli. Es ist schon von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen worden, in welcher sonderbarer Weise die Vorschrift des Staatsgrundgesetzes, daß der Zutritt zu den öffentlichen Aemtern von dem Glaubensbekenntniß unabhängig, bei dem Oberlandesgerichte Wien gehandhabt wird; heute können wir leider Aehnliches aus dem Gerichtssprengel Czernowitz berichten. Von 5 Rechtspraktikanten, die im Jahre 1877 und 1678 bei dem dortigen Landesgerichte eintraten, wurden vier übergangen. Rechtspraktikanten der christlichen Confession, welche keine dreimonatliche Dienstzeit aufzuweisen hatten, wurden beim Avancement jüdischen Rechtspraktikanten vorgezogen, die bereits mehr als 2 Jahre und zwar mit vorzüglichen Leistungen dienten! Wien. Der Secretär der hiesigen spanischen Gesandtschaft, Herr Emilio del Perojo, erschien heute Morgens in der Wohnung des isr. Predigers Herrn Dr. Jellinek, um ihm im Namen des Königs von Spanien den Dank auszusprechen für die Rede, die Jellinek am 18. Juni anläßlich der Rückberufung der Juden nach Spanien gehalten. Zugleich ließ König Alphons seinen Dank entbieten für die Segenswünsche, die der Prediger unter Acclamation der ganzen Gemeinde für den König und die Königin von Spanien ansgesprochen hatte. Prag. Im Sitzungssaale der böhmischen Landesjudenschaft versammelten sich die von dem Obmanne der Repräsentanz, Herrn Dr. Moritz Lichtenstern, einberufenen Experten, Rabbinen und Religionslehrer, um über den Entwurf eines einheitlichen Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen zu berathen. Der Wichtigkeit der Lösung dieser dringlichen Frage entsprechend hielt diese Enquete zwei Sitzungen unter dem Vorsitze des Oberrabbiners Herrn Hirsch, um die Principien festzustellen, die den von der Regierung zu genehmigenden Lehrplänen zn Grunde gelegt werden sollen. Die wichtigste Bestimmung, die getroffen worden,ist: Die hebräischen Lehrgegenstände haben in allen Lehrplänen einen integrirenden Theil des Religionsunterrichtes zu bilden. Weiteres wurde als Minimum zum Uebertritte in eine Mittelschule als Lehrziel der ersten 4 Volksschulklaffen normirt: „Correctcs Hebräisch-Lesen und ausgewählte Capitel aus dem Pentateuch im Urtexte, biblische Geschichte bis zum Tode Mosis, Fest- und Fasttage." Zur Erreichung dieses Zieles soll von der Repräsentanz dahin gewirkt werden, in geeigneter Weise für die Erweiterung des hebräischen Unterrichtes in den einzelnen Gemeinden Sorge zu tragen, da die für den Religionsunterricht fixirten Stunden des staatlichen Lehrplanes nicht ausreichen. Es wurde eine 7gliederige Commission eingesetzt, die bis im December die geschaffenen Lehrpläne der Landesjndenschaft vorzulegen hat; worüber ich zur Zeit ausführlich zu berichten mir erlauben werde. Frankreich. Paris, 3. Juni. Die von der „Alliance israelite" veranstaltete Sammlung für die verfolgten Juden in Südrußland hat 197,000 Fr. ergeben. Feuilleton U k i b a. XXVIII. Nach der tyrannischen Herrschaft Domitians und nach dem schwachen Negimente, welches Nerva geführt hatte, wurde Kaiser Trajan von den Römern über Gebühr gepriesen. Bei seiner Thronbesteigung hatte er das Versprechen gegeben, keinen römischen Senator hinrichten zu lassen. Dieses Versprechen hielt er getreulich, und wenn dennoch im Laufe seiner Regierung die Hinrichtung von todeswürdigen Verbrechern aus dem Stande der Senatoren uothwendig geworden war, so überließ der Kaiser die Bestrafung derselben dem Senate. Dieser Umstand allein erwarb ihm die Liebe seiner ehemaligen Standesgenossen und stimmte die zeitgenössischen Schriftsteller so günstig für ihn, daß sie alles Lob und allen Ruhm auf sein Haupt häuften. Der Senat gab ihm den Beinamen 'Optimus, das ist „der Beste". In der That übte Trajan mancherlei Tugenden, die ihn als Herrscher groß machten und ihin die Liebe der Römer gewannen. Als er dem Präfecten der Prätorianer das Schwert, das Symbol seines Amtes, überreichte, sprach er: „Gebrauche dieses für mich, wenn ich gut, gegen mich, wenn ich schlecht handle." Auch zeich-