Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1881)
- Date
- 1881-07-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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679 und lustig leben. — Wer nicht liebt Wein, Weiber und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang."" Salomon wurde sehr ernst. „Junger Herr," sagte er, „das ist eine gefährliche Maxime, die schon Manchen in's Verderben gebracht hat. Ich bin Ihrem Herrn Vater zu großem Dank verpflichtet, und es sollte mich freuen, wenn meinde ernstliche Mahnung bei Ihnen fruchten möchte. Gesang, dagegen habe ich nichts einzuwenden, Wein mäßig genossen, mag auch noch hingehen, aber Weiber und Spiel, bester Junker, nehmen Sie Sich davor in Acht." „„Ach, alter Salomon,"" lachte der Baron, „„es ist man ja ein Lied, und ich hab's nicht ernstlich gemeint. Die Weiber kümmern mich nicht, denn ich will's Euch anvertrauen, mein Onkel Heinrich, dessen Erbe ich bin, wünscht, daß ich eine arme Verwandte seiner verstorbenen Frau, Blanca von Buchenhof, heirathen soll. Blanca ist zwar noch ein Kind, aber ein reizendes Kind, und der Gedanke an sie wird wohl eine andere Neigung in mir nicht aufkommen lassen. Aber das Spiel, ich gestehe es offen, das liebe ich sehr!"" _t „Gnädiger Herr," fragte Perl, „wozu brauchen Sie zu spielen? Wenn Sie verlieren thut's Ihnen leid, und wenn Sie gewinnen, kann's Ihnen keine Freude machen. Sie sind ja reich genug." „„Liebe Frau Perl,"" entgegnete 'der Baron lachend, „das versteht Ihr nicht; ich spiele nicht, um zu verlieren, und nicht um zu gewinnen; ich spiele, weil mir das Spiel Freude macht. Das ist eine Aufregung wie bei der Jagd und wie im Kriege. Von jeher war das Spiel die Beschäftigung der; Lanzknechte; das gehört so zum Soldatenhandwerk."" „Ich kann mir," nahm Salomon das Wort,! „nichts Thörichteres und Geistloseres denken, als Karten- oder Würfelspiel, als Pharo oder Roulette und wie die Spiele alle heißen mögen. Abgesehen von Allem ist es eine schändliche Zeitverschwendung; außerdem sind viele andere Laster damit verbunden; * da wird geflucht und gezankt, und die schrecklichsten j Redensarten werden dabei ausgestoßen. Der Spieler | kernt die ernste Arbeit hassen und den Werth des! Geldes verkennen." 1 „„Mein lieber Salomon, was soll ich junger! Seconde-Lieutenant mit meiner überflüssigen Zeit! anfangen? Und was das Geld betrifft, so braucht das für mich keinen Werth zu haben — ich bin! reich genug, oder werde es doch einmal sein."" j „Bester Junker, im Spiel kann auch ein fürsti liches Vermögen durchgebracht werden. Aber kost-! barer noch als das Geld ist die Zeit. Was Sie! mit Ihrer Zeit ansangen sollen? Studiren Sie die! Kriegswissenschaft, werden Sie ein zweiter Scharn-! Horst."! „„Ha, ha, ha, alter Salomon! Will ich denn bei der Fahne bleiben? Nach wenigen Jahren werde ich den Dienst quittiren. Ich bin nur eingetreten, weil das seit Jahrhunderten so Mode ist in unserem Hause. Was soll mir die Kriegswissenschaft, wenn ich auf Otternberg Hafer nnd Buchwaizen baue, Kartoffeln pflanze, Branntwein brenne und Ochsen mäste?"" „So beschäftigen Sie sich mit der Literatur!" „„Seid Ihr ein so gelehrtes Hans, alter Salomon? — Doch lassen wir das, kommen wir zum Zwecke meines Besuches; ich habe bereits gespielt und verloren, daher möchte ich ein Anlehen von zweitausend Thalern bei Euch machen. Ihr könnet mir so hohe Procentchen rechnen, wie Ihr wollt, und daß Euch das Geld sicher ist, wißt Ihr ja!"" Salomon erhob sich. „Mein Herr Baron," sagte er, „ich befasse mich nicht mit Darlehen, ich mache keine Wuchergeschäfte." „„Ei, ei, Herr Rothenberger, seien Sie doch nicht beleidigt, sind Sie denn kein Jude?"" „Schlimm genug, daß eine schlechte Gesetzgebung viele meiner Glaubensgenossen zwingt, derartige Geschäfte zu betreiben! Hat man doch erst neuerdings wieder die Inden von allen bürgerlichen Rechten, von den meisten ehrenvollen Erwerbszweigen ausgeschlossen! Die goldene Freiheit, die uns'die Franzosen gebracht hatten, wie hat man sie uns verkümmert! Da ist der Zunftzwang wieder aufgerichtet, und kein Jude kann zünftig ein Handwerk oder ein Geschäft erlernen oder gar betreiben; aus Bremen und Lübeck sind die Juden wieder vertrieben; kein Jude kann Grundbesitz erwerben, keiner darf den Acker bebauen. So zwingt man die armen Juden zum Hausirhandel und die Wohlhabenden zu Geldgeschäften. Nachher glaubt man jeden Juden beleidigen zu dürfen." „„Aber lieber Salomon, ärgert Euch doch nicht! Ich habe ja diese Gesetze nicht gemacht, und mein Vater hat Euch ebenfalls nichts Böses zugefügt."" „Gerade, weil ich Ihrem Herrn Vater zu Dank versuchtet bin, will ich dem Leichtsinn des Sohnes nicht Vorschub leisten " „„Alter Salomon, nehmt Vernunft an! Ich muß die 2000 Thaler haben, es ist eine Ehrenschuld. An meinen Alten kann ich nicht darum schreiben. Wenn Ihr mir das Geld nicht gebt — kriegen thu' ich's schon. Ich denke, Ihr behandelt mich gelinder als jeder Andere; deßhalb bin ich zu Euch gekommen. Also heraus mit Euren Goldfüchsen!"" „Mein lieber Junker, heute ist Sabbat, da sängt sich gar nichts an." „„Ich meine dock, heute sei Freitag."" „Aber der Sabbat beginnt am Freitag Abend.