Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1881)
- Date
- 1881-07-06
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Kommen Sie morgen am Ausgang des Sabbats I wieder, dann wollen wir weiter davon reden. Es! wäre mir leid, wenn Sie gewissenlosen Menschen, i feien sie Juden oder Christen, in die Hände fielen." Der Lieutenant schnallte seinen Säbel um, reichte Herrn und Frau Rothenberger die Hand und sagte im Fortgehen: „„Adieu, auf Wiedersehen, morgen Abend!" (Fortsetzung folgt.) Aie allgemeine deutsche Iatent- und Musterschutz-Ausstellung zu Irankfnrt am Main. IV. Frankfurt a. M., den 4. Juki. | Sehr reich ist die Ausstellung au neuen Erfini düngen in Bezug auf Maschinen und Apparaten zum! Betriebe der Landwirthschaft. Wir machen beson-! ders auf die Dreschmaschinen mit selbstthätigem Putz-! werk, mit Göpel- oder Dampfbetrieb von Moritz! Weil fr. zu Frankfurt a. M. aufmerksam. Die! Weil'schen Maschinen, von welchen mehr als 30,000 j Stück in Betrieb, sind in allen europäischer! Ländern j als vortheilhaft bekannt.! Es wird den Lesern des Israelit von Interesse j sein» zu erfahren, daß schon im Talrnud landwirth-! schaftliche Maschinen, welche man allgemein als Er-! findung der Neuzeit betrachtet, erwähnt werden, j So wird uns im Tractat Baba Mezia f. 1O5b. von > einer Säemaschine berichtet. Raschi gibt uns eine! annähernde Beschreibung von der Construction dieser! Maschine. Sie bestand aus einem Wagen, der un- : fett durchlöchert war. Derselbe wurde mit Getreide gefüllt und von Ochsen über das gepflügte Feld geführt, wo dann die Körner einzeln in die Furchen fielen. — Aehnliche Maschinen werden heutzutage von sehr vielen Landleuten benutzt, während sie bis vor wenigen Jahrzehnten ganz unbekannt waren. Es gibt noch viele andere Dinge, die man für Erfindungen der Neuzeit hält und die bereits im Talmud; als bekannt vorausgesetzt werden. Den Blitzableiter! hat bekanntlich der berühmte amerikanische Staatsi mann Benjaniin Franklin vor jetzt ungefähr hundert > Jahren erfunden, in der Thosephta aber zu Tractat; Sabbot c 7. am Ende findet sich eine Stelle, welche * voraussetzen läßt, daß der Blitzableiter schon damals bekannt war. Dort werden nämlich eine Menge Dinge aufgezahlt, welche im heidnischen Aberglauben wurzeln und deßhalb den Juden zu üben verboten sind. Am Schluffe dieser Aufzählung heißt es: Es ist verboten, Eisenstäbe bei der jungen Vogelbrut anzubringen, weil dies ein heidnischer Gebrauch ist; geschieht es jedoch um den Blitz abzulenken, so ist es erlaubt. Es wäre eine verdienstliche Aufgabe, alle die Dinge zusammenzustellcn, die als Erfindungen und Entdeckungen der Neuzeit gelten und die bereits im Talmud erwähnt werden. Da ich gerade davon rede, so will ich hier etwas aus dem Gebiete der Naturwissenschaft berichten, was gewiß der Beachtung werth ist. Es ist bekannt, daß man noch vor wenigen Jahrzehnten sich vergeblich bemühte, die Entstehung und das Wesen des Windes oder des Sturmes zu erklären. Erst dem großen Metereologen Professor Dove, der im vorigen Jahre in Berlin gestorben ist, war es Vorbehalten, die einfache Erklärung zu finden, daß der Wind oder der Sturm nichts Anderes ist, als das gestörte Gleichgewicht der Luft. „Früher sagt Dove, hielt man den Wind oder den Sturm für ein Wunder; es gibt aber so viele Ursachen der Bewegung, daß man füglich die Windstille für ein Wunder halten müßte." Diese Ansicht Doves, welche jetzt als die richtige allgemeine acceptirt ist, wird bereits in Midrasch Rabbah zu Paraschath Thasria angedcutet. Dort ist nämlich von den Stürmen die Rede, die durch den Willen Gottes in übernatürlicher Weise hervorgerufen wurden: Der Sturm, welcher das Haus, in der sich die Kinder Hiobs befanden, von allen vier Seiten zugleich anpackte und zertrümmerte, und der Sturm welcher, als sich Elfiahu auf dem Berge Sinai befand, die Bäume entwurzelte und die Felsen zertrümmerte, und der Sturm, welcher das Schiff zu vernichten drohte, auf dem sich der Prophet Jona befand. rinn rw»' Q’oys ntsn1?#, dreimal entstand ein Sturm, ohne daß das gestörte Gleichgewicht der Luft die natürliche Ursache war." Es sollte mich freuen, wenn ein gründlicher Kenner des Talmuds und der modernen Naturwissenschaften durch die obigen Mitheilungen dazu angeregt würde, auf diesem Gebiete weiter zu forschen und das Resultat seiner Forschungen zu veröffentlichen. Es würde dadurch gezeigt, welche Schätze auch auf diesem Gebiete aus dem Meere des Talmuds zu Tage gefördert werden können.