Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1881)
- Date
- 1881-07-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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interessante Daten: „Ein Kind armer Eltern, wurde Rosner in einer jüdischen Schule des Borsodcr Eomitates im Talntud unterrichtet. Sein Wissensdurst trieb ihn bald in die Fremde, und er suchte den berühmtesten Talmndisten des Landes, den Pakser Rabbiner, aus. Hier lebte er ausschließlich seinen Studien; der Unterhalt bereitete ihm keine große Sorge, da er jeden Tag in einem andern Hause die Kost' umsonst erhielt. Mit achtzehn Jahren bereits heirathete er. Ilm seine Familie erhalten zu können, ward er Schreiber, d. h. er schrieb zu confessionellen Zwecken Thoras, zehn Gebote it. s. tu. aus Pergament. Da dies aber ein sehr langwieriges mühsames Geschäft, sann Rosner auf einen anderen Erwerb. Er ging nach Budapest, trat in eine Grabsteinhandlung ein und lernte die Kunst des Eingravirens der Buchstaben in Stein. Einige Wochen später prangte in der großen Gasse von Paks eine neue Firmatafel mit der Aufschrift: „David Rosner's Grabsteinhandlung." Das Geschäft ging gut, aber Rosner haßte die Monotonie, er wollte einige Abwechslung in sein Leben bringen. Er sah, daß die Aeinter, die Gerichte, die Advocaten allerlei Drucksorten aus der Hauptstadt kommen lassen, und er dachte sich, warum sollte er nicht auch solche verfertigen? Nach Verlauf einiger Wochen stand bereits in seinem Zimmer ein Setzkasten, und ein Setzer unterrichtete Rosner und seine zwei Lehrlinge in der Kunst des Setzens. Bald konnte Rosner den Setzer entbehren und heute hat Paks auch eine Druckerei. Diese vielfachen Handwerke hattet: denn auch ihre Folgen. Rosner kaufte sich einen Grund und baute auf demselben ein Haus. Und hier geschah, was ihn zum „Goldmenschen" und Paks zum ungarischen Ealifornien machte. Man grub einen Brunnen. Rosner sah zu, wie die Schaufler den Sand ausgruben, und es fiel ihm auf, daß der Saud glitzerte. Er betrachtete ihn lange und katn auf den Gedanken, daß das Glitzernde Gold sein könnte. Er theilte seine Idee einigen Leuten mit, die ihn jedoch — es ist dies das Loos aller Entdecker — auslachten. Dies machte ihn aber nicht wankend. Er erfuhr, daß es Institute gibt, wo der Sand auf Goldgehalt geprüft wird, doch müsse man Acht geben, daß Andere Einem nicht in der Ausbeutung der Entdeckung zuvorkommen. Die angeborene Schlauheit verließ unseren Rosner auch diesmal nicht. Er sandte Zuerst gewöhnlichen Sand nach Budapest, Wien und Leoben und ließ ihn auf Gold untersuchen. Selbstverständlich erhielt er zur Antwort, daß in dem sande keine Spur von Gold sei. Hierauf sandte er den Sand, in welchem er Gold vermuthete — und siehe da! seine Vermuthung war bestätigt, der Sand enthielt Gold. Nun hieß es, ein genügend großes Terrain erwerben. Er kaufte daher seinen Nachbarn die Gärten ab, auf die Gefahr Hin, von ihnen für verrückt gehalten Zu werden. Hierauf lief er zur Berghauptmannschaft und verschafft sich das Schurfrecht. Der Berghauptmann wurde auf die Sache aufmerksam und reiste nach Paks, wo er sich von der Richtigkeit der Rosner'schen Entdeckung überzeugt und sofort geologische Untersuchungen vornahm. Diese führten zu dem Ergebnisse, daß in dem eine halbe Stunde von Paks entfernten Duna-Kömlöd gleichfalls goldhaltige Sandablagernngen vorhanden sind. Der Bcrghauptmann kam nun selbst um das Schurfrecht ein und erhielt es ebenso tvie Rosner. Und nun sind bereits fünf Gruben in Thätigkeit. Der einstige Schreiber ist nun Goldgrubenbesitzer, und die Leute halten ihn nicht mehr für einen Narren, ja, der Montan-Commissär sagte ihm: „Wenn Sie selbst nicht, Ihre Söhne werden gewiß ungarische Magnaten sein und dem ungarischen König zur Seite reiten." Die Pakser Juden aber sind doppelt stolz ans den Ahn der künftigen Adelsfamilie, der trotz seines großen Glückes der fromme orthodoxe Jude geblieben ist, der er in seiner Aruiuth war. S p a n i e it. Der Madrider Eorrespondent des „Standard" berichtet über die Umstände, unter denen König Alphoufo zu der Entscheidung gelangte, Juden die Niederlassung in Spanien zu gestatten, wie folgt: „Der Marquis de la Bega de Armijo, Minister des Aeußern, empfing von dem spanischen Gesandten in Konstantinopel ein Telegramm, worin dieser mittheilte, daß ein einflußreicher Israelit sich ihm vorgestellt und es angeregt habe, daß seine verfolgten Landsleute — aus Rußland vertrieben, schlecht behandelt in den Donaustaaten, kalt ausgenommen in Oesterreich, und in Deutschland die antisemitische Agitation fürchtend, — ihre Augen vielleicht auf das Land werfen dürften, wo sich im Mittelalter ihre Glaubensgenossen großer Wohlfahrt erfreuten. Die Idee der hebräischen Flüchtlinge war, wie es scheint, daß ihre Einwanderung von der Türkei, wo nahezu 60,000 angekommen sind, nach den Gestaden Spaniens gelenkt werden möchte. Sobald der Marquis de Armijo von diesem Wunsche hörte, besprach er die Sache mit Senor Sagesta, und beide kamen darin überein, die Angelegenheit dem Könige vorzulegen. Alphonso XII. unterbrach die Erläuterungen seiner Minister mit dem Ausrufe, daß er mit großer Bereitwilligkeit diese Gelegenheit ergreife, um eine von seinen Vorfahren begangene ungerechte Handlung wieder gut zu machen; er würde die Hebräer mit Freuden bewillkommnen und ihnen zur Wiedererlangung ihrer alten Stellung in Spanien, behilflich