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Der Israelit · 1881-07-06 · Heft 27 (6.7.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 27 (6.7.1881)
Date
1881-07-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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668 bezieht sich die Verheißung: „Auf daß es Dir wohl gehe" auf die künftige Welt, die dem Frommen ungetrübte und ununterbrochene Seligkeit bringt. — Und damit Du lange lebest — gibt es hienieden ein langes Leben? Und wenn der Mensch 80, 90 oder 100 Jahre alt wird, schwindet sein Leben nicht dahin wie ein Traum, gleicht es nicht dem Schatten eines dahinfliegenden Vogels? Daher bezieht sich die Verheißung: „Auf daß Du lange lebest" auf die künftige Welt, deren Dauer eine ewige ist, die Du nicht auszumessen vermagst, selbst wenn Du Jahrtausende an Jahrtausende reihst. Rabbi Akiba war der Einzige von seinen Genossen, welcher das erstrebte Ziel erreichte. Er ging in Frieden ein und trat in Frieden wieder heraus, und von ihm heißt es: „Ziehe mich. Dir nach wollen wir laufen," das heißt: Rabbi Akiba begnügte sich, in der Forschung innerhalb der Gränzen zu bleiben, welche dem menschlichen Geiste von seinem Schöpfer gesteckt sind worden. Ihm blieb die höchste Wahrheit unverschlossen, soweit sie die des Menschen Geist hienieden zu erfassen vermag. Ihm blieb überhaupt nichts unverhohlen, was es Wissenswerthes in der Welt gibt. Auch die praktischen Wissenschaften fanden in ihm einen sorgfältigen Pfleger. Mit seinem Freunden Rabbi Jischmael durchzog er das heilige Land, und sie heilten die Kranken, die ihnen in allen Ortschaften, wohin sie kamen, zuströmten. Sie heilten die körperlichen Schäden und gaben gegen die innere Krankheiten Medicamente, deren Gebrauch stets von dem besten Erfolge gekrönt war. So kamen sie auch nach dem Dorfe Barthotha Ihr Ruf war ihnen vorangegangen, und alle Kranken kamen herbei, um die Heilmittel entgegen zu nehmen, die ihnen die großen Lehrer Israels verabreichten. Während sie die Medicamente verabreichten, trat ein Mann auf sie zu, der einen Spaten trug. „Ihr seid mir schöne Rabbinen," sagte er. „Wer hat Euch gestattet, in den Willen Gottes einzugreifen? Gott hat die Leute krank gemacht, und Ihr macht sie gesund!" „„Was für ein Geschäft hast Du?"" fragte ihn Rabbi Akiba. „Ich bin ein Gärtner," antwortete er, „und dies ist mein Spaten, mit dem ich meinen Garten bearbeite." „„Mein Sohn,"" sprach Rabbi Akiba, „„wer hat Dir gestattet, in den Willen Gottes einzugreifen? Gott hat die Erde ganz erschaffen und Du verwun-! dest sie mit Deinem Spaten? — Gott hat geboten,! daß Derjenige, welcher seinen Nebenmenschen verwundet, die Heilungskosten trage, und damit hat Gott die Erlaubnis gegeben, die Schäden zu heilen."" Beschämt ging der Gärtner von dannen. Da trat Einer aus dem Kreise der Schüler, welche ihre Lehrer begleiteten, hervor und sprach: „Rabbi, erlaube mir, Dich etwas zu fragen." „„Sprich, mein Sohn,"" antwortete Rabbi Akiba. „Du hast uns gelehrt, daß König Chiskijahu sechs Dinge gethan, und bei dreien davon die Zustimmung der Weisen seiner Zeit gefunden; eines von diesen war, daß er das Buch der Medicamente bei Seite geschafft. Man besaß zu jener Zeit ein Buch, in welchem alle Krankheiten und die Heilmittel dagegen verzeichnet waren. Irr Folge dessen verfehlten die Krankheiten ihren Zweck, den nämlich, die Leute zur Buße und Besserung zu führen. Deßhalb ließ König Chiskijahu jenes Buch bei Seite schaffen. Wenn nun dem so ist, so hat jener Gärtner recht, und die Erlaubnis der Thora, Schäden zu heilen, dürfte sich nur auf die äußeren Krankheiten, auf Wunden, Brüche und dergleichen beziehen." „„Der Einwand wäre richtig,"" antwortete Rabbi Akiba, „„wenn Du den wahren Grund erkannt hättest, weßhalb König Chiskijahu das Buch der Medicamente bei Seite schaffen ließ. — Siehe, mein Sohn, die Naturen der Menschen ändern sich im Laufe der Zeiten, und Medicamente, welche vor Jahrhunderten günstig wirkten, können in Folge der Veränderung der Lebensweise und des Klimas unwirksani sein oder auch den Tod herbeiführen. Daher kann der Gebrauch eines Heilbuchmittels oft sehr gefährlich werden, wenn die Medicamente von Unkundigen ohne Zuziehung eines Arztes angewendet werden, und deßhalb hat König Chiskijahu das Buch der Medicamente dem Volke entzogen. Was nun aber die Reue und Buße, zu welcher die Krankheiten führen sollen, betrifft, so gibt es so viele Krankheiten, die der Kunst des Arztes spotten, so viele andere, die trotz der ärztlichen Pflege sich in die Länge ziehen, daß jeder Kranke, der nicht verstockten Herzens ist, veranlaßt wird, über sein Leben nachzudenken, seine Sünden zu bereuen, und zu Gott zurückzukehren *)."" (Fortsetzung folgt.) *) Nach der Auffassung des Rabbi Joseph von Trani, entgegen der Erklärung Naschi's zu Pesachim 56a. Hierzu fünf Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition deS »Israelit" große Bleiche 45. I. Got tsleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeigers.

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