Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1881)
- Date
- 1881-07-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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665 Cortes eine Aenderung des in Rede stehenden Ge- ^etzartikels vorzuschlagen, und dürfte sich bei der Notivirung ihres Antrages der erwähnten Schwierigkeiten als eines ebenso aktuellen als schwer wiegenden Argumentes bedienen. Es ist übrigens nicht richtig, daß das Anerbieten des Cabinets Sagasta an die aus Rußland flüchtigen Juden in der neueren Geschichte Spaniens ohne Präcedenzfall dastehe. Im Jabre 1869 bot die spanische Regierung auch den in Marocco angesiedelten Juden, die daselbst die Zielscheibe unerhörter Verfolgungen seitens der Mohamedaner waren, die Rückkehr nach Spanien an. Allerdings haben kaum zwanzig Familien von dieser Einladung Gebrauch gemacht, indem oberwähnter Artikel 11 einer Massen-Einwanderung auch damals im Wege stand. Die „A. A. Z." schreibt : Die in unserem gestrigen Hauptblatt zum Abdruck gelangte Konstantinopeler Meldung der „Pol. Eorr.", welche die große Judeneinwanderung in Spanien als eine abgemachte Sache hinstellt und sogar über die Modalitäten der Ueberführung der Juden aus russischen nach spanischen Häfen bereits sehr in's Einzelne gehende Angaben zu machen weiß, bedarf nach den uns heute vorliegenden Madrider Blättern einer wesentlichen Richtigstellung. Wie es scheint, haben in dieser Angelegenheit, welche die gesammte Presse der Halbinsel in eine leichtbegreifliche Aufregung versetzt hat, Mißverständniß und Uebereifer eine verhängnißvolle Rolle gespielt; denn von Allem, was darüber gemeldet worden, ist nur das Eine wahr, daß der spanische Gesandte in Konstantinopel, Herr Rascon, in einem Bericht an seine Regierung die traurige Lage der aus Rußland vertriebenen jüdischen Bevölkerung geschildert und der Ministerpräsident Herr Segasta darauf erwiedert hat, daß Spanien, um eine alte Schuld zu sühnen, die Flüchtlinge mit offenen Armen aufnehmen werde, worauf bis zum 19. Juni in Madrid noch keine weitere Mittheilnng von Seiten des spanischen Gesandten in Konstantinopel eingelaufen war. Dies, wie gesagt, ist das Einzige, was sich als positiver Kern aus den spaltenlangen Artikeln der spanischen Blätter über die so großes Aufsehen erregende Angelegenheit herausschälen läßt. Die wenig schmeichelhaften Commentare, mit welchen die dem Minister Sagasta zugeschriebene Initiative (wobei übrigens jeder persönliche Antheil des Königs Don Alfonso als vollkommen ausgeschlossen erscheint) von der Oppositionspreffe begleitet wird, wollen wir hier nicht wiederholen; noch viel weniger die von eingefleischtem Haffe gegen die Juden strotzenden Sarkasmen der klerikalen Presse wiedergeben, die, wie man weiß, auf die großen Massen der spanischen Bevölkerung noch immer einen bestimmten Einfluß ausgeübt, sondern nur das Eine betonen, daß, wenn sich die in so barbarischer Weise von den Russen mißhandelten Juden durch eine, wie immer geartete Einladung der, wenn auch von den tolerantesten Gesinnungen jgeleiteten spanischen Regierung bestimmen lassen sollten, ihre Zelte von der Weichsel und dem Dnjepr nach dem Manzanares oder Quadalquivir zu verpflanzen, ihnen dieser Schritt bei dem raschen und unvorhergesehenen Wechsel spanischer Regierungs- Principien leicht theuer zu stehen kommen dürfte. Denn es ist, wie neulich einer unserer Herren Mitarbeiter, auf eine Aeußerung Karls III. gestützt, mit Recht hervorhob, um die Ueberführung der Juden nach Spanien „eine hackelig Sach". Rußland. Der Petersburger „Herold" schreibt: „Die Gutsbesitzer des Südens befinden sich gegenwärtig, obschon die Ernteaussichten vorzüglich sind, in einer sehr schwierigen Lage. Alle Landwirthe machen, gewöhnlich am Anfang des Frühjahres, Anleihen, um die nöthige Aussaat anzuschaffen oder Remonten vorzunehmen, oder Feldarbeiter auf längere Zeit zu engagiren. Der Creditor, der nie Geld verweigerte, freilich seinen Vortheil auch nie vergaß, war der Jude. Nach den Unruhen haben aber, wie eine Korrespondenz des„Golos" meldet, die Juden sich gleichsam verschworen; selbst gegen die höchsten Procente ist von ihnen kein Geld zu erlangen. „Die Juden nehmen Hohe Procente, mögen die Gutsbesitzer es nur ein Jahr mit den Griechen versuchen, dann werden sie wissen, was jüdische Procente bedeuten." Dies ist die allgemeine Antwort der Juden auf alle Vorschläge der Gutsbesitzer, und diesen ist in der That nichts Anderes übrig geblieben, als sich an die reichen Griechen zu wenden, von denen sie natürlich mit offenen Armen ausgenommen wurden. Als ein charakteristisches Beispiel für die Contracte, welche die Gutsbesitzer mit den Griechen abzuschließen gezwungen sind, möge Folgendes dienen: Der Odeffaer Kauffmann Ssewastopulo kaufte mehreren Gutsbesitzern die zu erwartende Gerstenernte ab, indem er ihnen die Hälfte des Geldes vorauszahlte, und zwar 35 Kop. pro Pud, dessen Herbstpreis auf 70 Kop. taxirt war. Für die Benutzung des Geldes während der drei Monate sind jedoch die Gutsbesitzer verpflichtet, nicht nur das Korn in das Magazin Sewastopulos zu stellen, sondern ihm noch 5 Kop. pro Pud zu zahlen. Auf diese Weise haben sie das Geld zu 5 pEt. monatlich erhalten, während früher dasselbe Geschäft mit den Juden zu 2 bis 3 PEt. möglich war. Der ungeheure Schaden, der dem Landwirthe dadurch entsteht, daß er seine zukünftige Ernte auf solche Weise verkaufen muß, ist ersichtlich. Eine Abhilfe dieses Uebelstandes ist nur dann zu erwarten, wenn auch in jenen Gegenden paffende Ereditinftitutc errichtet werden." Die Kleinbürger der Stadt Berdjansk haben, nach einer Nachricht des „Parjadok", die Behörde ersucht, die Juden aus der Stadt auszuweisen. —