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Der Israelit · 1881-07-06 · Heft 27 (6.7.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 27 (6.7.1881)
Date
1881-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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664 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pilsen, 26. Juni. Gestern Abend gegen 11 Uhr wurde in den: Kellerraum des jüdischen Gemeindehauses ein Sprenggeschoß geworfen, welches allem Anscheine nach mit Dynamit geladen war. Wie heftig die Explosion war, kann man aus dem Umstande ersehen, daß die im ersten Stockwerk schlafenden Kinder des Hausbesorgers über einen Fuß hoch aus dem Bette emporgeschnellt wurden. Der durch das Platzen der Petarde erzeugte Kellerbrand wurde glücklicher Weise schnell gelöscht, und so ist für diesmal kein größeres Unheil zu beklagen. Die Erbitterung unter der hiesigen jüdischen und deutschen Bevölkerung ist eine außerordentliche, zumal heute Proklamationen, unterfertigt mit „die Nihilisten" aufgefunden wurden, welche zur Austreibung der Juden aus Pilsen aufhetzen. Da die Stimmung des Pöbels eine sehr gefährliche ist, wurde, wie uns von verläßlicher Seite mitgetheilt wird, ein Theil der Garnison consignirt. Dem vermutlichen Petardenwerfer, der ein czechischer Handschuhmachergeselle sein soll, ist man bereits auf der Spur. (Bohemia.) In Rarrdnitz wurde eine Eingabe an die Statthalterei verfaßt, in welcher um behördlichen Schutz gegen die brutalen Hetzereien des von dem Secretär der Bezirksvertretung, Erwein Spindler, herausgegebenen runscechischen Organs Rip gebeten wird, das unverhüllt zu Judenverfolgungen auffordert. In der Eingabe wird constatirt, daß zum dritten Male Petarden in die Häuser der Juden gelegt wurden, daß ferner diese Häuser mit Theer angestrichen und des Nachts mit Inschriften versehen werden, welche auffordern gegen die Juden loszugehen. England. London, 27. Juni. Heute Abend fand die Einweihungsfeier des neuen Hauses, welches das seit 25 Jahren hier bestehende Rabbinerseminar (Jewish College) bezog, in festlichster Weise statt. Das Gebäude mit seinen herrlichen Gartenanlagen gewährt einen imposanten Anblick und ist im besten Stadttheile (Tavistock Square, Westend), gelegen. Die Feier begann um 8^2 Uhr in der Halle des Colleges, die Stimmung war eine gehobene, die Gäste, aus der Elite der Gemeindemitglieder bestehend, erschienen im grand Gala. Die Ceremonienmeister (Stewards) waren sehr eifrig bemüht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, indem der Andrang des Auditoriums ein überaus großer wurde. — Herr Dr. Hermann Adler eröffnete das Fest mit einem herzergreifenden Gebete, welches sichtlich die Zuhörer rührte. Sein ehrwürdiger Vater, Herr Oberrabbiner Dr. N. Adler '"j, war wegen seines leider andauernden Unwohlseins, das ihn an seinen Landaufenthalt in Brighton am Meere fesselt, verhindert, persönlich zu erscheinen und sandte ein Glückwunsch-Telegramm. Mehrere dergleichen Telegramme und Briefe von allen Theilen des Reiches kamen an und wurden vom Präsidenten der Versammlung, Sir Baron Ellis, verlesen. Hierauf folgte ein erhebender Choralgesang (Psalm 30 u. 24) in hebräischer Sprache unter der Leitung des berühmten Meisters Revd. Hast. Festreden wurden gehalten von dem Parlament-Mitgliede Arthur Cohen, Prediger der Centralsynagoge Revd.Green, Frederic Mocatto, honor. Saul Salomon, Vertreter der Australien- Colonien u. A. — Der Direktor der Anstalt, unser sehr gelehrter und zugleich sehr bescheidener Dr. Friedländer, welcher in allen Kreisen beliebt und hochgeachtet ist, wirkt schon seit 17 Jahren segensreich und gewann nicht nur die gebührende Achtung, sondern auch die liebevollste Anhänglichkeit seiner zahlreichen Schüler, welche ihm bei dieser Gelegenheit ein Testimonial, aus einem silbernen Tafelservice bestehend, überreichten. Das Ehren-Amt der Uebergabe des Geschenkes wurde dem gelehrten und beliebten Kanzelredner Revd. Singer, früherer Schüler des College, übertragen und entledigte sich derselbe seiner Aufgabe in vortrefflicher Weise, indem er eine geistreiche, durch humoristische Darstellungen die Heiterkeit der Zuhörer erweckende Festrede hielt, auf welche der Direktor in demselben heiteren Tone antwortete, unter Anderem bemerkend, daß er sich erst geweigert, das Geschenk anzunehmen, von seinen Schülern aber besiegt wurde und ausrief: »ja »jinyj — Die Feier endete mit einer Sammlung für den Baufond des College; Sir Rathaniel de Rothschild eröffnete die Liste mit einem Beitrage von 200 Pfund Sterling. Die Anstalt ist sowohl ihrer streng orthodoxen Richtung, als ihrer vorzüglichen Leitung halber, eine Zierde unserer Gemeinde und berechtigt zu den besten Hoffnungen. iS p a n i e n. Wie man der „Pol. Corr." aus Madrid mittheilt, hat das Projekt, die aus Rußland auswandernden Juden in Spanien anzusiedeln, die Aufmerksamkeit der spanischen Regierung neuerdings auf den Artikel 11 der spanischen Verfassung gelenkt, welche den Heterodoxen, d. i. Nicht-Katholiken, die öffentliche Ausübung ihres Cultus in Spanien untersagt. Diese Gesetzbestimmung scheint sich nämlich als schwer zu überwindendes Hinderniß für die Niederlassung der emigrirenden Juden Herausstellen zu sollen, da Letztere den Anspruch auf offene Ausübung ihres Cultus kaum aufzugeben geneigt sein dürften. Das Cabinet beabsichtigt in Folge dessen den nächsten

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