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Der Israelit · 1881-07-06 · Heft 27 (6.7.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 27 (6.7.1881)
Date
1881-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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663 Henrici den „Deutschen Reichsherold" in's Leben rief, begab er sich zu dem Zeitungsverleger Nolda und unterhandelte mit diesem darüber, den „Halleschen Thorboten" gemeinsam mit ihm herauszugeben resp. weiterzuführen. Nolda war nicht abgeneigt das Geschäft mit Henrici abzuschließen, bemerkte dem Letzteren aber, daß er dem Maschinenlieferanten noch 1800 Mark schulde, welche am 15. April c. völlig wären. Henrici, welcher wahrscheinlich glaubte, daß ihm der '„Hallesche-Thorbote" Konkurrenz machen würde, wenn er selbst auf eigene Faust ein ähnliches Blatt herausgeben sollte, begab sich sofort zu dem betreffenden Maschinenlieferanten und offerirte demselben 2100 Mark, wenn er dem Nolda, der wahrscheinlich am Fälligkeitstermin nicht würde zahlen können, die Maschinen wieder abnehmen und ihm überlassen würde. Da Nolda von der drohenden Gefahr Kenntniß erhielt, setzte er sofort alle Hebel in Bewegung und es gelang ihm auch, wenn auch unter großen Opfern, das Geld am Fälligkeitstermine anzuschaffen. — Henrici hat seinerseits den „Deutschen Volksverein" bezichtigt, die Kaffe bestohlen zu haben, dadurch fühlt sich natürlich in erster Linie den Kaffirer Brand beleidigt und hat sich beschwerdeführend an den Vorstand gewandt. — Ferner befremdet es, daß die Gelder welche bei den Versammlungen des „Deutschen Volksvereins" gesammelt werden, niemals zur Kasse abgeführt werden; diese Gelder nimmt vielmehr Herr Liebermann v. Sonnenburg an sich, ohne über die Verwendung bisher Rechnung gelegt zu haben. — Für diese Mitteilungen übernimmt der über solche Vorkommnisse empörte Einsender die volle Garantie und ist zum Beweise der Wahrheit erbötig. Posen, im Juni. Die in einer der früheren Nummern dieses Blattes gebrachte Mittheilung von der bevorstehenden Errichtung einer Fabrik von "uco Fleich-Extract kann nun dahin ergänzt werden, daß diese Fabrik nun in Betrieb gesetzt worden und die Fabrikate bereits in den Verkehr gebracht werden. Schon in Folge der ersterwähnten Mittheilung in diesen Blättern liefen alsbald sowohl aus Platzen des Inals auch des Auslandes zahlreiche Anfragen an hiesige Häuser ein, wann die Fabrik in Betrieb gesetzt werden würde: gleichzeitig wurden auch namhafte Aufträge in Aussicht gestellt. Und in der That wird nicht nur dem religiösen Israeliten, der durch so viele gerechte Bedenklichkeiten in dem Genüsse von Fleischspeisen beschränkt ist, in diesem Fleisch-Extracte ein willkommenes Mittel geboten, in Fällen von Verlegenheiten, wie sie ja in Haushaltungen und auf Reisen häufig Vorkommen, eine stärkende Fleischbrühe fast in einem Augenblicke herzustellen, sondern auch die Nicht-Israeliten begrüßen dieses Unternehmen mit Freude, die auch ihnen gerade durch die jüdisch-rituelle Herstellungsweise des Extracts die bei dem Bezüge'des amerikanischen fehlende Garantie, daß dasselbe wirklich von Rindern, resp. von gesundem Fleische herrührt, nun in unzweifelhafter Weise geboten wird. Die beiden hier erscheinenden deutschen Zeitungen haben sich bereits anerkennend und empfehlend über das Unternehmen ausgesprochen. Uebrigens aber steht, wie Kenner und Sachverständige versichern, thatsächlich das hier erzeugte Fleisch-Extract nicht nur hinsichtlich des Nahrungswerthes dem amerikanischen in keiner Weise nach, sondern übertrifft dasselbe nach Mittheilung der Konsumenten an Reinheit und Milde des Geschmacks, ebenso wie durch hohen Gehalt der sog. Fleischbasen (Ereatin, Creatinin, Albumin, Carmin u. s. w.), denen die Fleischbrühe vornehmlich ihre anregende und kräftige Wirkung verdankt. Es wird in zierlichen Porzellankrausen (?) mit Blechverschluß verkauft und zwar in verschiedenen Größen. Da die Unternehmer, Herr Dr. Papilsky und Militürlieferant Brühl als leistungsfähig bekannt sind und auch hinsichtlich des nnzo durch die notorisch bekannte Religiosität des Leiters der Fabrik, des genannten Hrn. Dr. Papilsky, namentlich aber auch durch die Aufsicht Seitens des Gemeinde-Rabbiners Hrn. Dr. Feilchenfeld die notwendige Garantie geboten ist, so ist zu erwarten, daß das Unternehmen prosperiren wird. In der That sind auch, wie verlautet, an die Fabrik bereits viele Aufträge resp. Bewerbungen um Agenturen eingcgangen. Das hier bestehende Local-Comit der „Alliance isr. universelle" hat mittelst Bekanntmachung in den Zeitungen eine Sammlung für die beraubten Israeliten Südrußlands veranstaltet und hat dieselbe bereits über 2000 Mark ergeben. Hierzu haben außer den hiesigen Gemeindemitgliedern auch einige jüdische Gemeinden der Umgegend namhafte Summen beigesteuert. Hervorzuheben ist ferner, daß auch von einigen Christen Beiträge eingegangen sind. Außerdem hat auch die Posener Zeitung in Folge des von Berlin aus ergangenen Aufrufs dortiger Notablen sich zur Annahme von Beiträgen bereit erklärt. Die Sammlungen werden fortgesetzt und werden hoffentlich einen noch bedeutenderen Ertrag liefern. Cöln. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts erklärte ein israelitischer Handelsmann von Merheim, als er, um als Zeuge vernommen zu werden einen Eid leisten sollte, er sei durch seine Confession am Samstag an der Eidesleistung verhindert. Das Gericht nahm darauf Rücksicht und vernahm den Zeugen unvereidigt.

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