Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1881)
- Date
- 1881-06-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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645 sich ausdehnte und eine andere Gestaltung annahm, da wurde der alte Freiherr erst recht unser guter Freund und Beschützer. Er drang darauf, daß ich Dasjenige nachholte, was ich in meiner Jugend zu lernen versäumt hatte, daß ich deutsch lesen und schreiben lernte."" „Ha, ha," lachte Perl, „ich erinnere mich noch gut, wie wir Kinder Dich verspotteten, wenn Du Abends mit der langen Pfeife zu dem Lehrer gingest, um das A B C zu lernen!" „„Und habe rch's nicht noch gut gelernt?"" „Das wollte ich meinen! Du wärst ein Professor geworden, wenn Du beim Studium geblieben." „„Und als Du heranwuchsest und unsere Herzen sich fanden, und ich als Ausländer die Kijumim*) nicht erlangen konnte, da war es wieder unser freundlicher Beschützer, der meinetwegen nach Hannover reiste, um mir den Schutzbrief zu erwirken; und, als bald nach unserer Hochzeit der Krieg ausbrach, empfahl er mich seinem alten Kriegskameraden, dem Grafen von Kielmannsegge, so daß mir die Lieferung übertragen wurde. Dies Letztere war es, das mir Gelegenheit bot, den Grundstein zu unserem Wohlstände zu legen, Deine Brüder zu versorgen. Deine Schwestern zu verheirathen und ihnen eine anständige Mitgift zu geben, meinen alten Eltern den Abend ihres Lebens zu versüßen und meinen Geschwistern in der Heimath zu helfen. Siehe, geliebte Frau, die Kinder Deiner und meiner Geschwister sind in gewissem Sinne die unsrigen, da ihre Eltern nur durch unsere Beihilfe sich haben verheirathen können. — Haben wir nicht alle Ursache, *) Schutzbrief, der das Recht verlieh zu heirathen und ein Geschäft zu gründen. dem allgütigen Gott dankbar zu sein, der uns von den geringsten Anfängen her geholfen, der uns aus Bettlern zu angesehenen, wohlhabenden Leuten gemacht hat?"" „Gewiß, geliebter Mann, und ich bin auch weit davon entfernt, gegen Gott undankbar zu sein; ich beklage nur manchmal, daß wir so allein sind. Warum erlaubst Du auch nicht, daß wir einen Neffen oder eine Nichte zu uns nehmen und an Kindesstatt erziehen?" „„Ich bin kein Freund von solchen Adoptionen. Es ist schwer genug, eigene Kinder zu erziehen. Deßhalb möchte ich die Verantwortlichkeit für die Erziehung fremder Kinder nicht auf uns laden. Unser alter Freund, der Schloßhauptmann, macht auf seine alten Tage noch trübe Erfahrungen/"' „Daß.der junge Freiherr ein Unband und Wildling sondergleichen ist, darf Niemanden Wunder nehmen. Bedenke nur die eigenthümlichen Verhältnisse. Der Schlotzhauptmann und sein Bruder, der Freiherr Heinrich von Otternberg auf Otternberg, sind beide ungeheuer reich und waren beide kinderlos. Schon glaubten sie, daß ihr colossales Vermögen und das große Rittergut, welches vielleicht seit tausend Jahren Eigenthum der Familie ist, an Fremde übergehen würde. Da stirbt die Frau des Schloßhauptmanns, und er heirathet auf seine alten Tage ein junges Fräulein, welches ihm einen einzigen Sohn gebar. Daß der Junge verzogen worden ist, das lag in der Natur der Sache." Es wurde an die Thüre geklopft und gleich darauf trat ein junger, schmucker Officier in's Zimmer. „Der junge Baron!" rieten Salomon und Perl wie aus einem Munde und eilten dem Eintretenden entgegen. (Fortsetzung folgt.) ANZEICIEI. Für den folgenden Theil ist die Redaüion nicht verantwortlich. MU" Inseraten - Annahme für Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann, Buchhandlung; für Hamburg bei A. Goldschmidt, Buchhandlung, Kohlhöfen 35; für Cöln bei Leo Frank, Steinfeldergasse 7; für München bei N. Bettelheim, Färbergraben 29. ^unge Mädchen jeden Alters und schul- <0 pflichtige Kinder, finden in einem renomirten Mädchen - Penfionate und Töchterin einer Stadt Süddeutschlands liebevolle Aufnahme, sowie geistige und körperliche Pflege. Beste Referenzen stehen zur Seite. Gest. Offerten unter Nr. 1424 besorgt die Expediton d. Bl. ür ein 15jähriges Mädchen wird ein Placement (kein Pensionat) gesucht, wo demselben Gelegenheit geboten ist, sich im > Haushalte, der französischen und englischen > Sprache, feinen Handarbeiten , Musik und gesellschaftlichem Vmgang weiter auszubilden. Offerten sud Nr. 2036 besorgt die Expedition d. Bl. Lehrlings-Gesuch. Ein gut geschulter junger Mann aus guter Familie kann als Lehrling sofor Stelle finden bei I. Wertheimer, 2134) Künzelsau in Württemberg.