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Der Israelit · 1881-06-29 · Heft 26 (29.6.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 26 (29.6.1881)
Date
1881-06-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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637 Hörer ein und fand die würdige Leichenbcstattung hiermit einen erhebenden Abschluß. An einem der nächsten Tage wird Herr Oberrabbiner Hirsch dem großen Talmudlehrer in der Altneusynagoge einen 120.1 halten, und werden dem Vernehmen nach auch in den andern Synagogen □'isdi abgehalten werden. Wir lassen eine gedrängte Lebensgeschichte des Verblichenen folgen. 'W pio "ij’ns 'i wurde upn (1794) zu Tuschkau in Böhmen geboren. Schon als Knabe erregte er durch seinen ungeheuren Scharfsinn und sein immenses Gedächtniß Aufsehen, so daß er schon im Alter von 16 Jahren die rp’tp’ des Tritscher Rabbiner -uvb« 'i bezog. Dort blieb er bis sein Rabbi nach Böhmen als Pilsner Kreisrabbiner berufen wurde. Dieser rieth ihm, die des weit und berühmten iypjN"i2 -jn3 '1 in Leipnik zu besuchen. Dort wurde der geistreiche, feurige, fast möchte man sagen allzufeurige Mann bald der vor allen andern omro bevorzugte Liebling seines scharfsinnigen und gelehrten Meisters. Von Leipnik kam er nach Prag, wo er die Talmudvorträge des berühmten jinDjen Psosa '1 besuchte. In Prag lebte er im Hause des Pp^xis b22^p dessen Sohn den nachherigen Breslauer Seminardirektor Dr. f acharias Frankl er im Talmud unterrichtete. — urz darauf verehelichte er sich und ließ sich in Lobofitz nieder, wo er bald Lokalrabbiner wurde. Im Jahre 2Lpn (1832) wurde er nach Prag, wo damals durch einige Jahre wojsö Sxidp '1 ein Sohn des Prager Oberrabbiners ^pirr '1 (o"n3 rmrva jnu) allein als erster Oberjurist sungirte, als zweiter Oberjurist berufen. Welchen großen Namen der Verewigte schon damals besaß, ergibt sich aus dein Umstande, daß man in Prag, wo damals eine unzählige Menge hervorragender Talmudiften lebten — davon Abstand nahm, daß er das 40. Lebensjahre noch nicht erreicht und den damals 38jährigen Mann mit dem hohen Ehrenamt bekleidete. Als nspn (1834) inij*6 pnidw '1 starb, verwaltete er das Rabbinat eine kurze Zeit allein, dann wurde der weit ältere Kreisrabbiner twoar ‘i njn’wp mp, ein geborener Prager und scharfsinniger Talmudist,-.Ms erster Oberjurist berufen und kurz darauf durch die Wahl des großen Talmudgelehrten Djftjmjjta 2'v ona« *•) — eines Prager Kaufmanns — zum 3. Oberjuristen das Collegium vervollständigt. Nach dem Ableben des ersten Oberjuristen Kauder, fungirten ims Pnidet '1 und Dybjmo 2'v onse« '1 allein bis in (1840), wo der große Kritiker Salomon Löw Rappaport nach Prag berufen wurde. Als 'in (1849) a»? d’ib« ‘i aus dem Leben schied, blieb die Stelle eines dritten Oberjuriften unbesetzt, und als nzhn (1867) Rappaport starb, versah Freund die rabbinischen Funktionen allein bis (1870), in welchem Jahre er auf seine Stelle resignirte. Er starb als hochbetagter Greis, 86 y2 Jahre alt und hat somit in Prag nahezu ein halbes Jahrhundert, davon 38 Jahre im Amte, gewirkt. Die letzten Tage seines Lebens wurden ihm durch die Wahl des Oberrabbiners Hirsch in wunderbarer Weise verschönt. Der hochbetagte Greis, der neben vielen unschätzbaren Vorzügen von dem Fehler großer Heftigkeit nicht freigesprochen werden kann, eines Fehlers, der ihm viele Gegner und Feinde verschafft hatte, war dem Oberrabbiner Hirsch mit wahrhaft rührender Bescheidenheit entgegeugekommen, und die beiden hingen mit großer Liebe aneinander, p"? ny-D '1 gestattete es durchaus nicht, daß der Oberrabbiner, der ihn '21 ausprach, wie dieser es wollte, ihm den Vortritt und den Vorrang ließ. Noch Pni.i naar hatte der Verewigte in der Ältneusynagoge einem talmudischen Vortrage des Oberrabbiners angewohnt, und sich mit diesem in einen lebhaften "»sis eingelassen. Am zweiten Tag 1102 waren noch mehrere Herren bei ihm zu Besuche gewesen; er hatte einen agadischen Vortrag begonnen, aber zum großen Leidwesen der Anwesenden (der bekannte gelehrte Verfasser des Eal-ack S. Hock , Gemeindebibliothekar Dr. Grün, Gemeinde-Repräsentant M. Ungar, Schreiber dieses Berichtes u. A.) erkannten sie, daß der sonst scharfe Denker nicht mehr in der Lage war, seine Gedanken zu ordnen und zum Ausdruck zu bringen. Rabbiner Samuel Freund b“\ war in der orthodoxen Judenheit als ein Stern erster Größe als onn ipiyi ’j’D — buchstäblich und ohne Uebertreibung bekannt. Es gab keine Stelle des Talmuds, die er nicht mit vollständiger Klarheit bis in das zarteste Detail durchstudirt hatte, und alle seine o'ieo sind mit zahllosen Randglossen versehen. Wir gestatten uns aus den unzähligen Beweisen, die wir hierfür erbringen könnten, nur einen — der die Leser dieses Blattes interessiren wird, anzuführen. — Vor einigen Jahren hatte der Herausgeber dieser Blätter, Herr Dr. Lehmann, dem Schreiber dieser Zeilen eine treffliche nw? geschrieben, über welche auch bei dem verewigten ima twoff '1 gesprochen wurde. „Die N’tpp ist gut," meinte er, „ich will nur sehen, ob ich darüber gegangen sein sollte," er nahm sofort die betr. kieu her, und siehe dal eine Randglosse von seiner Hand stimmte vollkommen mit Dr. Lehmanns «’ffp überein!

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