Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1881)
- Date
- 1881-06-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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636 Duldnugsfreundlichkeit, Andersgläubiger gegenüber, leider vollständig in Vergessenheit gerathen zu sein scheint." Die Staatsanwaltschaft benachrichtigte den Beschuldigten hierauf am gestrigen Tage, daß sie von der Erhebung der Klage Abstand genommen habe. Altona, 14. Juni. Der allgemeine deutsche Arbeiterverein hielt gestern Abend im „Kaisersaal" eine Generalversammlung ab, zu welcher sich im Ganzen 12 Personen eingefunden hatten. Als Vorsitzender fungirte der von Bremen hierhergekommene Präsident des allgemeinen deutschen Arbeitervereins, Schneider Gedecke. Derselbe drückte zunächst sein Bedauern aus, daß nicht mehr Mitglieder erschienen, es läge dies wohl hauptsächlich daran, daß verabsäumt worden, die Versammlung zu inscriren. Vor Allem trage der Bevollmächtigte für Altona die Schuld, da er nicht dafür gesorgt, daß die Abhaltung der Versammlung dem Publikum bekannt gegeben worden. Redner kam sodann auf die vorgestern in Hamburg abgehaltcne, aber wegen der tumultuarischen Scenen, hie dort stattgefunden, aufgelöste Versammlung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins zu sprechen und bemerkte, daß solche Vorfälle höchst bedauerlicher Art seien. In der erwähnten Versammlung Hütten diejenigen Mitglieder, welche anläßlich der jüngsten Vorfälle aus dem Verein ausgeschlossen, den Antrag gestellt, das Wort ergreifen und sich vertheidigcn zu dürfen. Es sei ihnen dies gewährt worden. Anstatt jedoch bei der Sache zu bleiben, hätten dieselben angefangen, die Judenfrage zu discutiren und dies habe dem Tumult und schließlich die polizeiliche Auflösung der Versammlung zur Folge gehabt. Redner führte sodann weiter aus, daß es eine Schmach für den allgemeinen deutschen Arbeiterverein sei, wenn derselbe sich mit Judenhetze beschäftige, die Prkneipien des Vereins seien ganz andere und verfolge derselbe ganz andere Ziele. Er (Redner) richte an die Anwesenden, überhaupt an alle Mitglieder des allgemeinen deutschen Arbeitervereins die ernste Mahnug die Judenfrage vollständig außenvor zu lassen. Wenn dies nicht geschehe, so würde schließlich nichts anderes übrig bleiben, als völlige Auflösung des Vereins. Nachdem Redner noch erklärt, daß die nächste Generalversammlung des Vereins in Bremen abgehalten werden solle, wurde die Versammlung geschlossen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. roop pojn toio» naN’i wo na Montag ]vo jd wurde die irdische Hülle des weltberühmten Talmudisten “wns tew" mno ann w"n zur Erde bestattet. Da derselbe wie von dem ständigen Referenten dieses gesch. Blattes berichtet wurde. am pÄ» aus dem Leben schied, konnte von Seite der hiesigen Gemeinde-Repräsentanz nicht wie dies sonst geschehen wäre und üblich ist, den Schwestergemeinden die Anzeige und Einladung zum Leichenbegängnisse erstattet werden. Trotzdem waren alle naheliegenden Gemeinden durch Deputationen vertreten und das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem großartigen. Montag um 2 Uhr fand in der Wohnung des Verewigten die .-nno statt, und wurden freiwillig sämmtliche Läden der ehemaligen Judenstadt geschlossen. Bei der mno sprach Herr Rabbiner Sieger eine Leichenrede, bei welcher Schreiber dieser Zeilen nicht anwesend sein konnte. Mittlerweile hatten sich die Straßen mit vielen Tausenden von Menschen gefüllt und die Leiche wurde, wie es hier üblich, von der Wohnung in den Badhof getragen, der nur einen Theil der unabsehbaren Menschenmasse zu fassen vermochte. Hier hielt Herr Oberrabbiner Hirsch einen isd.-i, in welchem er die Größe des Heimgegangenen auf dem Gebiete des Talmuds und der jüdisch-religiösen Wissenschaft wahrheitsgetreu, d. h. iu ihrem vollen fast unübersehbaren Umfange darstellte und durch seine meisterhafte Rede das Auditorium durch drei Viertel Stunden fesselte. Vom Badhofe aus bewegte sich ein endloser Zug zur Stadtgrenze. Der Oberrabbiner, sämmtliche Gemeinde-Repräsentanten, sämmtliche in Prag lebende und von auswärts angelangten Kreisrabbiner, Rabbiner, Prediger, Deputationen der Nächstliegenden Gemeinden, die Vorsteher sämmtlicher jüdischer Vereine der Synagogen, fast die gesammte männliche jüdische Bevölkerung der Stadt hatte sich dem Zuge angeschlossen. Vom ehemaligen Roßthore fuhr man zu Wagen nach dem Friedhofe. Dort ergriff zuerst der zweite Gemeinderabbiner, Herr Religionsprofessor Adler, das Wort zu einer den hohen Verdiensten des Verblichenen vollkommen entsprechenden Leichenrede. Herr Rabbiner Dr. Guggenheimer, der mit einer Deputation seiner Gemeinde Kollin hereingekommen und kurz vor Beginn des Leichenbegängnisses hier anlangte, wurde sofort aufgefordert, an der Bahre des Verewigten zu sprechen. Obwohl vollkommen unvorbereitet, und sichtbarlich tief erschüttert, entsprach er doch dem vielseitig, von hervorragender Seite ausgesprochenem Wunsche und entledigte sich seiner Aufgabe in vortrefflicher Weise. „Obwohl er nach den herrlichen Worten keiner Vorredner nichts hinzuzufügen hätte" begann er, „wolle er doch der ihn hochehrenden Aufforderung Nachkommen, da U’ns t>run mn nicht der berühmten altehrwürdigen Gemeinde Prag allein abgestorben, sondern ein unersetzlicher Verlust für die gesammte Judenheit sei, und seine aus den Tiefen der Seele strömenden Worte drangen in jene seiner