Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1881)
- Date
- 1881-06-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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634 zur Folge. Sobald aber Israel zu seinem Gotte zurückkehrte, wurde es nicht allein errettet, sondern auch ihoch emporgehoben. Haman wurde gestürzt, und Mordechai erstieg die Staffel des höchsten Glückes. Diese Erscheinungen wiederholten sich, da das Haus unseres Gottes wieder aufgerichtet wurde. Aus die Sünden der falschen Hohenpriester Jason und Menelaos und die des von ihnen verführten Volkes folgte die von dem syrischen Könige angedrohte Vernichtung. Bald aber fand der Kern des Volkes wieder den Weg zu feinem Gotte, und die hasmonäische Erhebung ward eine der glorreichsten Epochen der jüdische Geschichte. Und zum zweiten Male sank.das Haus unseres Gottes in Trümmer und mit Juda schien es zu Ende zu sein. Das gewaltige römische Weltreich führte einen Vernichtungskampf gegen das kleine Juda. Die Städte wurden zerstört, die Männer wurden getödtet, die Frauen und Kinder zu Sclaven verkauft. Da fanden sich von den Uebriggebliebenen Einige zum Thorastudium zusammen, und diese wurden die Erhalter der jüdischen Voltes. Die mächtige Roma suchte auch sie zu unterdrücken, aber es gelang ihr nicht. Alle Pläne, welche ersonnen wurden: das Verbot des Thorastudiums, der Beschneidung rc. wurden zu Nichte. Das jüdische Volk blieb un-. verfehrt und arbeitete sich wieder empor aus der tiefsten Erniedrigung. Wir wollen hier nicht alle Barbareien des Mittelalters aufzählen, unter welchen unser Volk zu leiden hatte: wir wollen nicht die Namen all der Nationen nennen, die uns mit Feuer und Schwert verfolgten, uns aus der menschlichen Gesellschaft ausstießen und das Kennzeichen der Schmach auf unsere Kleider hefteten. Jedes andere Volk wäre erlegen, wäre zu Grunde gegangen durch die raffinirten Grausamkeiten, durch die entsetzlichen Gewaltmaßregeln der Unterdrücker. Israel aber zog sich zurück, beugte sich vor seinem Gotte, und der Sturm zog über es hinweg, ohne es zu vernichten. Und als der erste Sonnenstrahl der Freiheit hinter die düsteren Ghettimauern drang, da entfaltete sofort der jüdische Geist seine Flügel, um sich mächtig empor zu schwingen. Daß doch mit der Freiheit und dem Glücke sich immerwährend Sünde und Abfall paaren! Auch in der neueren Zeit vermochte unser Volk die Freiheit nicht zu ertragen, ohne von Gott und seinen heiligen Geboten zn lassen. Und schon zeigen sich die Folgen. Wer hätte noch vor wenigen Jahren Erscheinungen für möglich gehalten, wie sie heute im gebildeten Deutschland, im Lande der Dichter und Denker, und in der Hauptstadt des Reichs, die sich so gern die Hauptstadt der Intelligenz nennt, zu Tage treten! Wie fühlten wir uns so hoch erhaben, so sicher, wenn derlei Dinge aus Rumänien oder Marocko berichtet wurden! Auch in Rußland trat in neuerer Zeit der Abfall von Gottes Gesetz stärker hervor. Viele der gebildeten und wohlhabenden russischen Glaubensgenossen fingen an, mit den Traditionen der Väter zu brechen, das Thorastudium zu vernachlässigen und Gottes heilige Gebote zu übertreten — Die ganze Antisemiten - Bewegung ist eine Mahnung, die der Heilige, gelobt sei Er, uns sendet. Wenn wir sie doch beherzigen möchten! Dann wird es den Feinden Israels nicht gelingen, uns wehe zu thun, dann wird sich auch jetzt wieder erfüllen die Verheißung des allmächtigen Gottes .p'vp 'Tw 'n “urui Der erhabene Geist des Judenthums wird uns hoch erheben. Wir, wir haben kein finsteres Mittelalter gehabt, keinen Stillstand und keinen Rückschritt in unserer gottentstammten Wissenschaft. Während Finsterniß die Nationen bedeckte und ein dichter Nebel den Geist der Völker umhüllte, strahlte uns das Licht der göttlichen Lehre, unseren Geist erhellend, unser Gemüth erquickend, und mit Freude und Frohsinn den schweren Druck und die Verfolgung ertragen und überwinden lassend. Das ist die Welt des Geistes, in der wir lebten und leben, hoch über dem Elend der Alltäglichkeit, wie Gott es verheißen: .li’Sj/ 'nW 'i „Und es wird sein, wenn Du gehorchen wirst der Stimme des Ewigen, Deines Gottes, zu beobachten, zu thun alle seine Gebote, die ich Dir heute befehle, so wird der Ewige, Dein Gott Dich machen zur bevorzugten Nation der Erde, und es werden über Dich kommen alle Segnungen, alles Gute wird Dich erreichen. (5 A. M. c. 28.) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 22. Juni. Aus den Verhandlungen des Schwurgerichts. Zur Zeit, als die Ausschreitungen gegen die Israeliten in Stadecken fick zutrugen, hat der achtzehnjährige Dienstknecht Michael Hahner von dort seinem Herrn die Mittheilung gemacht, daß ein gewisser Peter Besant die Anstiftung dazn gegeben. Als derselbe am 28. Februar in der Untersuchung gegen die Excedenten von dem Amtsrichter in Wörrstadt unter dem Eide deßhalb ver-