Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1881)
- Date
- 1881-06-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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623 jener gleich, die Denk in Ungarn, Palacky unter den Czechen eingenommen, sprach am offenen Sarge einen warmen Nachruf „dem unvergeßlichen Freunde, „dem wackeren, unerschütterlichen, getreuen Parteigenossen"; hierauf ergriff statt des erkrankten Dr. Tedesco, Stadtrath Dr. Bendiner zu einer gehaltvollen Rede, in welche er passende Talmudstellen zu verweben wußte, das Wort. Um mit Gutem zu schließen die Mittheilung, daß vom Rabbiner Dr. M. Tauber, Predigerder hiesigen Neusynagoge, zwei sowohl nach Inhalt als Form treffliche Gelegenheitsreden (gehalten am silbernen Hochzeitsfeste des Kaiserpaares und am Vermählungstage des Kronprinzen) in gefälliger Ausstattung soeben die Presse verlassen haben. Frankreich. Paris. Das Fest, das unter dem Protektorat der Baronin James von Rothschild zum Besten der verfolgten russischen Israeliten von Kiew, Elisabethgrad, Odessa u. s. w., auf dem Trocadero in Paris ftattgesunden hat und in welchem Gounod, Fanre. der Wiener Pianist Loewenberg und die ersten Kräfte der Pariser Bühnen mitwirkten, hat ein Erträgniß von 80,000 Franes geliefert. Rußland. Petersburg, 11. Juni. Nach einem Berichte des „Ruff. Cour." ist es in Smela, Gouvernement Kiew, während der letzten Judenhetze wild hergegangen: 13 Menschen wurden getödtet, 20 schwer verwundet; nach Unterdrückunng des Aufruhrs aber, bevor der Gouverneur dort angelangt war, übte der Kommandeur der Truppen in Smela Justiz auf eigene Faust aus. Er warf sich als Richter auf und unterwarf sofort einen jeden, der ihm verdächtig schien, weß Standes und Geschlechtes er auch immer war, der öffentlichen Ruthenzüchtigung. Ob Christ, Jude, Bürger, Bauer, Greis, Kind, Dame oder Magd, alles wurde gleich behandelt und ohne Weiteres augenblicklich durchgeprügelt. Aus manchen Orten wird berichtet, die Bauern seien nach der Ankunft des Militärs und der Dämpfung der Unruhen demüthig zum Truppenkommandeur gekommen und hätten sich freiwillig zur Züchtigung gestellt. — Odessa, 7. Juni. Zufolge einer Meldung der „W. Allg Z." stand am 6. d. Mts. vor dem Odeffaer Friedensrichter des zweiten Bezirkes der russische Major Wald, ein gebürtiger Deutscher, welcher beschuldigt wurde, die letzten Judenkrawalle in Odessa dbdurch gefördert zu haben, daß er die wüthende Menge anführte und zum Ausschreiten gegen die Juden mit den Worten: Biijte Schidow na may schschtot! (Schlaget die Juden auf meine Verantwortung") aneiferte. Zehn Zeugen bestätigten vor dem Richter diese Thatsache, in Folge deffen Major Wald zu 50 Rubel Geldstrafe, eventuell zu sieben Tagen Arrests verurtheilt wurde. Feuilleton. Die allgemeine deutsche Patent- und Musterschutz-Ausstellung zu Irankfurt am Main. H. Frankfurt, den 17. Juni. Es kann meine Aufgabe nicht sein, den geehrten Lesern dieser Zeitschrift eine Beschreibung der Ausstellung zu liefern, und sie aus all' das Große und Schöne, das dort zu sehen, aufmerksam zu machen; das würde der Tendenz des „Israelit" nicht entsprechen, ich muß mich vielmehr darauf beschränken, dasjenige herauszusnchen, was von allgemein jüdischem Interesse ist. Gleich in der ersten Gruppe (Nr. 1172) fesseln prachtvolle Synagogenstickereien unsere Aufmerksamkeit. Die alte und wohlrenommirte hebräische Buchhandlung des Herrn I Kauffman'.n in Frankfurt am Main, hat dieses Fach des Kunstgewerbes zu ihrer Specialität gemacht. Ein Thoramantel mit echter Goldstickerei im Renaissance - Styl gehalten, oben die mm T3, der freie Raum in der Mitte zum Einsticken von Inschrift oder Widmung bestimmt, erregt die Bewunderung aller Beschauer. Nicht weniger hübsch ist ein Kidusch - Deckchen mit echter Goldstickerei, die Inschrift ist von einem Kornblumenkranz umgeben und das Ganze wird von goldgestickten Weinranken eingefaßt. In der zehnten Gruppe (1147 c.) ist es ein unscheinbares Fäßchen, welches uns zu einer längeren Auseinandersetzung Veranlassung gibt. Es ist die Frankfurter Margarin-Gesellschaft in Frankfurt am Main, welche hier ihre Sparbutter ausgestellt hat. Die geehrten Leser wissen, daß durch die Erfindung der Kunstbutter eine neue Calamität für die gesetzestreuen Juden entstanden ist. Bisher war die Nachbildung der Naturbutter mehr oder weniger mißlungen. Hier aber handelte es sich um eine neue Erfindung. Es wird aus dem Rinderfett Margarin präparirt; dieses erhält durch Beimischung der Buttermilch an Geschmeidigkeit und Aussehen, an Geruch und Geschmack eine derartige