Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1881)
- Date
- 1881-06-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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die im Anschluß hieran vollzogene Aenderung der rumänischen Verfassung ihre Erledigung gefunden hat." Breslau, 11. Juni. In einer vom „Deutschen Reform-Verein einberufenen Versammlung sprach Dr Henrici über die Judenfrage. „Seine Rede gipfelte," so liest man in der „Schles. Volksztg.", „dahin, daß er behufs Lösung dieser Frage vorschlug, bei den Juden nicht mehr zu kaufen und zum nächsten Reichstage nur solche Männer zu wählen, welche Ausnahme-Gesetze gegen die Juden zu bewilligen bereit wären. Das Judenthum schädige das Deutschthum auf allen Gebieten. Am unerträglichsten sei es in der Schule und auf dem Gebiet der Justiz. Redner würde vor keinem jüdischen Richter schwören und sogar lieber in contumaciam sich verurtheilen lassen, als von einem jüdischen Richter sich Recht sprechen lassen. Die Versammlung begann und schloß mit dem anti-semitischen Schlachtliede: Deutschland, Deutschland über alles" und mit dreimaligem Hochruf auf den Kaiser, resp. den Fürsten Bismarck. Prenzlau, 15. Juni. In diesen Tagen erhielt ich von der städtischen Steuerkafse folgende Mittheilung: „Ew. Wohlgeboren werden hierdurch ganz erebenst benachrichtigt, daß die beiden städtischen Beörden beschlossen haben, Sie von der Zahlung der Communalsteuern vom April d. I. ab zu entbinden." Dieser Fall ist, zumal in der Gegenwart, um so beachtenswerther, als ein Antrag auf Befreiung von den Steuern gar nicht von mir gestellt worden war, sondern von einem Stadtverordneten Herrn Joseph Mayer, welcher diesen Antrag so überzeugend begründete, daß die Genehmigung sogleich erfolgte. Hr. Mayer wußte außer Billigkeitsgründen auch einen Rechts grund beizubringen, gegen welchen selbst von den rechtskundigen Mitgliedern des Stadtverordneten - Collegiums kein Widerspruch erhoben wurde. Den geehrten Collegen, welche sich für die Sache interessiren, bin ich bereit, die von Hrn. M. beigebrachten Gründe mitzutheilen. Dr. Bernhard Ritter, Rabbiner. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 13. Juni. In voriger Woche hat die hiesige Gemeinde schwere Verluste erlitten. Am 16. d. M. verschied der Dotations-Rabbiner Baruch K anders, ein hochhervorragender Talmudist und vorzüglicher hebräischer Grammatiker, in seinem 63. Lebensjahre Der Verewigte, der sich trotz seines überaus reichen Wissen und seiner Begabung nirgends hervordrängte, hatte sein ganzes Leben ausschließlich dem Studium der Gotteslehre und ihrer Hilfswissenschaften gewidmet. Er war ein Schüler des berühmten greisen Rabbi Aron Kornfeld in Jenikau der nicht nur zu den größten jetzt lebenden Talmudgelehrten, sondern unbedenklich zu den größten cm nmr, die es je gegeben, gezählt werden darf. Gebührendermaßen zollte man Baruch Kauders die verdienten höchsten Ebren. In seiner Wohnung hielt Gemeindebibliothekar Religionsprofessor Dr. Grün eine Leichenrede, in dem Bädhofe Oberrabbiner Hirsch, während ihm Rabbiner Religionsprofessor Adler auf dem Friedhofe einen Nachruf widmete. Am 9. d. Mts. wurde Joachim Perlsee, ein achtbarer, frommer Mann znr Erde bestattet. Er war durch eine lange Reihe von Jahren Vorsteher der hiesigen Beerdigungsbrüderschaft und der Zigennersynagoge*). Dem wackeren Mann war ein seltenes Glück beschieden: er erreichte das Alter von 86 Jahren und es war ihm vergönnt 63 Jahre bis an sein Lebensende an der Seite einer würdigen Frau das Glück einer ruhigen, von Gott reich gesegnete Ehe zu genießen. Er besaß eine große Zahl von Enkel und sogar 12 Urenkel. An seinem Sarge sprach Oberrabbiner Hirsch. Gestern am 12. wurde der Landtagsabgeordnete Landesadvokat Dr. Moritz Raudnitz zur Erde bestattet. Er war ein tüchtiger Vorkämpfer des Deutschthums in Böhmen, für das er alle seine Kräfte einsetzte. Sein Leichenbegängnis; gestaltete sich zu einem großartigen. Sämmtliche in Prag lebende Deutsche von Bedeutung, darunter die Herrenhausmitglieder Hofrath Edler von Höfler und Professor Danda, der Oberlandesmarschallstellvertreter Edler von Klaudy, sämmtliche deutsche und eine große Anzahl czechischer Landtagsabgeordneter u. v. ä. Notabilitäten waren anwesend, so daß der imposante Zug nach Tausenden zählte. Da Dr. Raudnitz durch eine lange Reihe von Jahren Mitglied der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz war, hatte diese den Oberrabbiner Hirsch angegangen, dem Verblichenen einen Nachruf zu widmen. Oberrabbiner Hirsch betonte in seiner Leichenrede, daß Raudnitz stets für das Recht und die Gewissensfreiheit gekämpft und hob es in meisterhafter Weise hervor, daß er im Schoße der Repräsentanz stets allen jenen Beschlüssen zugestimmt, welche die Erhaltung und Stärkung des conservativen Judenthums bezweckten. — Dr. Schneppkall, Obmann des Vertrauensmänner-Collegiums der Deutschen in Böhmen, welcher unter diesen eine Stellung einnimmt, etwa *) Anm. des Correctors: Das ist die in der Zigeunergasse belegene Synagoge.