Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1881)
- Date
- 1881-06-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXII. Jahrgang. Zweite Seilage;« Ar. 23 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Bayern. Gestatten Sie mir, eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen, die mir von Wichtigkeit erscheint. — Mein Herz schlägt warm für unsere bedrängten Brüder, wo dieselben sich auch befinden mögen und insbesondere für die im heiligen Lande wohnenden, und auch die Mitglieder der isr. Gemeinde meines Wohnortes in der ,-.'2 noch ein echt jüdischer Geist herrscht, sind zu jeder Zeit bereit, ihre bedrängten Glaubensgenossen nach Kräften zu unterstützen. Seit neuerer Zeit wird jedoch der gute Wille und auch der Glaube der betreffenden Geber durch eigentümliche Manipulationen auf die Probe gestellt, indem dieselben Briefe erhalten, die ähnlich dem hier beigelegten abgefaßt sind und die Leute auffordern, Gaben in recommandirtenBriefen ohne specielle Werthangabe auch nicht als Po st ein Zahlung an dieselben einzusenden. Die Leute urtheilen ganz richtig, wenn sie glauben, daß der letztere Wunsch deshalb geäußert wird, um die Empfänger nicht controliren zu können und sie bei der allgemeinen npi^n nicht benachtheiligt werden. Abgesehen davon, daß diese Briefe für den Absender' wenig oder gar keinen Erfolg haben, schaden sie dem großen Ganzen ungemein, indem sie durch die Art und Weise ihrer Abfassung dazu geeignet sind, die Absender und zugleich auch die anderen Bewohner des heiligen Landes verächtlich zu machen. Denn es ist nach meiner Ansicht mehr als niedrige Schmeichelei, wenn man Leuten, die zwar gute Jehudim, aber nichts weniger als Talmide Chachamim sind, die höchsten Ehrentitel gibt, die unserer Gelehrtenwelt zustehen. Solchen Briefen sind noch Zettel mit n.ev beigefügt, die allerhand allegorische (cabbalistisch sein sollende) Figuren tragen. Es ist dies meiner Ansicht nach ein Mißbrauch Einzelner, der dazu angethan ist, das Ganze zu schädigen und der dieser Art zu manipuliren leicht den Namen Schwindel eintragen könnte. Durch obige Veröffentlichung hoffe ich dazu beizutragen, daß es gelingen wird, diesem Mißbrauche entgegenzutreten. H. R. (Wir stimmen mit dem geehrten Herrn Correspondenten vollkommen überein; von allen Seiten gehen uns Klagen über die Menge derartiger Briefe zu, mit welchen die edlen Spender förmlich überschüttet werden, die den Absendern nichts nützen und der allgemeinen Sammlung schaden. — Red.) Berlin. Der „Tribüne" wird geschrieben: Durch die Zeitung geht ein Ausdruck hohen Ruhmes von Bismarck über den Präsidenten Simson. Vielleicht dürfte bei dieser Angelegenheit angemerkt werden, daß in der von gewisser Seite noch nicht verworfenen Judenhetze der Hinweis wohl von Bedeutung wäre, daß der Präsident des Reichsgerichts, sowie der Justizminister Männer von jüdischer, oder, wie es heute heißt, von semitischer Abkunft sind. Ihre heutige Zeitung bringt nun einen Ausspruch Bismarck's aus dem Parlament in Erfurt, in welchem Bismarck Schriftführer war. Zur Ergänzung mag noch folgendes Vorkommniß aufbewahrt werden. Bismarck und August v. Rochau waren Schriftführer und gerieten eines Tages in heftigen Wortwechsel, worauf ihnen Präsident Simson sagte: „Meine Herren, ich möchte Sie doch bitten, als Gentlemen sich innerhalb der Grenzen der gesellschaftlichen guten Formen zu halten." Worauf Bismarck erwiderte: „Herr Präsident, wir sind Männer von Geburt, wir ..." Mit der ganzen imponirenden Sicherheit siel Präsident Simson ein: Und das sagen Sie mir? Mir, der ich vom ältesten Adel abstamme! Meine Ahnenreihe geht mütterlicherseits in gerader Linie bis zum Hohenpriester Aron hinauf." Betroffen und in vollem Ernste entgegnete hierauf Bismarck: Entschuldigen Sie, Herr Präsident, ich muß gestehen, von dieser Seite habe ich die Sache noch nie angesehen! Berlin, 11. Juni. Der Bundesrath genehmigte die mit Rumänien abgeschlossene Handelsconvention. Es ist dies die Convention, welche am 14. November 1877 abgeschlossen, im Reichstage aber nicht mehr berathen wurde, weil auf Lasker's Antrag die Frage der Gleichberechtigung der Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse einer Commission zur Erwägung übergeben wurde. Bezüglich dieser Frage ist der der Vorlage beifolgenden Denkschrift ein Schlußpassus angefügt, welcher daran erinnert, „daß die Frage der Gleichberechtigung der Angehörigen der verschiedenen Glaubensbekenntnisse durch Arükel 44 des Berliner Vertrags vom 13. Juli 1878 und