Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1881)
- Date
- 1881-06-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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614 in Rumänien vorgenommen wurde, die Principien der Naturalisation eine neue Feststellung gefunden haben und daß darnach die Bedingungen der Naturalisation in Rumänien viel strenger und schwerer sind, als bei uns zu Lande. Dieselbe tritt erst nach einem zehnjährigen Aufenthalt ein und zwar im Wege der Gesetzgebung. Lasker: Ich habe vor drei Jahren ausdrücklich erklärt, daß es nicht entfernt meine Absicht sei, sich in die Gesetzgebung eines fremden Landes einzumischen oder unsere Regierung dazu zu veranlassen. Der Abgeordnete v. Minigerode hatte also zu seinen Bemerkungen nicht die geringste Veranlassung. Seine Rede hatte offenbar den Zweck, eine Discussion über eine Frage zu provociren, welche der Reichstag bisher mit Takt vermieden hat. Es wird ihm aber nicht gelingen. v. Minnigerode: Wenn der Abgeordnete Lasker es mir in die Schuhe geschoben hat, als wenn ich durch das weitere Eingehen auf die Frage, die ich sehr delicat behandelt habe, eine Provocation habe aussprechen wollen, so widerspreche ich dem auf das Lebhafteste. Ich habe ausdrücklich von vornherein gesagt, der Dank des Abg Lasker gerade zu dieser Zeit wäre besser unterblieben, da er zu Mißdeutungen bei vielen Leuten im Lande führen könne, und dabei bleibe ich stehen Wenn wir auf diese Frage im Allgemeinen hätten eingehen wollen, so war Gelegenheit genug dazu bei den wiederholten Provocationen des Herrn Richter in diesem Hause, die wir aber einfach todtgeschwicgcn haben und die, wenn sie wieder in der ihm eigenthümlichen Art erfolgen sollten, da er noch zum Worte gemeldet ist, wir auch heute gewillt sind, todtzuschweigen. Richter (Hagen): Dann hätte der geehrte Herr auch besser gethan, überhaupt nicht meinen Namen zu nennen; denn er wird wissen, daß ich es verstehe, wenn er eine mich betreffende Bemerkung macht, ihm eine anderthalbfache drauf zu setzen. Es ist in der That für uns Deutsche ein nichts weniger als erhebendes Gefühl, wenn man sich der Zeit vor zehn Jahren erinnert, wo alle Deutschen ohne Unterschied der Religion zusammenstanden in der Abwehr des äußeren Feindes und alles übereistimmte im Preise und Lobe der deutschen Nation und ihrer Tugenden, und jetzt es so dargcstellt wird, als ob diese ganze deutsche Nation in Gefahr käme, wenn hinten herum in Rumänien ein paar Juden mehr einwandern. Das ist doch der Kernpunkt der Rede des Abg. v. Minnigerode, wenn er ihn auch hier, wie er sagt, nur delikat andeutet. Draußen versteht er die Farben desto deutlicher aufzutragen; dort wird ergänzt, was er hier aus guten Gründen beizusügen unterläßt. Der Abg. Lingens, der den Strom der Auswanderung nach Rumänien gelenkt wissen will, scheint seinerseits doch den Umstand, daß in Rumänien 13 Prozent Juden sind, für nichts weniger als abschreckend zu halten. Es ist die beste Politik des preußischen Staates gewesen und eine ruhmreiche Politik gerade der Hohenzollern, allen einwandernden Fremden ohne Unterschied, zumal denen, die ihres Glaubens wegen bedrückt wurden, in Preußen eine Freistätte zu eröffneu. Es sind wahrlich nicht die schlechtesten Bürger in Preußen und gerade hier in Berlin, die damals eine Zuflucht gefunden haben. Wie klein erscheinen wir dagegen, wenn wir uns hier dagegen verwahren und Furcht zeigen, es könnten aus Rumänien künftig ein paar Juden in Deutschland einwandern, die diesem oder jenem weniger gefallen. Ehe sie daran denken, künstliche Mittel gegen die Einwanderung zu machen, sollten Sie lieber darauf bedacht sein, wie Sie die Deutschen im Lande behalten, namentlich Sie in Westpreußen. Wo wandern denn die meisten aus? Wo die Herren von drüben (Rechts) zu Hause sind, aus der Provinz des Herrn v Minnigerode, wo Sie alle die Beglückungen, die Sie jetzt den städtischen Arbeitern zu Theil werden lassen wollen, zunächst einmal an ihren eigenen Arbeitern erproben könnten. Die laufen Ihnen fort, weil sie es zu schlecht haben auf Ihren großen Gütern. (Widerspruch rechts.) Ja wohl, weil die Wohnungen zu wenig einem menschenwürdigen Dasein entsprechen, weil die Kost nicht genügend, der Lohn gering ist, so daß die Leute nicht blos in die Städte, sondern wenn sie die Mittel haben, nach Amerika schaarenweise wandern, und in diesem Monat Mai, im zweiten Jahre dieser gepriesenen neuen Wirthschaftspolitik ist die Auswanderung über Hamburg stärker wie seit 10 Jahren. Darüber denken Sie nach, wie Sie diese eingeborenen echten Deutschen, und es sind wahrlich nicht die schlechtesten, welche auswandern, im Lande behalten, daß Sie vor allem Eintracht und Frieden halten und sich energisch gegen solche Bestrebungen wenden, welche blos die Religionsgesellschaften in Deutschland gegen einander aufstacheln. (Beifall links.) In der darauffolgenden zweiten Berathung wird die Handelskonvention mit Rumänien unverändert genehmigt. Rußland. Petersburg, 24. Mai. Bei der Audienz, welche der Kaiser den Vertretern der Petersburger jüdischen Gemeinde, Baron Günzburg, Banguier Sack und Pasfower in Gatschina gewährte, sagte Baron Günzburg: „Wir schätzen uns glücklich, Ew. Majestät Namens der israelitischen Unterthanen die Gefühle der Loyalität, Ergebenheit und Dankbarkeit für die zum Schutze der Israeliten getroffenen Maß-