Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1881)
- Date
- 1881-06-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447873--17682-2473696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
612 Rabbi Dossa ben Harchinas auf, um auch seine Ansicht einzuholen. Und Rabbi Dossa sprach: „Du mußt Dich der Autorität des Rabbon Gamliel fügen, mein Freund. Deßhalb hat uns die heilige Schrift die Namen der siebenzig Aeltesten, welche unfern: Lehrer Moscheh zur Serte standen, nicht genannt, um für die Folge unliebsame Vergleiche zu verhüten, damit die Leute nicht sagen: Die Lehrer unserer Zeiten sind nicht wie die der Vergangenheit. — Da man die Namen der siebenzig Aeltesten nicht kennt, so können ja immerhin die! Lehrer der Gegenwart jenen Männern gleichen oder sie Aar übertreffen. So finden wir auch, daß in der heiligen Schrift die drei größten Männer unserer Geschichte, Moscheh, Ahron und Samuel, drei viel geringeren, Gideon, Simson und Jiphtach, gegenübergestellt werden, um uns zu lehren, daß Gideon in seiner Zeit dieselbe Autorität wie Moscheh, Simson wie Ahron und Jiphtach wie Samuel beanspruchen dursten. Und ferner heißt es: Und Du wirst kommen zu dem Richter, der in jenen Tagen sein wird. — Kann denn ein Mensch einen Richter aufsuchen, der nicht zu seiner Zeit lebt? Aber die heilige Schrift will damit uns lehren, daß die Richter Israels dieselbe Achtung und denselben Gehorsam beanspruchen dürfen, wie sie unserm Lehrer Moscheh einst zu Theil wurden. Rabbi Jofua entschloß sich, dem Befehle des Fürsten zu gehorchen. Gr umgürtete sich mit seinem Geldgurt, nahm seinen Stab in die Hand und begab sich an dem bestimmten Tage nach Jabneh zu Rabbon Gamliel. Als der Fürst ihn erblickte, erhob er sich, ging ihm entgegen, nmarmte und küßte ihn und sprach: „Sei mir gegrüßt, mein Lehrer und Schüler, mein Lehrer an Weisheit, mein Schüler, weil Du meinen Worten Gehorsam leistest. Heil dem Geschlechte, in welchem die Großen auf die Geringen hören!" Tie That des Rabbi Josua verdient um so größere Anerkennung, da gerade die Astronomie' dieicnige Wissenschaft war, in welcher er von Keinem seiner Zeitgenossen erreicht wurde, und in welcher er so hervorragende Kenntnisse besaß, daß sie noch heute, .nachdem die genannte Wissenschaft durch die Vervollkommnung der optischen Instrumente ganz außerordentliche Fortschritte gemacht hat, unsere Bewunderung erregen. Auch Rabbon Gamliel wußte von den großen astronomischen Kenntnissen Rabbi Jo-; snas, wie aus der nachfolgenden Erzählung unserer Weifen hervorgehet. ■ Rabbon Gamliel und Rabbi Josua gingen einst miteinander zu Schiff. Rabbon Gamliel hatte sich! Brod mitgenommen, Rabbi Josua Brod und Mehl, i Nach einiger Zeit gingen die Vorräthe Rabbon Gam-! liels zu Ende und er mußte die seines Freundes in ' Anspruch nehmen. „Mein Brod ist verschimmelt," sagte er, „und ungenießbar geworden; ich muß Dich daher bitten, mir von dem Mehle, das Du mit Dir führest, abzulassen." „Gern," antwortete Rabbi Josua, „Du magst, was ich habe als das Deinige betrachten." „Wieso," fragte Rabbon Gamliel, „hast Du wissen können, daß unsere Seereise sich so in die Länge ziehen werde?" „Alle siebenzig Jahre," antwortete Rabbi Jofua, „steigt ein Stern empor, welcher die Schiffer irre führt. Da gerade jetzt die Zeit ist, in welcher dieser Stern zu erscheinen pflegt, so fürchtete ich, daß er während unserer Reise gesehen werden würde und versah mich deßhalb mit solchen Vorräthen, die dem Verderben weniger ausgesetzt sind. Und wie ich gefürchtet hatte, so geschah es." Als mm Rabbi Gamliel die große Weisheit seines Freundes bewunderte, sprach dieser: „In der Hcimath sind zwei gelehrte Genossen: Rabbi Elasar Chisma und Rabbi Jochanan ben Gudgada, die in den Naturwissenschaften große Kenntnisse besitzen, und dennoch nicht Brod zum Essen und Gewand zum Bekleiden haben." Als die Seereise glücklich vollendet war, wollte Rabbon Gamliel den beiden ihm von Rabbi Josua genannten Gelehrten Aemter übertragen, um sie vor Noth zu schützen. Aber sie weigerten sich, diese Aemter anzunehmen. Da sprach Rabbon Gamliel zu ihnen: „Es ist nicht Herrschaft und Ehre, die ich Euch übertrage, sondern Last und Bürde, und je höher die Stellung eines Menschen, desto größer ist seine Knechtschaft und Abhängigkeit." Einer der berühmtesten Astronomen der neueren Zeit war Edmund Haltet). Den größten Ruhm hat derselbe durch die Berechnung der in großen Zwischenräumen regelmäßige Rückkehr des nach ihm benannten Halley'schen Kometen erlangt. Der gelehrte Rappoport, einst Oberrabiner zu Prag, hat nachgewiesen, daß dieser Halley'sche Komet derselbe ist, dessen regelmäßige Wiederkehr Rabbi Jostla bereits 1600 Jahre früher zu berechnen verstanden. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. Berantworrlichc Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition deS .JSraelit* große Bleiche 45. I. Got tSIeben'S Puchdruckerei (Mainzer Anzeiger).