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Der Israelit · 1881-06-22 · Heft 25 (22.6.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 25 (22.6.1881)
Date
1881-06-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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611 Talmide-Chachamim. Er kam zu Rabbi Josua, der ihm diese Ansicht bestätigte. Darauf fragte er bei Rabbon Gamliel an. Dieser aber sagte ffhm, daß eiu solcher Unterschied hiebei nicht statthast sei. Als nun Rabbi Zadok sich auf Rabbi Josua bezog, da hieß ihn Rabbon Gamliel seine Frage im Beth Hamidrasch vor den versammelten Gelehrten wiederholen. Und Rabbon Gamliel entschied, wie er vorher entschieden hatte, und Rabbi Josua wagte nicht zu widersprechen. Da stellte ihn Rabbon Gamliel zu Rede, und als Rabbi Josua eingestand, einer abweichenden Meinung Ausdruck gegeben zu haben, befahl ihm der Fürst aufzustehen und dem Lehrvortrage stehend anzuwohnen wie einer der Schüler. — So saß Rabbon Gamliel und lehrte, während Rabbi Josua stehen mußte, bis die Genossen alle sich über dieses harte Vorgehen des Fürsten empörten und den Verkünder der Lehrmeinungen Rabbon Gamliels, Rabbi Chuzpith, zwangen, den Vortrag zu unterbrechen. Bald nachher mußte Rabbi Josua wiederum sich vor der Autorität des Fürsten beugen. Die jüdische Kalenderrechnung richtet sich nach der Umlaufzeit des Mondes um die Erde. 29 Tage, 12 Stunden, und ™/io8o Stunden braucht der Mond, um seinen Umlauf um die Erde zu vollenden. Ein solcher Zeitraum ist ein Monat. In alten Zeiten war jedoch die Berechnung allein nicht maßgebend. Es mußte auch der neue Mond am Himmel erblickt worden sein. Diejenigen, welche ihnen gesehen hatten, mußten zum Fürsten gehen und Zeugniß ablegen. der dann die Heiligung des Mondes verkündete. Auf den Bergen angezündete Feuer thaten den Bewohnern des heiligen Landes kund, daß der Neumond begonnen. Diese Einrichtung mußte später der Sadducäer wegen aufgehoben werden, da diese durch zur Unzeit auf den Bergen angezündete Feuer das Volk irre zu leiten sich bestrebten. Die Sadducäer waren eine Secte, welche die Tradition verwarf und nur den Wortlaut der heiligen Schrift gelten lassen wollte. In Folge dessen lehrten sie, daß nach 3. B. M. c. 23 V. 15 u. d6 das Wochenfest nur aus den ersten Wochentag fallen müsse. Da sie ihren Irrlehren nicht die allgemeine Anerkennung verschaffen konnten, so versuchten sie durch allerlei kleinliche Mittel in die Kalenderbestimmung Verwirrung zu bringen. Deßhalb mffthete sie falsche Zeugen. So kamen auch einmal ein Paar Zeugen vor den Fürsten und den Gerichtshof; der Eine legte sein Zeugniß ab; der Andere aber sprach: Ich stieg empor auf die Höhe des Edomäer und erblickte den Mond, wie er ruhete zwischen zwei Felsen; sein Kopf glich dem eines Kalbes, seine Ohren denen eines Ziegenbocks,; seine Hörner dem Geweihe eines Hirsches und sein; Schweif lag zwischen seinen zwei Hüften. Ich blickte ihn! an, erschrak und fiel hinterrücks. Wenn Ihr mir nicht glaubt, so sehet hier 200 Gulden, die man mir für mein Zeugniß gegeben hat. — Der brave Mann hatte sich scheinbar den Sadducäern zur Verfügung gestellt, damit nicht ein Anderer bewogen würde, die Weisen durch falsches Zeugniß zu täuschen. Vor Rabbon Gamliel und dessen Gerichtshöfe waren zwei Zeugen erschienen, welche aussagten, daß sie den neuen Mond bei Tage erblickt hätten; in der darauffolgenden Nacht konnte man, trotzdem es heiterer Himmel war, von dem Monde nichts sehen. In Folge dessen waren die Weisen und unter ihnen Rabbi Josua ben Chanania der Ansicht, daß die Zeugen nicht die Wahrheit gesagt hätten. Trotzdem nahm Rabbon Gamliel ihr Zeugniß an, weil dasselbe mit seiner Rechnung übereinstimmte. — Bald nachher erfuhr Rabbon Gamliel, daß Rabbi Josua die in den in Rede stehenden Monat fallenden Feste so zu feiern beabsichtige, wie sie nach seiner eigenen Rechnung, abweichend von der Bestimmung des Fürsten, fallen würden. Das durfte Rabbon Gamliel nicht dulden. Ein solcher Zwiespalt würde in Israel die größte Verwirrung hervorgerufen haben. Er schickte hin und ließ dem Rabbi Josua sagen: Ich befehle Dir, daß Du mit Deinem Stabe und mit Deinem Gelde an dem Tage zu mir kommest, auf welchen Deiner Rechnung gemäß der Versöhnungstag fallen wird. Rabbi Josua war im höchsten Grade betrübt. So fand ihn sein ehemaliger Schüler Rabbi Akiba. „Rabbi", fragte der Letztere, „warum bist Du so betrübt?" „Akiba," antwortete der Gefragte, „es wäre für Josua besser gewesen, wenn schwere Krankheit ihn aus ein ganzes Jahr lang auf das Krankenlager geworfen hätte, als daß er diesem Befehle des Fürsten sich fügen müßte." „Gestatte mir," sagte Rabbi Akiba, „daß ich Dir etwas vortrage, was Du mich einst gelehrt hast." „Rede!" sagte Rabbi Josua. . Und Rabbi Akiba sprach: „Es heißt in der heiligen Schrift bei der Bestimmung der Festtage „otham" sie; dreimal ist dieses Wort „chasser", ohne Waw, geschrieben, so daß wir es „attem", ihr, lesen können; dieses will uns andeuten: ihr, d. h. ihr Männer, die ihr an der Spitze Israels steht, habt den Neumondstag zu bestimmen, ihr, selbst wenn ihr euch irrt, ihr, selbst wenn ihr ihn absichtlich anders bestimmt, ihr, selbst wenn ihr durch falsche Zeugen irregeleitet seid; in allen diesen Fallen gilt nur der als der rechte Neumondstag, den ihr bestimmt." Und Rabbi Josua sprach: „Du hast mich getröstet, Akiba, Du hast mich getröstet." Trotzdem suchte Rabbi Josua seinen alten Freund

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