Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-06-22 · Heft 25 (22.6.1881) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 25 (22.6.1881)
Date
1881-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447873--17679-2473693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

609 wir in unserem letzten Jahresberichte ausgesprochen haben, können wir nach einer Erfahrung von ferneren drei Jahren mit Ueberzeugung wiederholen. Immer inniger wird die Werthschätzung, welche die jungen blinden Handwerker der Arbeit entgegenbringen, weil sie den darin ruhenden Segen immer klarer erkennen; was ihnen anfangs Pflicht ist, wird ihnen nach und nach Bedürfniß; die Anerkennung, welche ihre Arbeit findet, und der materielle Erfolg, der ihre Spareinlagen stetig erhöht, erfüllen sie mit jenem Stolze, jener Selbstachtung, welche am wirksamsten gegen die dem Blinden so naheliegende Gefahr, von der Mildthätigkeit zu leben, sichert. Gebildete Handwerker heranzuziehen, welche im Leben die Grundsätze betätigen, die ihnen in der Schule eingepflanzt wurden, soll das höchste Ziel unserer Anstalt sein und bleiben. Wir verzeichnen an dieser Stelle mit freudiger Genugthuuug eine besondere Anerkennung, welche den Leistungen unserer Zöglinge geworden ist. Unser Institut beteiligte sich, hierzu 'eingeladen, an der Ausstellung, welche der löbl. uiederösterr. Gewerbe- Verein im Sommer des Jahres 1880 veranstaltete, indem es Bürsten- und Korbwaaren, Rohrgcflechte, Matten, Rouleaux und weibliche Handarbeiten aller Art und als Voraussetzung für den technischen Unterricht Modellirarbeiten und Zeichnungen — auf Polstern mittels Schnüren und Nadeln ansgeführt — exponirte. Diese Ausstellung fand beim Publikum lebhaften Beifall, der sich besonders durch zahlreichen Besuch des Institutes knndgab, und die löbl. Jury zeichnete die Arbeiten unserer blinden Binder durch die Zuerkennung der silbernen Medaille aus. Die weiblichen Handarbeiten lehrte unsere Kindergärtnerin, Fräulein Eisner, mit vielem Verständnisse und großem Fleiße. Die Resultate dieses Unterrichtes sind recht erfreulich, die Fertigkeit, welche die blinden Mädchen im Stricken, Netzen, Häkeln, Ausnähen und Maschinennähen erlanget wird ihnen manch' lohnenden Nebenverdienst schaffen und sie befähigen, sich in jeder Haushaltung nützlich zu erweisen. In seiner Erziehungsaufgabe strebt unser Institut die Wirkungen eines innigen Familienlebens an. Mit Freimuth, Offenheit und Vertrauen verkehren die Zöglinge mit ihren Lehrern und Erziehern; mit Freundlichkeit und treuer Sorgfalt wachen diese über sie. Religiosität, Gefühl und Verständnis; für ehrenhafte Führung und strenge Pflichterfüllung werden in die jugendlichen Herzen der lichtberaubten Kinder gepflanzt, durch richtige Abwechslung zwischen Arbeit und kindlichem Genuß wird die Heiterkeit ihrer Seele begründet. Die älteren Zöglinge üben durch ihr Beispiel und durch ihre werktätige Theilnahme an ihren jüngeren Schicksalsgenossen auf diese einen sehr wohlthätigen Einfluß aus , welcher eine der Ursachen für die erfreuliche Erscheinung ist, daß die oft geistig und körperlich zurückgebliebenen Kinder rasch einer gedeihlichen Entwicklung zugeführt werden '(Schluß folgt.) Tarnapol, 12. Juni. Der Urheber des Judenkrawalls in Woloczyska, Friseurgehilfe Pytlowany, wurde, der „Boh" zufolge, hier zu zehnjährigere schwerem Kerker, verschärft mit Fasten und Dunkelarrest, verurteilt. Prag. 19.Juni.(Teleg.) bir.r’2 ,-n orrs bn;r -tj Um halb vier Uhr, Nachmittags. inbyrD 'sp'scr verschied irnr iicov brun 3m im Alter von 86 Jahren 5 Monaten; er war von 2Lpn (1832) bis 8m (Anfangs 1870) Oberjurift der Präge. Gemeinde, auf welche Stelle er b'Vn resignirte. Er war einer der größten Tatmndisten, er bc saß ein beispielloses Gedächtniß, das ihm bis in das höchste Alter treu blieb und eine bewundernswürdige Geistesschärfe n"3"sj.-\ Brieflich Ausführliches. F rank r e i ui. Paris. Monatsbericht (Mai) der „All. Jsr. Univ." (Die Israeliten von Bulgarien und der Türkei.) Die wenigen in Ehios zurückgebliebenen Israeliten haben von demjenigen EonM, dem Se. Hob. Sadit Pascha vorsteht, 300 Bretter, 7 ^ack Mehl, 3 Sack Bohnen und 2 Sack Kartoffeln erhalten; dieselben haben von den 8 Verschütteten, die noch unter den Trümern waren, 4 aufgraben können (3 kleine Mädchen von 2, 6 und 10 und ein junges Mädchen von 20 Jahren). Das Eomitö von Smyrna besitzt gegenwärtig noch eine Summe von 0074 Fr.; die Zahl der bedürftigen Flüchtlinge beträgt 100. welche 47 Fainilien mit 40 Söhnen und :-0 Töcktern bilden. Das Lokalcomit^ unterstützte dieselben für ihre dringenden Bedürfnisse und gab einem großen Theil zum Broterwerb ein kleines Eapital. Einige kehrten nach Ehios zurück, die meisten jedoch blieben in Smyrna. „Gegenwärtig, schreibt H. Parierte am 20. Mai, haben wir noch für 30 zu sorgen. Eine Summe von 100 Pfd. Strl. (2300 Fr.) ist in dieser Woche ausgegeben worden und eine gleiche Summe wird für die Bedürftigen von Tfchesme nöthig sein, um ihnen die Existenz-Mittel zu geben, dann werden wir noch an die Kranken zu denken haben." Letztere sind aber auf dem Wege' der Besserung; Frau Joussclin widmet ihnen im Howita! jeden freien Augenblick, den ihr die Leitung der Schule läßt. Während sie so am Bette derselben war, erhielt sie den Besuch der Gemahlin des französischen Generaleonsnls, Fr. Pellisster v. Retmaud,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.