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Der Israelit · 1881-06-22 · Heft 25 (22.6.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 25 (22.6.1881)
Date
1881-06-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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November um 878 fl. 51 kr. Waare erzeugt und ein kleines Ersparniß erzielt. Sie ernähren sich und ihre Mutter; in ihrer Häuslichkeit waltet Ordnung und Reinlichkeit, chr Tagewerk ist von Frohsinn begleitet, und sie erwerben sich Achtung und die Theilnahme aller, mit denen sie verkehren. Am 18. Juli 1880 schied der Zögling Heinrich Hasterling von uns, um mit seinen Eltern nach Chicago in Nordamerika auszuwandern, wo seine Geschwister leben. Bei seinem Austritte wurde ihm eine Uhr zum Andenken übergeben, und sein Sparkassebuch mit 176 fl. 15 kr. ausgefolgt. Wir erhalten von diesem Zöglinge die erfreuliche Mittheilung, daß ihm der Unterricht in der englischen Sprache, welchen ihm eine Freundin unseres Institutes ertheilt hat, sehr zu Statten kommt, und daß er nun Veranstaltung trifft, fein in der Anstalt erlerntes Handwerk, die Korbflechterei, selbstständig auszuüben. Unser Zögling, Sophie Fuchs, welche im Jahre 1877 aus dem Institute trat, und damals aus dem mehrfach erwähnten Fond für austretende Zöglinge mit einem Webstuhl und reichlichem Materiale ausgestattct wurde, betreibt das Rouleaurweben mit lobenswerthem Eifer. Sie hat von 1817 bis Juli 1880 500 fl 17 kr. eingenommen und davon den Betrag von 08 fl. 71 kr. erspart. Wir glauben, gestützt auf diese Resultate, es aussprechen zu dürfen, daß unser Institut das Ziel, welches es sich gesetzt, die Erwerbsfähigkeit seiner Zöglinge, erreicht hat, und daß die religiös-sittliche Erziehung und der Unterricht, welche unseren Zöglingen zu Theil werden, ihre segensreiche Wirkung auch nach dem Austritte aus dem Institut erweisen. Besonders wollen wir es hervorhebcn, daß sich die Zöglinge auch nach ihrem Austritte als Kinder unseres Hauses fühlen und den innigen Verkehr mit demselben pflegen, ein Beweis, daß sie daselbst mit mit Liebe behandelt worden sind. Wir empfinden es als eine besondere Auszeichnung, daß auch das hohe k. k. Unterrichtsministerium das Wirken unseres Instituts anerkannt und demselben laut Erlasses vom 50. November 1879 das Oeffentlichkeitsrecht verliehen hat. Das Klavierstimmen hat sich durch eine lange Reihe svon Jahren an vielen Orten als eine Beschäftigung für Blinde erwiesen, welche ihnen einen sichern und reichen Erwerb bietet. Dieser wird durch eine gründliche musikalische Bildung erhöht, weil eine solche den Stimmer über das Niveau der Mittelmäßigkeit eniporhebt und ihn befähigt, sich durch Klavierunterricht einen einträglichen Nebenverdienst zu verschaffen. Da nun einige unserer Zöglinge sich durch besondere musikalische Anlage auszeichnen, so haben wir einen Cursus im Klavierstimmen damit eingeleitet, daß wir im October 1880 den berühmten blinden Kammervirtuosen und Compositeur Hrn. Josef Labor als Lehrer für Harmonielehre, Gesang und für die Ausbildung im Klavierspiel gewonnen haben. Die Zöglinge wurden in einer unteren und in einer oberen Abtheilung unterrichtet. Die Gegenstände des literarischen Unterrichtes sind: Rcligionslehre, biblische Geschichte, Hebräisch- Lesen und Uebersetzeu, deutsche Sprache (Lesen, Schreiben, Sprachlehre, mündlicher und schriftlicher Gedankenausdruck), Rechnen, geometrische Formenlehre, Erd- und Naturkunde, Geschichte, Hebung der Sinne, Modelliren uub Zeichnen. Das Modelliren und Zeichnen, welche in unferein Institute zuerst als Gegenstände des Unterrichtes eingesührt worden sind, erweisen sich immer als geistbildende Elemente, welche den Formensinn in erfreulicher Weife entwickeln, als Grundlagen des Unterrichtes — besonders des geometrischen und geographischen — wesentlich dazu beitragen, richtige Vorstellungen zu erzeugen und diese zu befestigen und welche für den technischen Unterricht geradezu eine unerläßliche Vorbedingung ansmachen. Es gereicht uns zur Befriedigung, daß diese Ueberzeugung von bedeutenden Blindenpädagogen getheilt wird, und daß die besprochenen Disciplineu in mehreren Blindeninstituten des In- und Auslandes Aufnahme gefunden haben. Der musikalische Unterricht hat Gesang, Klavier- und Biolinspiel zum Gegenstände. Im Klavierspiele wurden 8, im Biolinspiel 9 Zöglinge unterwiesen. An dem Gesangsunterrichte nahmen alle Zöglinge Theil. Die Gegenstände des technischen Unterrichtes sind: Das Bürstenbinden, Korbflechten, Sesselflechteu, Mattcnschlagen und Rouleauxweben. Der Unterricht in der Seilerei, zu welchem alle erforderlichen Einrichtungen vorhanden sind, ist einer späteren Zeit Vorbehalten. Der Erlös für verkaufte Maaren betrug : im Jahre 1878 .fl. 2980.40, ,, „ 1879 .fl. 2719.13, .. „ 1880 .fl. 2808.47. Unsere Werkstätte versieht seit mehreren Jahren bedeutende Verkehrsinstitute, Fabriken, Brauhäuser, sowie zahlreiche Haushaltungen zur vollen Zufriedenheit mit Bürsten, Körben, Matten, Rohrgeflechten und Rouleaux, und die stetige Erweiterung dieses Abnehmerkreises ist ein erfteulicher Beweis für die Güte der Erzeugnisse. In der Werkstätte vereinigen sich aber auch immer mehr die Bedingungen, welche sie zu einer Vorschule für das Leben gestalten. Was

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