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Der Israelit · 1881-06-22 · Heft 25 (22.6.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 25 (22.6.1881)
Date
1881-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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607 Sonderung in Bezug auf Eheschließung, auf Speise und Trank, ein guter Bürger, ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft, ein treuer Unterthan seines Fürsten, ein wohlthätiger und hilfreicher Bruder seinem andersgläubigen Mitmenschen sein; er wird die hohe Aufgabe des Juden erkennen und verwirklichen, er wird im Vertrauen auf unfern allmächtigen Schutzherrn alle Widerwärtigkeiten, Unannehmlichkeiten, Zurücksetzungen und Verfolgungen ertragen und überwinden; die Ergebenheit in Gottes weisen Rathschluß wird ihn lehren, glücklich und zufrieden zu leben in dieser Welt, und wenn die kurze Spanne des menschlichen Daseins hienieden zu Ende ist, so wird ihm in der zukünftigen Welt das ewige Heil erblühen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr.-Uugar. Monarchie. Wien. Dem Berichte des israelitischen Blinden - Instituts auf der Hohen Warte bei Wien für die Jahre 1878, 1879, 1880 entnehmen wir: Mit dem Abschlüsse des letzten Trienniums hat das unserer Obsorge anvertraute Institut acht Jahre seiner Wirksamkeit vollendet. Da dieser Zeitraum der normalen Bildungsdauer eines Zöglings gleichkommt, so erachten wir es als unsere Pflicht, in dem Berichte nicht allein über die Entwickelung zu referiren, welche das Institut genommen, sondern auch über die Erfolge, welche es erzielt. In dem Zeiträume der letzten 3 Jahre erhielten 36 Zöglinge — 25 männliche und elf weibliche — Erziehung und Unterricht. Nach dem Vaterlande gehören nach Niederösterreich 4 (3 nach Wien), nach Böhmen 3, nach Mähren 5, nach Galizien 9, nach Ungarn 6, nach Bukowina 1, nach Kroatien 1, nach Deutschland 2, nach Rußland 1. Der jüngste unlerer Zöglinge zählt 6, der älteste 20 Jahre. Einer unserer Zöglinge, ein Mädchen, wurde dem Institute in einem Alter von 9 Jahren, körperlich auf's äußerste herabgekommen und geistig so unentwickelt übergeben, daß kaum eine Spur psychischer Thätigseit zu entdecken war. Um so größer ist unsere Befriedigung, berichten zu können, daß dieses Kind durch das Zusammenwirken aller Faktoren des Institutes und durch eine entsprechende Methode der Erziehung und des Unterrichtes nun — nach einer Bildungszeit von zwei Jahren — sich sehr erfreulich entwickelt hat. Es ist j körperlich kräftig, von blühendem Aussehen, selbstständig in allen Bewegungen und Verrichtungen, hat es im Schreiben und Lesen zu einer großen Fertigkeit gebracht und zeigt ein nicht unbedeutendes musikalisches Talent, welches immer mehr eniwickett und ausgebildet wird. Wir weisen aus diesen Erfolg besonders hin, weil er eine zweifache Erlösung einer menschlichen Seele aus geistiger Nacht bedeutet, und weil er für die Bestrebungen unseres Institutes bezeichnend ist. In dem Zeiträume, von welchem dieser Bericht handelt, verließen 4 Zöglinge die Anstalt. Am 22. Mai 1879 trat der Zögling Albert Luftig, welcher das Handwerk eines Bürstenbinders erlernt hatte, hinaus in's Leben, um in seiner Heimath die Kenntnisse nützlich anzuwenden, welche er sich in der Anstalt erworben. In der Scheidestunde richtete unser Herr Präses an ihn herzliche Abschiedsworte und übergab ihm eine für Blinde eingerichtete Uhr mit dem Wunsche, daß sie ihn jederzeit an seine Pflicht mahnen, und ihm viele Stunden des Glücks zeigen möge. Der Scheidende wurde aus dem Unterstützungsfonde für austretende Zöglinge mit allen Werkzeugen und mit Materialien für die Ausübung seines Handwerkes im Werthe von 200 fl. versehen, so daß ihm seine in dem Institut durch den Nutzantheil bei der Arbeit erzielten Ersparnisse mit 275 fl. 93 kr., welche in der Sparkasse angelegt sind, ungeschmälert erhalten blieben. Doch dem jungen Handwerker wurde es anfangs schwer, das Vorurtheil zu besiegen, welches noch immer gegen die Arbeit und Leistungsfähigkeit des Blinden besteht. Um so erfreulicher ist es uns, berichten zu können, daß es ihm nun sehr wohl ergeht, daß es ihm gelungen ist, einen Kreis von Kundschaften zu gewinnen, welcher sich stetig erweitert und in welchem die Gutsverwaltung des Fürsten Liechtenstein, des Grasen Westphalen und der Fabrikbesitzer Herr Karl Kuffner in Dioszeg den ersten Platz einnehmen. Wir sprechen diesen Menschenfreunden, welche das Streben unseres Zöglings unterstützen, hiermit unseren wärmsten Dank aus. Am 27. Mai 1880 verließen die Geschwister Jakob und Wilhelmine Schmul unter den Segenswünschen der Jnstituts-Curatoren, Lehrer und Mitschüler, mit je einer Blindenuhr beschenkt, das Institut, um in Wien selbstständig ihr Handwerk, die Bürstenbinderei zu betreiben. Noch vor ihrem Austritte wurde für sie eine Wohnung gemiethet und der Zins für ein Vierteljahr bezahlt, eine Werkstätte eingerichtet und diese mit reichlichem Material versehen. Auch erhielten sie zwei vollständig eingerichtete Betten. Die Kosten hiefür welche sich auf circa 400 fl. beliefen, wurden ans dem Fond für austretende Zöglinge bestritten. Der Fleiß, welchen diese Zöglinge stets bewiesen, hat sich auch darin gezeigt, daß sie bei ihrem Austritte durch ihre Arbeit ein Gesammtcrsparniß von 683 fl. 60 kr. erzielt hatten. Sie haben von Anfang Juni bis Ende

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