Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-06-13 · Heft 24 (13.6.1881) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 24 (13.6.1881)
Date
1881-06-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447872--17654-2473667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXIX« Jahrgang. Erste ötilagezu Ar. 24 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Iericht. p"2^ Q~in K7ENpjiD ,P'L7 c""ino rrairm Das vorliegende Werk bringt einen Namen in (Erinnerung, der in jüdischen Kreisen einen guten Klang hat. Weit über die Grenzen seines Heimathlandes hinaus ist der Name des nunmehr verewigten Verfassers gedrungen, und derselbe wird überall mit Hochachtung genannt. In beinahe zweinndvierzigjähriger öffentlicher Wirksamkeit hat derselbe, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln und mit seinem bedeutenden Einfluß, für das wahre, unverfälschte Judenthum gekämpft, gearbeitet und Großes geleistet. Was derselbe aber für die Erhaltung, Ausbreitung und Förderung von r".Tn gethan fyat, Dürfte beispielslos dastehen. Mit einer Uneigennützigkeit, Selbstaufopferung und gänzlicher Hingebung, wie solche nur die glühendste Begeisterung und das tiefste Durchdrungensein von einer großen, erhabenen Idee verleihen kann, hat der Verfasser diese seine Lebensaufgabe erfaßt und durchgeführt. Zein ganzes Leben war ein wahres Heroenthum, durch und durch voller Arbeit und voller Mühe, der er sich freudig unterzog und die seine einzige Erholung war. Waren es etwa materielle Bortheile, die ihn'bewogen, sein ganzes Leben an eine Aufgabe zu setzen und die ihn, selbst als er sein Augenlicht fast gänzlich verloren hatte, noch immer nicht rasten ließen, die ihn noch immer mündlich und schriftlich in unermüdlicher Thätigkeit hielten? Wer diesen Mann nur dem Namen nach gekannt hat, selbst die Gegner seiner Principien — persönliche Gegner wird er wohl nie gehabt haben, obschon er eine öffentliche und leiteiide Nolle in den bewegtesten Zeiten für die Juden Ungarns einnahm — werden für diese Frage nur ein Lächeln haben. „R. Moses Schick sollte materiellen Vortheilen nachjagen! Es ist das so wenig glaubwürdig wie etwa die Behauptung: die Sonne flehe im 'Solde irgend einer irdischen Macht und lasse nur deßhalb ihr Licht erglänzen." So würde die Antwort auf diese Frage lauten. Nun, so waren es wohl sogenannte Vortheile höherer Art, die den Mann veraulaßten, seine Nachtruhe zu opfern und auf alle Bequemlichkeiten des Lebens zu verzichten; wie etwa: Ruhmsucht, unbändiger Ehrgeiz, das Streben nach Popularisirung seines Namens und wie alle die kleinen Schwächen selbst großer Männer noch heißen mögen? Auch diese Frage wird nur mit einem Lächeln beantwortet werden von Allen, die den Mann gekannt haben, selbst wenn sie einer anderen Richtung im Judenthum huldigten. Selbstlos und uneigennützig wie die Himmelskörper ihre Bahnen ziehen, die Welt erleuchten, Leben und Gedeihen spenden, von denen unsere Weisen so schön poetisch sagen: otiset o-pif crp rsn rvipjp, so war der Lebensgang dieses Mannes. Er that, was er für feine Pflicht hielt, in edelster und reinster Absicht, unbekümmert darum, ob er von der Mit- und Nachwelt Tadel oder Ruhm ernten wird. Bon ihm kann man mit Recht sagen: crznn ’pnyoi j?*pin “n?D c-poipcm ü'22'cd Dieser Mann nun, der feine ganze Zeit dem Unterrichte mit den Jüngern seiner Jeschibah widmete, und dieselbe war zu jeder Zeit eine der zahlreichsten in Ungarn, er hat noch die ihm nöthige Nachtruhe geopfert, um die zahlreichen an ihn gerichteten Fragen, aus dem weiten religiösen Gebiete, zu beantworten. Das vorliegende Werk bildet einen Theil jener onryr* \jd, jener Früchte durchwachter Nächte, und die schon um deffentwillen ein besonderes Interesse beanspruchen. Trotzdem seine Zeit ihm so kostbar war, hat er doch Niemanden unberücksichtigt gelassen. Nicht nur nao'n haben ihn in schwierigen Fällen um Auskunft gefragt, auch seine Schüler und andere junge Leute, die es sich zur Ehre anrechneten einen Brief von seiner Hand aufweisen zu können und vielleicht in der geheimen Absicht sich einmal gedruckt zu sehen, sich an ihn gewendet haben, allen diesen hat er, selbst als er schon niedergedrückt war von der Wucht körperlicher Leiden, ausführlich geantwortet. Es war eben sein Princip, wie er sich selbst mehrmals in seinen Responsen äußert, Niemanden abzuweisen, von dem er um Belehrung angegangen worden ist. Freilich war es ihm verhältnismäßig leicht Belehrung zu geben; denn er beherrschte das gesammte talmudische Gebiet mit einer Meisterschaft wie selten Einer. Der vorliegende Band enthält 410 no^r., meistens stehen dieselben in Beziehung zum Schulchan Aruch Jore Deah. Die religiösen Wirren, die in den letzten Jahren in Ungarn entstanden sind, fanden in dem Verstorbenen einen begeisterten Kämpfer, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.