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Der Israelit · 1881-06-13 · Heft 24 (13.6.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 24 (13.6.1881)
Date
1881-06-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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584 Charub, der wild wächst und dessen Früchte im Orient unentgeltlich zu haben sind. Deßhalb hatte man ihm den Beinamen „Charub" gegeben. Ihn ließ Rabbi Elieser herbeirufen, und dieser gefeierte Lehrer entschied wie sein Freund und ehemaliger Mitschüler. Aber die Genossen Rabbi Elieser's ließen sich nicht dadurch bestimmen. Da sprach er: Wenn unsere Autorität Euch nicht genügt, so mag der Quell entscheiden. Der Quell, so nannte man einen der bedeutendsten Männer jener Zeit, den Rabbi Elasar ben Aroch. Ihn hatte sein Lehrer, Rabbi Jochanan ben Sackai, einer sprudelnden Quelle verglichen, die zum mächtigen Strome wird; seinen Aussprüchen hatte Rabbon Jochanan vor denen seinen Genossen den Vorzug gegeben; von ihnl hatte er gesagt: Wenn alle Weisen Israels gewogen werden und selbst Elieser ben Horkinos mit ihnen, so überwiegt Elasa^ ben Aroch sie alle. — Als Rabbi Jochanan ben «sackai gestorben war, hatte sich Rabbi Elasar zu seiner Frau nach Emmaus begeben in der Erwartung, daß seine Genossen ihm dahin folgen würden; er glaubte nämlich, daß er ihnen unentbehrlich wäre. Aber sie folgten ihm nicht. Als er dann nach Jabneh übersiedeln wollte, litt das seine ans ihren großen Mann überaus stolze Frau nicht, weil sie darin eine Demüthigung für ihren hochverehrten Gatten erblickte. So war Rabbi Elasar den Versammlungen in Jabneh viele Jahre lang fern geblieben. Jetzt ließ ihn Rabbi Elieser herbeiholen, und auch er entschied wie sein Freund und ehemaliger Mitschüler. Aber trotzdem waren die Weisen nicht zu bewegen, von ihrer Entscheidung abzugehen. Da sprach Rabbi Elieser: Wenn Ihr denn durchaus eine Majorität für meinen Ausspruch haben wollt, so mögen die Mauern des Lehrhauses entscheiden. Wer sind die Mauern des Lehrhauses? Das sind die Schüler, die künftigen Lehrer, die das Gebäude des Lehrhauses stutzen, auf denen das Lehrhaus beruht. Da erhoben sich die Schüler, die zugegen waren, um für den gefeiertsten Lehrer in Israel ihr Votum abzugeben. Rabbi Josua aber schrie sie an und sprach: Roch seid Ihr nicht zu der Reife des Geistes gelangt, daß Eure Stimmen Geltung hätten. — Da schwiegen sie und wagten nicht, an der Entscheidung Theil zu nehmen. Und Rabbi Elieser erhob sich und sprach: So möge man denn vom Himmel herab entscheiden zwischen mir und Euch! Und Gott erhörte das Gebet des Rabbi Elieser und sandte den Propheten Elijahu, um den Weisen zu verkünden: Warum streitet Ihr gegen Rabbi Elieser? Er trifft das Richtige überall. Run stand Rabbi Josua auf und sprach: Es heißt in der heiligen Schrift: Nicht im Himmel ist die Thora. — Die Thora hat Gott uns gegeben vom Berge Sinai, und in dieser Thora findet sich die Vorschrift: Nach Stimmenmehrzahl soll man entscheiden. Als Rabbi Elieser bei seiner Ansicht beharrte, da ließ man Alles, was Rabbi Elieser in Folge der streitigen Halachah für rein erklärt hatte, herbeibringcn und verbrennen. Ihn selbst aber belegte man mit dem Banne. Nun galt es, dem gefeierten Lehrer davon Mittheilnng zu machen. Niemand wagte es Da trat Rabbi Akiba auf, und sprach: Ich werde es ihm verkünden, damit er es nicht durch einen Unberufenen erfahre und noch mehr gekränkt werde . . . Rabbi Akiba zog schwarze Gewänder an, und umhüllte sich mit einem schwarzen Mantel. Dann ging er zu Rabbi Elieser und setzte sich ohne Gruß auf die Erde in einer Entfernung von vier Ellen. Und Rabbi Elieser sprach: „Akiba, was soll das bedeuten?" „„Es scheint mir, mein Lehrer,"" antwortete Rabbi Akiba, „„daß D^'ne Genossen sich von Dir losgesagt haben."" ' Als Rabbi Elieser das hörte, zerriß er seine Kleider, zog seine Schuhe aus, setzte sich auf die Erde und sing laut an zu weinen. Um diese Zeit hatte Rabbon Gamliel, der Fürst, der, obwohl der Schwager des Rabbi Elieser, den Bann über diesen verhängt hatte, eine Seereise zu unternehmen. Da erhob sich ein furchtbarer Sturm und drohte das Schiff, auf welchem sich Rabbon Gamliel befand, in den Abgrund zu reißen. Und Rabbon Gamliel sprach: Ich weiß es, diese Gefahr bedroht mich um Rabbi Elieser ben Horkinos willen. Herr der Welt, Du weißt es und vor Dir ist es offenbar, daß ich nicht deßhalb den Bann über ihn verhängt habe, um meine Obmacht selbst über den Größten zu beweisen; ich habe es nur zu Deiner Ehre gethan, damit die Streitigkeiten sich nicht mehren in Israel, damit der Einzelne, und sei er noch so groß, sich der Mehrheit füge. Und der Sturm ließ nach, das Meer beruhigte sich, und Rabbi Gamliel war gerettet. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des »Israelit* große Bleiche 45. I. G o t 18 l e b e n'8 Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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