Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1881)
- Date
- 1881-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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582 es meine erste Sorge, unsere Verwundeten zu besuchen, die 14 an Zahl, in dem israelitischen Hospital untergebracht sind. Mit Ausnahme eines amputirten Kindes, dessen Krampfanfälle besorgnißerregend sind, befinden sich alle so wohl als möglich. Frau Jousselin ist trotz ihrer schwächlichen Gesundheit am Bette derselben und pflegt sie Alle mit einer seltenen Hingebung. Sie verläßt sie nicht bei Tag und bei Nacht, legt ihnen den Verband an und wacht über die Küche, kurz, sie ist für unsere Kranken wie eine zweite Vorsehung geworden. Sie wird in ihrer Bemühung von Herrn Dr. Varda und Apotheker Cesana, sowie von den Verwaltern des Hospitals unterstützt. „Die israelitischen Flüchtlinge von Chios, ca. 200 an Zahl, sind größtenteils in dem vis-ä-vis vom Hospital gelegenen Hause untergebracht. Ein von H. I. Sidi geleitetes Specialcomiw sorgt für sie; die israelitischen Damen haben Wäsche und Kleidungsstücke geschickt. Man kann sagen, daß Jeder in unserem Quartier seine Pflicht nach seinen Kräften und Mitteln thut. Ich habe unsere Flüchtlinge verlassen, um mich in's Bureau des H. Alex. Sidi zu begeben, wo das Localcomitee sich versammelt hat. Da Ihre Sendung von 1000 Fr. erschöpft und die Kosten beträchtlich wurden, so richtete das Comits verschiedene Telegramme nach Constantinopel, Salonichi, Paris und London, um Hilfe zu erbitten. H. Allatini-Salonichi hat sofort 35 Pfd. geschickt; H Bloch antwortete, daß das internationale Comiw auf sein Gesuch auch die Israeliten uuterstützen werde. H. Elie Leon-Paris schickte an H. Jacques Sidi eine Summe von 2000 Fr., wovon die Hälfte für Israeliten und die andere Hälfte für Nichtisraeliten bestimmt war. Das Comtttz erwartet noch die Antworten von der Alliance von H. Veueziani und Dr. Löwy-London. Das internationale Hilfscomits, das hier seinen Sitz hat und dem die Hn. Aler. Sidi und David Enriquez angehören, ist von den besten Gesinnungen gegen die Israeliten beseelt; da es aber für mehr als 40,000 Personen zu sorgen hat, so sind seine Bedürfnisse enorm; es kann hier nicht wirksam eingreifen. Außerdem müssen wir an die Zukunft denken. Die gegenwärtige Lage scheint hier auf längere Zeit hinaus sich nicht ändern zu sollen, und mehr als 300 Israeliten werden für 2 oder 3 Monate Hilfe brauchen; >man wird sodann repatriiren und auf Beschaffung der Mittel zur Fortsetzung ihres gewöhnlichen Lebens bedacht sein müssen; das sind Ausgaben, denen das internationale Comittz angesichts seiner ungeheuren Bedürfnisse nicht gewachsen wäre, da seine Action sich auf eine zahlreiche Bevölkerung erstreckt. ^Bevor ich diese Zeilen schließe, muß ich dem französischen Generalconsul von Smyrna, H. Pelissier de Reynaud, dem Commandanten des Stationsschiffes Le Bouvet, sowie dem französischen Consularagenten, H. Spirado für das ganz besondere Wohlwollen, das sie mir bei dieser traurigen Gelegenheit bewiesen haben, meine Ehrerbietung zollen und muß zugleich hinzufügen, daß die Mitglieder des Localcomit^s der Alliance und der anderen israelitischen Verwaltungen bei dieser Gelegenheit den größten Eifer entfalten und die besten Gesinnungen brüderlicher Solidarität zeigen." Das C-Comitee hat am 9. April eine erste Unterstützung von 1OO0 Fr. an den Präsidenten des Comittz's von Smyrna, H. Haim Habif, geschickt und später eine zweite von 500 Fr. votirt, mit der es die Uebersendung einer von H. Veneziani gesammelten Summe von 3000 Fr. und einer von einem ungenannten Geber ihm überreichten Summe von 500 Fr. zu verbinden die Freude hatte. Dasselbe hat auch Beglückwünschungsschreiben an H. Pariente und Frau Jousselin gerichtet, für das schöne Verhalten und die barmherzige Hingebung derselben unter diesen schmerzlichen Umständen. Feuilleton. Akiöa. XXIV. „Die Worte der Weisen sind wie Stichel; die Reden der Sammler wie eingesenkte Nägel; sie alle stammen von einem Hirten" (Koheleth Eap. 12, Vers 11.) Die Weisen bemerken zu diesem Ausspruche des weisen Königs: die Sammler, das sind die Lehrer Israels, welche die religiösen Vorschriften der mündlichen Lehre sammeln. Da kömmt es manchmal vor, daß die Einen unrein nennen, was die Andern für rein erklären, daß die Einen verbieten, was die Andern erlauben, daß die Einen etwas als untauglich bezeichnen, während die Andern es für tauglich erklären. Das aber braucht Dich nicht zu beirren; selbst die einander entgegenstehenden Aussprüche stammen von einem Hirten; ein Gott hat sie gegeben, ein Führer hat sie ausgesprochen, und dieser hat sie aus dem Munde des Herrn aller Geschöpfe, gelobt sei Er, vernommen, wie es heißt: Gott redete all diese Worte. Schaffe Du Dir nur ein verständiges Herz, damit Du im Stande seiest, auch das scheinbar sich Widersprechende zu verstehen und zu begreifen. Als unser großer Lehrer Moscheh, erzählen die Weisen, kurz vor seinem Tode von seinem treuen Schüler Josua Abschied nahm, sprach er: Mein