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Der Israelit · 1881-06-13 · Heft 24 (13.6.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 24 (13.6.1881)
Date
1881-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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581 Frankreich. Paris. Monatsbericht (April) der „All. Jsr. Univ." Die Israeliten der Türkei. Das C-Comitee erhielt mehrere Briefe über die Katastrophe, welche die Insel Chios und die Stadt Tschesme zerstört hat. (Der erste ist den Lesern bereits bekannt.) Der zweite Brief des H. Pariente lautet: „Smyrna, 13. April. „Herr Secretär! Ich habe^die Ehre, Sie zu benachrichtigen, daß ich seit gestern von meiner Reise nach Chios und Tschesme zurückgekehrt bin, nachdem ich für unsere verunglückten Glaubensgenossen Alles, was menschenmöglich ist, gethan habe. Bon 29 Opfern, ure unter den Trümmern gelegen, sind 21 hervordezogen worden, die wir auf dem jüdischen Friedhöfe gestattet haben. Dieser Theil unserer Aufgabe war bm so schwieriger und gefährlicher, als das im Innern der Citadelle gelegene Judenquartier am meisten betroffen worden war und nur wenige Personen es wagten, sich hineinzubegeben, da die Stöße von Stunde zu Stunde sich zu wiederholen fortfuhren. Ich dachte, daß es eine fromme Pflicht sei, die man gegen die Todten zu erfüllen, und ein Trost, den man den Ueberlebenden zu geben hat, und habe mich daher von keiner Erwägung zurückhalten lassen. Ich habe ebenso die Sefarim und alle unter den Ruinen des Tempels verschütteten Gegenstände freimachen können. Die Zahl der Opfer im Innern der Citadelle, Türken und Israeliten, beträgt ca. 300, und bis zu meiner Abreise hatten die Türken nur 15 von den Ihrigen ausgraben können. Gegenwärtig ist der Schutt vou den Ruinen so beträchtlich, und die fetiden Gerüche, die aufsteigen, sind so stark, daß die Fortsetzung dieser Art von Arbeiten ebenso fruchtlos, als gefährlich wäre. „Da die Israeliten von Tschesme gleichfalls um unsere Hilfe gebeten hatten, begab ich mich letzten Sonntag, 4 Uhr Nachmittags, nach dieser, an der anatolischen Küste gelegenen Stadt. Als ich dort landete, war das Erste, was ich sah, ein verstümmeltes jüdisches Weib, das aus Mangel an jeder Zuflucht auf der Erde lag. Wir trugen sie sofort nach einer in der Nähe befindlichen Baracke, wo sie die erste Pflege erhielt. In Tschesme sind in Folge der Katastrophe 2 israelitische Kinder gestorben und 4 Frauen schwer verwundet. Die materiellen Verwüstungen sind dort ebenso bedeutend, wie in Chios, und nicht eins der von Israeliten bewohnten Häuser ist stehen geblieben. Von 145 Personen sind 110 vollständig von Allem entblößt. Ich bin so glücklich gewesen, von dem Civilgouverneur das Versprechen zu erhalten, daß er am anderen Tage 4 Baracken werde errichten lassen, welche denjenigen unserer Brüder zum Asyl dienen sollen, die solches bis dahin noch nicht hatten; eines davon soll als Tempel während der Feiertage dienen. Ich habe in Tschesme als erste Unterstützung 100 Frc. zurückgelassen und auf meine Bitte schickte soeben H. Jacques Sidi noch 50 Medjidjes hin, die von einer Summe von 2000 Fr. entnommen worden, welche sein Schwager, H. Elie Leon aus Paris, ihm zur Verfügung gestellt hatte. Ein aus 3 Personen bestehendes Comitee ist nüt der Vertheilung der Hilfsgelder beauftragt worden. „Montag Nachmittag bin ich unter tausend Aengsten nach Chios zurückgekehrt, ich reiste aus einer schwachen Barke, und die Uebersahrt bei unruhiger See dauerte 4 Stunden, während man gewöhnlich nur eine Stunde braucht. Montag Nachmittag haben wir noch im Innern der Festung gearbeitet, und die zwei letzten Leichname, die durch unsere Bemühungen sreigclegt und begraben wurden, waren die der Frau und Tochter des Rabbeno Levysi 2 andere Kinder desselben sind unter den Ruinen geblieben. „Da die meisten Israeliten vou Chios au diesem Tage auswanderten, so mußte ich auch an die Rückkehr nach Smyrna denken, nachdem ich den Hh. Juda Jssachar und Jacob Bejar eine Unterstützung von 20 Medjidjes für unsere auf der Insel wohnenden Glaubensgenossen übergeben hatte. Ich war noch auf dein Laude, als es ',um 7'/> Uhr Abends einen neuen Stoß gab vou solcher Heftigkeit, daß die Ecken von den stehen gebliebenen Mauern zusammeustürzteu und alle Welt von einer tödlichen Panique ergriffen wurde. Die Erschütterungen waren von einem unterirdischen Geräusch begleitet, das sich wie ein Donner anhörte. Verwundete, Leute, 'die an demselben Tage in der französischen Ambulanz amvntirt worden waren, machten Anstrengungen zu fliehen und blieben auf der stelle todt. Aber wozu alle diese herzzerreißenden Details erzählen? Keine Beschreibung könnte die Gewalt der Katastrophe wiedergeben und ich beeile mich, Ihnen den gegenwärtigen Zustand unserer verunglückten Glaubensgenossen zu schildern. „Sofort nach meiner Landung in Smyrna war

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