Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1881)
- Date
- 1881-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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580 in der Stadt bleibenden Mitbürger, sowie für die nach Straßburg kommenden Fremden darbieten wird. Seit langer Zeit schon hat sich die Straßburgische Mildthätigkeit nicht mehr in so glänzender Form, durch zahlreichere und schönere Gaben, welche in hohem Grade das geschmackvolle Aeußere mit dem inneren Werthe vereinigen, kundgeben. In der That erreichen die bis jetzt für die Lotterie eingegangenen Gaben den Werth von 50,000 Fr.; es ist das ein ganz ausnahmsweises und um so schöneres Resultat, als unsere Mitbürger aller Konfessionen mit gleichem Eifer dazu bcigetragen haben. Der eifrige Besuch dieser Ausstellung sowie Ankauf der Loose wird die schönste Belohnung derjenigen unserer Mitbürger sein, die von Anfang an dem Werke des israelitischen Krankenhauses und seiner Lotterie ihre menschenfreundliche Sorge und Unterstützung angedeihen ließen. Holland. Amsterdam, 9. Juni. Wir haben Ihnen heute von einem Freudenfeste Mittheilung zu machen, das am 1. Juni in unserer Gemeinde unter allgemeiner Betheilignng sowohl von Juden als Christen stattgcfnnden hat. Es galt einem unserer verdienstvollen Beamten, dem ehrwürdigen Herrn Obercantor Jsak Heymann, der an diesem ^age sein 25jährigcs Amtsjubilänm beging. Es hatte' sich hier zu diesem Zwecke ein Comitv gebildet, um dem Jubilar an diesem Tage diejenige Anerkennung zu zollen, welche nicht nur dem talentvollen Sänger, sondern auch dem wahren Jehndi, dem Menschenfreund und dem Wohlthäter rechtmäßig gebührt. Nachdem der Jubilar vorn Präsidenten dieses Comit^'s mit einer Equipage nach dem festlich deeorirten und mit einem Thronsessel verzierten Ptaucins- Locale abgeholt, wurde Herr Heymann daselbst mit einem hebräischen Liede empfangen, sodann richtete der Präsident eine Ansprache an ihn, in welcher er die vielen, seit einem Bicrtcl-Jahrhundert der Gemeinde geleisteten Dienste, sowie die gewissenhafte Pflichterfüllung des Heren Heymann' lobend erwähnte und zugleich den Wunsch aussprach, daß ein solcher Alaun noch lange der Gemeinde erhalten bleiben und ihm von Gott vergönnt sein möge, daß er auch sein 50-jähriges Jubiläum in unserer Mitte feiere. Darauf überreichte er dem Jubilar im Namen des religiösen Gesangvereins „Harfe Davids" zum Andenken an diesen feierlichen Tag einen massiv silbernen Präsentirtellcr, aus welchem sich ein Gratulations-Brief von der Gemeinde mit dem Inhalte einer ansehnlichen Geldsumme befand, während der Vorstand einen ebenfalls massiv-silbernen, kunstvoll gearbeiteten Pokal mit prächtig gravirter Inschrift überreichte. Der Herr Obercantor, sichtlich tief ergriffen, erstattete warmen Dank für die vielen Beweise der Anerkennung und Sympathie, und führte in längerer Rede aus, daß er stets nur bemüht gewesen sei, seine Pflicht zu erfüllen und nach Kräften zur Verherrlichung des Gottesdienstes beizutragen. Am Schluffe dieser, in holländischer Sprache gehaltenen und mit großem Beifall aufgenommenen Rede folgte eine vom Jubilar componirte und vom Musikdirektor Herrn Arnold de Leuno dirigirte Fest-Cantate, deren äußerst gelungener Vortrag auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck machte. Nachdem der offizielle Empfang mit einem kräftigen „Hallelujah" beendigt war, nahm das Fest einen fröhlichen Fortgang; auf allen Gesichtern spiegelte sich eine gewisse Heiterkeit ab und man konnte jedem das Wohlwollen und die Sympathie zu dem hochverehrten und von Allen geliebten Jubilar anmerken. Noch viele Reden wurden gehalten, viele Toaste ausgebracht, in denen der Eine die Talente des Herrn Obercantors hervorhob, der Andere seine echte Religiosität schätzte, die heut zu Tage nicht genug zu preisen sei, Andere kennzeichneten ihn als einen durchaus humanen und zur Hilfeleistung stets bereitstehenden Mann u. s. w., bis man sich nach Mitternacht in der heitersten Stimmung und unter dem Eindrücke eines wahrhaft schönen Festes trennte. Aber das Fest war damit noch nicht zu Ende. An den beiden Psingsttagen strömten von allen Seiten Gratulanten herbei, um dem Jubilar die persönliche Huldigung darzubringen; Juden wie Christen, die höchsten Notabilitäten der Stadt, wollten dem verehrten Herrn Heymann ihre innigste Theilnahme beweisen; Depeschen, Bouquets, ^Souvenirs, größere uud kleinere Privatgeschenke bewiesen deutlich, in welcher Hochachtung der Herr Obercantor Heymann hier steht. Ja, als er Freitag Abend zur Synagoge ging, war der Zudrang so stark, daß er sich selbst nicht durch die Menge durchwinden konnte; Hunderte von Leuten standen außerhalb der Synagoge, so daß man die Polizei hcrbeiholen mußte; es war ganz dasselbe Bild wie vor 25 Jahren, als Herr Heymann zum ersten Male behufs seines Antrittsvorbetens zur Synagoge ging. Glücklich der Mann, der sich in seinem Amte so viel Achtung bei seinen Mitmenschen erwerben hat können. Im Namen des Comitö: Meyer W. Zeckendorf, Präsident. I. A. B i e r m a n n, Sekretär.