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Der Israelit · 1881-06-13 · Heft 24 (13.6.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 24 (13.6.1881)
Date
1881-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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579 vorstellten. Am Abend fand Theater statt, wobei sich stets die Rufe: „Hepp! Hepp! Jud! Jud!" wiederholten. Die betreffenden Familien haben, durch diese Vorfälle und durch die späteren Ereignisse veranlaßt, ihren Wohnsitz in Nieder-Olm verlassen und anderwärts sich angesiedelt. Von Seiten der Beschuldigten wird zu ihrer Vertheidigung angeführt, daß die Tendenz des Maskenzuges gegen die Wucherer im Allgemeinen gerichtet gewesen, so gut gegen christliche wie gegen israelitische. Es mag Erwähnung finden, daß bei den Vorberathungen für die carnevalistische Veranstaltung ausgesprochen worden war, demjenigen, der den Verräther spiele, ginge es schlecht. Die Staatsbehörde verwies auf die allgemein feindselige Stimmung gegen die Juden in unserer Provinz, wie sie auf das Signal aus dem Norden sich gestaltet, sowie auf die vielen excessiven Vorgänge hin, die noch immer zu registriren sind, indem sie in dem betreffenden Maskenzuge eine strafbare Handlung, respective eine Beleidigung der betreffenden Israeliten erblickt und angesichts der socialen Verhältnisse eine energische Freiheitsstrafe beantragt. Der Urtheilsspruch der Sache ist auf Mittwoch den 15. Juni vertagt. Würzburg, im Sivan. Am zweiten Tag rojraff hielt unser verehrter Herr Rabbinerseine Antrittsrede. Dieselbe war sowohl an Form als Inhalt eine wohlgelungene und entsprach ebensosehr der Tages Bedeutung als dem Zwecke, sich damit dem Kreise seiner Pflichtbefohlenen vorzustellen. An die Worte td imo d'tb->o anknüpfend, bat er, sich vom Orte des Zankes und des Streites zu entfernen. Parteisucht und Entzweiung zu verlassen, nnn tij dp jrvi ernmüthig und einig vor dem Berge Gottes sich niederzulassen und dem Göttlichen gemeinschaftlich zuzustreben; rx nbj; erst dann sei es dem Manne Gottes möglich, sich zu Gott zu erheben, vom Himmel das Gesetz herabzuholen und den Menschen zu überbringen, wenn Friede in seinem Lager, Friede und Einigkeit in seiner Gemeinde herrsche. Möge alle Getheiltheit, alle Verschiedenheit der Meinung vergessen, ausgesöhnt und ausgeglichen sein. Warum auch bei so vieler Anfeindung von Außen durch Unfrieden im Innern, durch Parteiung und Entzweiung im eigenen Lager sich schwächen? Wenn je, so thut uns jetzt Einigkeit noth; denn Einigkeit macht stark. Mit Zugrundelegung der weiteren Bibelworte 5n-icg” Tjm npw rva“? -icxn na entwickelt er die Mittel und das richtige Verfahren in der Wirsamkeit eines Rabbiners; als Mittel bezeichnet er zunächst das lebendige, begeisterte Wort und dies hat bald in sanfter ,,-ioxn na" bald in ernster Weise *r:ni den Weg zum Herzen zu suchen, hat sich bald an das Haus, an die Familie w wa bald an die Thätigkeit im großen Weltverkehr 'ja5 zu wenden, und wo dies Wort im göttlichen Berufe und mit innerer Ueberzeugung gesprochen, da kann die Wirkung nicht fehlen. Zum Schluffe erflehte sich der Redner den göttlichen Beistand in seiner Amtsführung, erflehte den Segen für die seiner geistigen Obhut empfohlenen Gemeinden hier und im Bezirke, für deren Vorstände und Vertreter, für die hohen und höchsten k. Behörden und endlich für unfern allgeliebten König und Landesvater. Der Eindruck der Rede war sichtlich ein allgemein befriedigender, bezw. versöhnender und gewinnender, und wer nur einigermaßen unparteiisch dachte und urtheilte, war des Lobes darüber voll. Möge sich nun auch ferner erfüllen, was der verehrte Redner in so schöner und rührender Form als sein Wunsch aussprach ^a im» -rvax nnn, daß es ihm gelingen möge gleich seinem großen Vater und Vorgänger des Guten recht viel zu wirken, für unsere -jidx im Allgemeinen, für njrm mm im Besonderen segensreich thätig zu sein und die schönsten Erfolge zu erzielen. Va ix. Würzburg, im Juni. Der Aufruf zur schleunigen Hilfe für unsere so schwer betroffenen südruff. Brüder, den unser Herr Rabbiner mit Herrn S. E. Oppenheimer dahier nach allen Seiten hin versandte, hat bereits sehr schöne Erfolge erzielt to-w □Mcm »ja o'3om der Nothlage Rechnung tragend und von den grausamen Mißhandlungen, welche unsere Brüder erlitten, ergriffen, beeilt man sich allwärts, durch reiche Gaben das Elend zu lindern, Theilnahme und Bruderliebe zu bekunden und Trost den Mißhandelten, Verfolgten und Beraubten zu bringen. Wer könnte auch solchen Ereignissen gegenüber unthätig und ungerührt bleiben? In hiesiger Gemeinde hat sich Herr Rabbiner Bamberger mit dem Cultus-Vorstand in Verbindung gesetzt, um gemeinschaftlich eine Collekte zu veranstalten, und wird das Resultat gewiß ein dem Zwecke einerseits und dem stets bewährten Wohlthätigkeitssinne hiesiger Gemeinde andrerseits entsprechendes sein. Möge sich der Allgütige unserer bedrängten Brüder erbarmen und ihnen volle Hilfe senden! Straßburg, 5. Juni. „Das Elsässer Journal schreibt: Nächsten Montag, am zweiten Pfingstfeiertage, wird dem Publikum in einem der großen Säle des ersten Stockwerkes des Stadthauses die Ausstellung der Gewinne der zu Gunsten des israelitischen Krankenhauses veranstalteten Lotterie eröffnet werden. Der Besuch dieser Ausstellung gehört zu den interessantesten Vergnügungen, welche in diesem Jahre das Programm des Pfingstfestes für unsere

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