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Der Israelit · 1881-06-08 · Heft 23 (8.6.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 23 (8.6.1881)
Date
1881-06-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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559 Hochachtung und Liebe aller Art aus Nah und Fern, wobei nicht blos eine zahlreiche Kinder-, Enkel- und Urenkelschaar, sondern auch die gesammte hiesige Gemeinde, sowie eine große Zahl von Freunden und Bekannten aus der christlichen Bürgerschaft mit regem Eifer sich betheiligte. Möge es dem greisen Jubelpaare noch recht lange beschieden sein, sich des Lebens und ihres stillen Glückes im Kreise ihrer Nachkommenschaft erfreuen zu können. N. Hamburg, 23. Mai. Die „Reform" schreibt: „Die Petition gegen die Juden, welche an den Fürsten Reichskanzler eingesandt worden ist und welche die Einschränkung der politischen und bürgerlichen Rechte unserer jüdischen Mitbürger fordert, hat ein ganz besonderes Nachspiel. Alle, welche dem Unternehmer jener Petition, dem Dr. Bernhard Förster zu Charlottenburg aus der antisemitischen Bewegung bekannt sind, erhalten jetzt von dem genannten Herrn ein Circular, in welchem sie gebeten werden, zur Deckung der ihm entstandenen Kosten einen Beitrag übersenden zu wollen. Doktor Förster hat dem zweifelhaften Unternehmen dreiviertel Jahr lang seine ganze Kraft geopfert, er hat ferner zwölfhundert Mark Druckschulden gemacht, die er aus eigenen Mitteln zu tilgen völlig außer Stande ist. Uebrigens hat jüngst unser Mitbürger W. Marr ein ähnliches Circular erlassen, nur etwas praktischer, indem er den zu leistenden Beitrag für die Betreibung der Judenhetzer gleich auf 5 Mark pr. Empfänger des Cirkulars normirte." Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 18. Mai. Die Judenhetzen in Südrußland ziehen Galizien stark in Mitleidenschaft. Die Zahl der über die Grenze Geflüchteten beläuft sich, mäßig gezählt, bereits an 5000. Gestern Nacht wurden sämmtliche Häuser um den Woeoczsker Bahnhof (russische Grenzstation) demolirt. Im Podwolczysker Bahnhof galizische Grenzstation) sind 600 Kinder unter sechs Jahren mit ihren Müttern untergebracht, 1500 Flüchtlinge kampiren dort im Freien. Die Karl-Ludwigsbahn hat den Güterverkehr mit Rußland fast ganz eingestellt. Preßbura, 29. Mai. Unläßlich der jüngst stattgesundenen Vermählung unseres Kronprinzen mit der Prinzessin Stefanie aus Belgien entsendete die autonome jüd. orth. Religionsgenossenschaft Ungarns eine aus 10 Mitgliedern (darunter 5 Rabbinen) bestehende Deputation nach Budapest zur Beglückwünschung des gegenwärtig dort weilenden Kronprinzenpaares. Der Führer der Deputation, Herr B. Schreiber, Oberrabbiner von hier, überreichte Namens sämmtlicher orthodoxen Gemeinden eine geschmackvoll ausgestattete Adresse mit einer kurzen Ansprache, die Se. Hoheit in freundlichster Weise erwiederte, seine Freude und seinen Dank für die ihm von Seite dieser Corporation dargebrachten Glückwünsche ausdrückend. Se. Hoheit, Kronprinz Rudolf, richtete noch einige Fragen an Herrn Oberrabbiner Schreiber und wandte sich dann zu den übrigen Mitgliedern der Deputationen, die er sich vorstellen ließ, an mehrere derselben namentlich an die HH. Rabbinen zu Dorog und Mattersdorf und Herrn Ignatz Reich, Präses der Durchsührungscommission, freundliche Worte richtend. — C. England. London, 19. Mai. Auf Anfrage Worms verliest Dilke Auszüge aus dem russischen Gesetze betr. den Aufenthalt der Juden und erklärt, die Regierung protestire energisch wegen Ausweisung des englischen Unterthans Levisohn aus Petersburg. Dilke, Cowen, Churchill und Worms antwortend, erklärt, die Regierung hätte noch nicht endgiltig beschlossen, ob sie in Betreff der Gewaltthätigkeiten gegen die Juden im Süden Rußlands vorstellig werde. In Persien habe man wegen des Zustandes der jüdisch-christlichen Bevölkerung Vorstellung gemacht. Rußland. Petersburg, 22. Mai. (Telegramm.) Der General-Gouverneur von Charkow, Fürst Swialtoyk Wiesky, hat eine Proklamation erlassen, in welcher es heißt: Wenn auch die Verfolgungen der Juden in Kiew und Elisabethgrad schnell unterdrückt und die Schuldigen verhaftet worden sind, so ist doch durch die Erregung der Gemüther ein schädlicher Einfluß auf Handel und Gewerbe ausgeübt worden. Dieser Zustand darf nicht andauern. Vom Kaiser an die Spitze von 6 Gouvernements gestellt, werde ich meine Aufgabe mit aller Energie erfüllen und mit Aufwendung aller mir zu Gebote stehenden Mittel für die Erhaltung von Ruhe und Ordnung sorgen. Die Juden stehen ebenso wie alle anderen treuen Unterthanen des Kaisers unter dem Schutze der Gesetze und der Regierung, ihre Personen und ihr Eigenthum müssen daher ebenso respectirt werden. Ich fordere daher alle Gutgesinnten auf, zur Beruhigung der Gemüther nach allen Kräften beizutragen und gebe bekannt, daß ich bei gegen die Juden vorkommenden Gewaltthätigkeiten mit der größten Strenge gegen die Ruhestörer Vorgehen und nicht zögern werde, die Gewalt der Waffen und die Kriegsgerichte anzuwenden.

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