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Der Israelit · 1881-06-08 · Heft 23 (8.6.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 23 (8.6.1881)
Date
1881-06-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXII, Jahrgang. Erste ßtilngc ju itr. 23 des Zsraelit. ZeilnngSnachrichlen nnd Correfpondenzen. Deutschland. Würburg, 18. Mai. Der Lag b'omer, der in jüdischen Kreisen eine halbfestliche Rolle einnimmt, vereinigte in unserer Stadt wieder einmal eine Legion auswärtiger Glaubensgenossen. In altherkömmlicher Weise hält man allenthalben die Hochzeitsfeste an diesem Tage und es ist für uns eine erfreuliche Thatsache, daß hier an demselben nicht weniger als 8 Herzens- und Ehebündnisse geschlossen und hierdurch Wonne und Vergnügen in so Vieler Herzen gegossen wurde. Wie es jedoch selten Licht ohne Schatten gibt, so sollte auch diese Freude nicht schattenlos und ungetrübt vorübergehen. Ein gewisser I. Sterzelbach aus dem bei Schweinfurt 'gelegenen Ob erlauringen hatte ebenfalls seine Hochzeit in Würzburg abhalten wollen. Schon waren Verwandte und Geladene im Wartesaal in Oberndorf-Schweinfurt versammelt, um in kurzer Zeit am Ziele anzukommen, als, wie ein zündender Blitz aus wolkenloser Höhe, ein Ungeladener in die sreudeathmende Gruppe trat, dort die schöne Harmonie zerstörend. War's eine Folge der übergroßen Freude des Vaterherzens bei der Aussicht auf einen so hehren, und in diesem Falle besonders, auf einen so sehnlichst herbcigewünschten Moment, wie die Verehelichung seines Sohnes — ein Schlaganfall traf den Vater des Bräutigams. Er stürzte hin und nach einigen Zuckungen war Herr Löb Sterzelbach, ein in seiner Gegend von allen Bekenntnissen allgemein geachteter und geschätzter Mann, ein Raub des Todes. Hochzeit-Tod. Ein französisches Sprichwort sagt: „les extremes se touclient“ die Gegensätze berühren sich. Hier hätten die in engster Berührung stehenden Gegensätze nicht greller sein können. Wett alle Geladenen schon unterwegs oder auch schon Tags vorher in Würzburg angekommen waren, reisten die Brautleute hierher, um sich trauen zu lassen, konnten jedoch wegen des mj’jw des Bräutigams die i’tcr-rp nicht erhalten. Ein solch trauriger Vorgang erstickte alle Regungen der Freude in den Herzen ' selbst fremder Hörer. Für das leidtragende Brautpaar ist diese tragische Episode eine schwere Prüfung und wünschen wir ihm, daß ihm in Zukunft stets Freude und Glück erblühen mögen. > Crailsheim (Württemberg.) Schon seit mehrei ren Jahren wird hier die Frage erörtert, ob für das j bis jetzt bestehende aber nicht den rituellen Vor-! schriften entsprechende rvpo (Frauenbad) ein neues, geeignetes errichtet werden soll; allein die Ansichten J der Gemeinde, welche aus ca. 70 Familien besteht, : sowohl auch die des Kirchenvorsteheramts waren ge-! theilt; zwar versicherten nach einigen eingelaufenen! Petitionen an das Kirchenvorsteheramt die Mitglie-! der M. R. u. O. F., daß wenn sich ein geeigneter! Platz bieten und der Kostenaufwand nicht mehr als ' M. 8500 betragen würde, sie bereit seien, dem Gej suche gerne zu entsprechen; allein man wußte jeden! Antrag, der eingereicht wurde, durch irgend einen! Vorwand abzulehnen. Es erhielten sich jedoch die! Hoffnungen der Petenten aufrecht, um so mehr, da! aus ihrer Mitte 2 weitere Kirchenvorsteher gewählt! wurden und fand sich alsbald ein geeignetes Haus j mit Garten, welches zu diesem Zweck und zum allen-! fallsigen Neubau einer Synagoge, was nur eine Frage der Zeit ist, sehr geeignet und um M. 3000 angekaust wurde, in der Erwartung, das nöthige Wasser hiezu aus der städtischen Wasserleitung zu erhalten und daß dieses Project keinen Anstoß in der Geineinde finde, da nach Abrechnung des Gartenwerthes das Frauenbad höchstens einen Kostenaufwand von M. 3000 machen würde; sobald die Sache lautbar wurde, gaben sich Einzelne alle mögliche Mühe, um diesen Plan zu vereiteln. Der Wafferzufluß hiezu wurde von der Stadtgemeinde aus örtlichen Gründen verweigert; nicht nur, daß diese Nachricht mit Jubel begrüßt und auf der Straße und in den Wirthshäusern von den Gegnern ausposaunt wurde, wurde um dem Ehillul Haschern die Krone aufzusetzen ein Dankschreiben an den Stadtgemeinderath mit ca. 17 Unterschriften versehen, gerichtet; als Unterzeichner sind bekannt M. Rosenfeld und dessen Brüder, M. Grimsfelder und Jakob Grimsfelder, Maudelbaum, Levy ic.f mit dem Inhalte, daß sie ihren Dank für die Ablehnung dieses Gesuches aussprechen, und der Bitte, auch ferner jedes derartige Gesuch abzulehnen, da diese Sache nicht mehr zeitgemäß sei und nur in das Mittelalter zurückführe rc. Welchen Anklang das Dankschreiben bei dem Gemeinderath gefunden, werden die Unterzeichner aus der Rückantwort ersehen haben. — Man überläßt diese Handlungsweise der Betreffenden zur Beurtheilung der geehrten Leser.

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