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Der Israelit · 1881-06-08 · Heft 23 (8.6.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 23 (8.6.1881)
Date
1881-06-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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555 Spanier. Sein Vater hatte im jüdischen Kriege unter Kaiser Vespasian sich viele Lorbeeren erworben. Dieser war der Eroberer der stärksten jüdischen Festung Jaffa (Joppe, Japha). Dieselbe war nicht allein durch ihre natürliche Lage, sondern auch durch die von den Juden angelegten Festungswerke geschützt. Um Jaffa zu erobern wurde der Vater des künftigen Kaisers, damals Anführer der zehnten Legion, mit 2000 Mann zu Fuß und 1000 Mann zu Roß abgeschickt. Ihm zogen die wehrhaften Einwohner von Jaffa entgegen; aber die Römer schlugen sie in die Flucht, und die Fliehenden konnten es nicht verhindern, daß die Feinde mit ihnen zugleich durch das äußere Stadtthor drangen. Da schloffen die zurückgebliebenen Bewohner von Jaffa die innern Thore der Stadt. Zwischen den zwei Ringmauern gab es nun ein furchtbares Gemetzel; sämmtliche aus der Stadt gezogene Juden, 2000 an der Zahl, wurden niedergemacht; durch die verzweifelte Gegenwehr derselben, fiel eine noch größere Anzahl der Römer, so daß mehr als 4OO0 Leichen den Raum zwischen den beiden Festungswerken bedeckten. Trajan wandte sich nun an den Feldherrn um Verstärkung. Dieser schickte seinen Sohn Titus mit 500 Reitern und 1000 Mann zu Fuß. Die Römer legten auf allen Seiten Sturmleitern an, vertrieben die Juden nach kurzer Gegenwehr von den Mauern, über welche Titus mit seinen Gefährten zuerst in die Stadt hinabsprang. Nun aber entspann sich noch ein blutiges Gefecht in den engen Straßen, welche Schritt vor Schritt erobert werden mußten, während die Weiber von den Hausdächern auf die Feinde hinabstürzten, was ihnen zur Hand kam. Bis gegen drei Uhr Nachmittags dauerte die Vertheidigung; da waren die Braven aufgerieben, und nun wurden theils auf den freien Plätzen, theils Haus bei Haus auch die Greise und die noch nicht waffenfähigen Jünglinge niedergemacht. Nach Vertilgung des männlichen Geschlechts blieben nur noch die Frauen übrig; welche nebst den Kindern in die Sclaverei abgeführt wurden. Getödtet wurden im Ganzen 15000 und gefangen 2130. — Als sechszehnjähriger Knabe hatte Marcus Ulpius Trajanus diesem schrecklichen Gemetzel beigewohnt und die Tapferkeit und Widerstandsfähigkeit der Juden kennen gelernt. Es waren wohl keine freundliche Erinnerungen, die dieser Mann, welchen die römischen Schriftsteller als den besten und edelsten Kaiser preisen, für die Juden bewahrte, als er im Alter von 45 Jahren den Thron des großen Weltreichs bestieg, und in der That brachte die Regierung Trojans der jüdijcheu Nation unsägliche Leiden. Wir haben es jedoch hier zunächst mit den Maßnahmen des Kaisers gegen das Christenthum zu thun. Die Christengemeinden waren geheime Gesellschaften, deren Zweck von der Regierung weder gekannt, noch anerkannt wurde. In Folge dessen galt das Bekenntniß des Christenthums als ein Verbrechen, welches mit dem Tode bestraft wurde. Der größte Theil der Christen jener Zeit bestand aus Juden, die zum Christenthume übergetreten waren, den sogenannten Judenchristen. Dieselben lebten, im Gegensätze zu den sogenannten Heidenchristen, ganz innerhalb der Gesetze des Judenthums, beobachteten den Sabbat, die Feiertage, die Speisegesetze und vollzogen an ihren Kindern die Beschneidung. Der Anführer und Stifter dieser Secte war der Apostel Jacobus, der jüngere dieses Namens, der Sohn des Alpha, der ans dem Dorfe Sekonia, welches zwischen Syphoris und Akko lag, stammte. Rabbi Elieser wurde in das Gefängniß abgeführt, in welchem die auf Tod und Leben Angeklagten ihren vorläufigen Aufenthalt nehmen mußten. Als er vor den Richter geführt wurde, sprach dieser: Ein so weiser Mann, wie Du bist, soll sich mit solchen Dingen befassen! — Da sprach Rabbi Elieser: Ich preise den wahrhrften Richter. — Er meinte seinen Vater im Himmel; der römische Richter aber bezog diese Worte auf sich und sprach: Weil Du mich als wahrhaften Richter anerkennst, so spreche ich Dich frei. Als Rabbi Elieser in sein Haus zurückkehrte, war er ganz trostlos darob, daß ihm Solches widerfahren war, daß man ihn für einen heimlichen Christen habe halten können. Da versammelten sich seine Schüler bei ihm, um ihn zu trösten. Er aber hörte nicht auf ihre Trostesworte. — „Wodurch," sprach er, „mag ich es nur verdient oder veranlaßt haben, daß solch eine Anklage gegen mich hat Glauben finden können!" — „Mein Lehrer," sprach Rabbi Akiba, „erlaube mir, etwas zu erwähnen, was Du mich gelehrt hast." — „Rede," sagte der Rabbi. — „Vielleicht," sagte Rabbi Akiba, „ist Dir einmal von Seiten der Stifter jener Sekte etwas zugekommen, was Dich erfreut hat, und dessentwegen bist Du in den Verdacht gerathen, zu ihnen zu gehören." — „In der That," antwortete Rabbi Elieser, „Du hast mich erinnert, Akiba. Einst wandelte ich auf dem oberen Markte von Syphoris, da begegnete mir ein Schüler des Stifters jener Sekte, Jacob aus Sekonia heißt er, und erklärte mir eine Halachah im Namen seines Lehrers. Die Erklärung gefiel mir, und ich freute mich derselben. Damals übertrat ich das Gebot der heiligen Schrift: „Halte fern von ihr Deinen Weg," was sich nach der Deutung der Weisen auf jede vom wahrhaften Judenthume abweichende Lehre bezieht, und deßhalb wurde ich verdächtigt."

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