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Der Israelit · 1881-06-08 · Heft 23 (8.6.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 23 (8.6.1881)
Date
1881-06-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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554 gereist, andere folgen ihnen bald nach. Von irgend welchen Maßregeln zur Vorbeugung von Ruhestörungen seitens der Behörden ist nichts zu sehen und nichts zu hören. Und dabei ist das rohe Volk unbedingt davon überzeugt, daß ein „Manifest existirt, das alle Juden als Aufrührerin „hauen" vorschreibt" und kann man es von dieser Ueberzeugung auf keine Weise abbringen, da ihm jeder, der solches unternimmt, selber verdächtig erscheint. Rostow ist in ökonomischer Beziehung gegenwärtig stark zurückgegangcn, die Geschäfte gehen so schecht als möglich. — Dem „Golos" ist folgendes Telegramm aus Jelissawetgard unterm 25. Mai zugegangen: „Der Präses der Landschaftsversammlung untersagte die Berathung der Frage betreffend die Ursachen, welche die gegen die Juden gerichteten Unruhen hervorgerufen haben, und unterbrach das Verlesen eines dahinbezüglichen Berichtes, welcher von einer zu diesem Zweck gewählten Kommission ausgearbeitet war. Viele Deputirte protestirten gegen dieses Verbot und verließen den Saal. Darauf löste sich die Versammlung auf. Kiew, 25. Mai. Als Anstifter der hier stattgehabten Unruhen sind 26 Personen angeklagt. Die Verhandlungen in dem Prozesse gegen dieselben beginnen am 30. d. M. vor dem hiesigen Kriegsgericht. Kiew, 2. Juni. Der Prozeß gegen die Ruhestörer wurde gestern Abend um 10 Uhr beendet. Das Kriegsgericht verurtheilte den Leiter der Unruhen, Proborzew unter Verlust aller Rechte zu 3 Vs Jahren, die drei anderen Hauptbetheiligten zu jeIVs Jahren Zuchthaus, acht weitere Angeklagte zu zweimonatlicher Gesängnißhaft, sowie vier zu dreiwöchentlichem Arrest; 7 Angeklagte wurden freigesprochen. Türkei. Konstantirropel Ein Brief der Pol. Corr. aus Konstantinopel berichtet von einem eigentümlichen Eonflikte des italienischen Botschafters Grafen Eorti mit der Hohen Pforte. Es ist ein junges Mädchen von 14 Jahren, eine Jüdin italienischer Nationalität, welche den Anlaß zu einem Eonflikte gegeben hat. Es gibt hier türkische Weiber, welche junge, hübsche Mädchen christlicher oder jüdischer Religion aufsuchen und ihnen goldene Berge versprechen, falls sie sich zum Islam bekehren und in den Harem dieses oder jenes Paschas eintreten. Auf diese Weise gelang es kürzlich einer dieser galanten Vermittlerinnen, eine junge Jtalierin zu verlocken, und trotz aller Anstrengung konnte Graf Eorti dieselbe nicht aus dem Harem, in den sie gebracht worden war, wieder befreien, weil das Mädchen in diesem Falle gerade ihre Majorennität erreicht und erklärt hatte, freiwillig zur muselmännischen Religion übergetreten zu sein. Diesmal ist aber der Fall verschieden; die junge Jüdin ist blos 14 Jahre alt, und ihre Erklärung, daß sie nicht gewaltsam zurückgehalten werde, sondern aus freien Stücken bleiben wolle, kann nicht in Betracht gezogen werden. Der Vater ist in Verzweiflung und bestürmt das italienische Consulat mit Bitten, ihm sein Kind wieder zu verschaffen. In Berücksichtigung der warmen Vorstellung der italienischen Botschaft hat die Pforte das Kind aus dem Hause des alten Türken, in dem es sich befand, nach dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten bringen lassen, in dem ihm ein Zimmer eingeräumt worden ist und wo es von den italienischen Dragomans gesprochen werden kann, aber stets in Gegenwart von Zaptiehs, damit es nicht entführt werde. Affim Pascha hat erklärt, daß das Mädchen nach den türkischen Gesetzen volljährig sei und daß man es daher nicht aus liefern werde. Aus der andern Seite droht aber Graf Eorti, wie gesagt mit einem Bruche, falls das Mädchen nicht dem Vater zurückgegeben wird. Feuilleton. Kkiöa. xxm. Der größte Lehrer in Israel war zu jener Zeit der von uns schon vielfach erwähnte Rabbi Elieser ben Horkinas. Als einst Rabbi Josua in das Lehrhaus zu Lydda kam, wo Rabbi Elieser zu lehren pflegte, küßte er den Stein, der Rabbi Elieser als Sitz diente, und sprach: Dieser Stein gleicht dem Berge Sinai, und der, welcher darauf zu sitzen pflegt, der heiligen Bundeslade. — Man kann sich denken, welch Aufsehen es erregte, als plötzlich Rabbi Elieser von den römischen Behörden gefangen genommen und unter die Anklage gestellt wurde, daß er ein heimlicher Bekenner des Christenthums sei. Wir müssen zum Verständnisse dieser sonderbaren Anklage einen Blick auf die weltgeschichtlichen Ereignisse werfen. Kaiser Nerva, der sich durch Milde und Freundlichkeit gegen die Juden auszeichnete, hatte, weil er selbst kinderlos war, den am Ufer des Rheines commandirenden Feldherrn Marcus Ulpius Trajanus als Sohn und Mitkaiser adoptirt, der denn auch nach Nervals bald erfolgtem Tode alleiniger Beherrscher des großen römischen Weltreichs wurde. Marcus Ulpius Trajanus war von Geburt ein

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