Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1881)
- Date
- 1881-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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552 zwei Wochen als uns abermals durch das Absterben des zweiten Rabbinatsverwesers Rabbi Moses Berger ein herber Verlust getroffen, und nun sind wir wieder von einem harten Schicksalsschlage heimgesucht worden, indem von uns ein dritter, streng religiöser, segensreich wirkender Mann genommen wurde. Geschäftig blättern nun zahlreiche Hände in dem abgeschlossenen Buche dieses bevorzugten Menschendaseins, um es dem Gedächtnisse der Zeitgenossen zu erhalten. Groß ist die Fülle des geistigen Stoffes, der in den 60 Lebensjahren des Verstorbenen sich aufgehäuft. Erschrocken und betroffen steht die hres. Gemeinde an Rabbi Fischmann's Grabe. Wenn Menscheil hingehen, in denen das Genie sich verkörpert hatte, so sträubt man sich unwillkürlich gegen die Kunde von ihrem Tode. Es währt geraume Zeit, bis das, was gestern noch lebendige Wirklichkeit gewesen, zu historischer Erinnerung geworden, die man bedächtig wägend, beurtheilen und ihrem vollen Werthe nach abschätzen kann. Aehnlich verhält es sich auch bei dem streng religiösen, leider zu früh verstorbenen Rab. F. Fischmann Die seltene Verehrung und Achtung, deren der Verstorbene sich stets erfreute, manisestirte sich auch bei seinem Leichenbegängnisse. Von der ganzen Umgegend Preßburgs kamen zahlreiche Deputationen zu demselben herbei und waren namentlich die Gemeinden Szered, Tyrnau, Bösing, St. Georgen, Trencsin, Neuhäusel und Modern auch durch Rabbinnen und Rabbinatsverweser vertreten. Im Hause des Verblichenen sprachen kurz, — so weit es nämlich die Zeit gestattete, ein Sohn des Verewigten, wie auch der, in Folge seiner tiefen und ausgebreiteten Fachkenntnisse aus talmudischem Gebiete, vor Kurzem zum Rabbinatsverweser promovirte Rabbi David Neumann, welcher auch schon seiner Zeit ein besonderer -01D Dnn nassen Dv proio "no^niüar, wie auch der Rabbinatsverweser von Neuhäusel und Modern, sämmtlich in sehr ergreifender Weise. Am Grabe sprach Herr Ober - Rabbiner Schreiber mit thränendurchbebter Stimme „in solch erschütternder, auf alle Anwesen- „den ohne Unterschied nachhaltigen Eindruck hervor- „bringenden Weise, daß im buchstäblichen Sinne des „Wortes kein Auge thränenleer, kein Herz unbewegt „blieb. Mit den Worten: ‘r.-ni w ijnn *6n ntn ovr\ V22 beginnend, dieselben sehr finnig erklärend und auf den heutigen traurigen Fall anwendend, charakterisirte Redner die streng religiöse und segensreiche Wirksamkeit des Dahingeschiedenen in sehr treffender Weise mit den Worten 'DNto, die da lauten: nsoj to n^iyi ,irpsa nrrn nox mm : lyVo 00m “^n oibreo ,vne®3 zumal der Verewigte stets die heil, tradirte Gotteslehre nicht nur in den gewöhnlich samstägigen Vorträgen seinen Zuhörern zu Gemüthe führte, „sondern „auch sein Haus, seine Kinder im Geiste der mm „leitete und erzog; jedes Unrecht immer und überall „rügte und geißelte, o"i 01^3 den wahren „unverfälschten Frieden stets verkündete und durch seine wahrhafte Moral enthaltenden Vorträge Viele „zurückführte von Sünde." „Geradezu erschütternd und bis tief in die Seele „eindringend, wirkte es aus alle Anwesenden, als „Oberrabiner Schreiber mit dem ganzen Eifer seines „Wesens auf die traurigen Vorfälle in hies. Gemeinde „reflektirend, die Stelle in nnar, wo es heißt: in* mo Dynn na?1?» nx nnaxi sammt der darauf Bezug habenden Erklärung des Midrasch, daß mit deniri«ni'3 o'jn,-i Ijier onoi?nn®c wo gemeint wären, citirte, die scheinbar augenfällige Bemerkung des Midrasch, nach welcher nnei innx nt?D in einem Monat von hinnen genommen worden wären, aber mit beu eben so traurigen Vorfällen in unserer Gemeinde verglich, dadurch näher beleuchtete und erklärte, indem man — wie wir es auch verzeichnet finden — beim Verluste eines kostbaren Gegenstandes einer theuren Perle zum Beispiel, durch den abermaligen oder fortgesetzten Verlust eines solchen theuren Gegenstandes unwillkürlich an den ersten erinnert, derselbe uns in seiner ganzen Größe vor Augen tritt und demgemäß ein doppelter eventuell ein dreifacher Schmerz sich unserer bemächtigt.'Aehnlich war es bei dem Tode von onoi mrw nvo der Fall, deren Absterben daher vom Midrasch durch das wiederholte Ausbrechen der alten Wunde als inx rrva bezeichnet wird. „Ganz in derselben Weise, ruft „Redner schmerzerfüllt unter lautem Schluchzen aller „Anwesenden aus — ist es leider auch bei uns heute „der Fall. — Noch ist die alte Wunde, welche uns „durch den Tod des ersten Rabbinatsverweser Rabbi „Nathan W. Liber geschlagen wurde, nicht ver- „narbt noch ist der schmerzliche Schlag, der uns in „ganz jüngster Zeit durch das Absterben des zweiten „Rabbinatsverwesers Rabbi Moses Berger i>“si verhetzt wurde, frisch in Aller Gedächtnisse, — und nun „müssen wir durch den Tod des Rabbiners und Kanzel- „redners F. Fischmaun t>"s: neuerdings ein drittes „Opfer leider bringen." Redner fordert in seinem wie im Namen seiner nox alle Anwesenden insgesammt, wie Jeden Einzelnen insbesondere aus, Ein- und Umkehr bei sich zu halten, damit der aus uns so schwer lastende Zorn des Allmächtigen abgewendet und wir von so schweren, so harten Schicksalsschlägen nicht mehr heimgesucht werden mögen. — „Eine solch eindrucks- und wirkungsvolle „Trauerrede, wie es das -icon des hies. Ober- Rabbiners gewesen, wurde hier schon seit Langem „nicht gehört." — Schließlich sprach noch der zweite