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Der Israelit · 1881-06-08 · Heft 23 (8.6.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 23 (8.6.1881)
Date
1881-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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550 ringt mit aller Kraft seines Geistes nach Aemtern, Würden und Auszeichnungen; er überwindet mit dem Aufgebote aller seiner Kräfte die Hindernisse, die sich ihm entgegenstellen. Endlich hat er das vermeintliche Glück erreicht; aber sein Herz bleibt unbefriedigt. — Der junge Gelehrte durchwacht die Nächte im einsamen Studierzimmer; die Häufung großer Wissensschätze erscheint ihm als das höchste Glück, aber jemehr er zunimmt an Kenntuiß, desto unbefriedigter fühlt sich sein Herz. — Der Kranke hat nur den einen Wunsch, gesund zu werden, und ist ihm dieser Wunsch in Erfüllung gegangen, so treffen ihn oftmals Leiden, die schlimmer sind, als die physischen Schmerzen. — Am Schmerzhaftesten wirken die Leiden, die der Mensch sich selber dadurch bereitet, daß er seine Leidenschaften nicht zu zügeln und zu beherrschen versteht. Wie Mancher führt ein elendes Leben, nachdem er eine stürmische Jugend in Saus und Braus verbracht hat und dadurch an Geist und Körper gebrochen ist! Wie Mancher läßt sich durch seine Leidenschaften verleiten, vom Pfade der Tugend abzuweichen, und die Folgen der bösen Thaten vergällen ihm den Nest seines Lebens! Aber auch Derjenige, welcher ruhig und ohne große Abweichungen seine Pfade wallet, wie die Meisten seiner Mitmenschen, kann im Alter nur mit schmerzlichem Bedauern aus sein vergangenes Leben zurückblicken. Was hat er gewollt, was hat er erreicht? Was er gewollt hat, ist Nichtigkeit, und was er erreicht hat, ist eitel Tand, und es bewährt sich nur zu oft der Ausspruch eines unlängst verstorbenen großen Staatsmannes, der das menschliche Leben einem Schauspiele verglichen, welches in seinen ersten drei Akten ein Lustspiel ist und sich in den letzten zwei zu einem Trauerspiele entwickelt. Es nahen die Tage, von denen der Mensch spricht: sie gefallen mir nicht. Der Körper verliert die Fähigkeit, Freude am Genuß zu einpfinden, und der Geist wird abgestumpft. Alles, wofür der Mensch gerungen und gekämpft hat, erscheint ihm gering und unbedeutend. Das Bewußtsein eines verlorenen Lebens drückt ihn nieder. Anders ist cs mit Denen, welche im Lichte der Thora wandeln und immerwährend sich bemühen, die heiligen Gebote Gottes zu erfüllen. Es gibt für sie keinen verlorenen Augenblick. Die Zeit, die sie dem Studium der Gotteslehre widmen, stellt die Verbindung her mit dem Unendlichen. Die Freude an der Ausübung der Gebote, mit denen Gott uns geheiligt hat, ist eine reine, himmlische, ewige. Ein jedes Gottesgebot ist gleichsam eine Sprosse der Leiter, die auf die Erde gestellt ist und deren Spitze in den Himmel reicht. Auf ihr steigt der fromme Jude empor während der Dauer seines ganzen irdischen Daseins. Was er gethan und vollbracht, es ist etwas Wirkliches, Vollkommnes. Jede Mizwah, die er erfüllt, ist ihm ein Schatz, der ihm nimmer geraubt werden kann, jedes Wissen, das er aus dem Borne der Gotteslehre schöpft, bedeutet eine Annäherung an Gott, den Unendlichen; alle Kämpfe, die er kämpft, tragen nur dazu bei, ihn zu kräftigen und zu stärken für die Erlangung des Rechten, Guten und Wahren. Selbst die Enttäuschungen und Bitterkeiten, die auch ihm nicht erspart werden, können ihn nicht entmuthigen. Er blickt empor zu seinem ewigen Vater, zu seinem Helfer, Retter und Erlöser, und fühlt sich neu gestärkt. So ziehen Ruhe und Heiterkeit in sein Herz. Die Gotteslehre und ihre erhabenen Gebote gleichen dem duftenden Oele, das Haupt und Körper erquickt. Und wenn ihm dieses Leben zum Dornenpfade wird, wenn Armuth, Krankheit und Leiden ihn Niederdrücken, so hält dennoch die Hoffuung ihn aufrecht auf ein künftiges, jbesseres Leben, in welchen: der allgerechte Richter ihm den wohlverdienten Lohn nicht versagen wird. pjn JDC03 'll^I ’Jtp DN"0 Dtm „Wie des Waldstiers Krone ragt mein Horn empor, mein Alter glänzt von frischem Oele." (Psalm 92, V. 11.) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 30. Mai. In der gestrigen Sitzung der Kreissynode Berlin-Cöln Stadt ist von dem Fabrickbesitzer Heckmann folgender Antrag eingebracht worden: „Die Synode richtet an den synodalen Hosprediger Stöcker die brüderliche Ermahnung, von seiner agitatorischen Thätigkeit in der Judenfrage, als dem Amte eines evangelischen Geistlichen nicht angemessen, ablassen zu wollen. Die Synode ging mit 26 gegen 23 Stimmen über den Antrag zur Tagesordnung über. Der Antragsteller sagte u. A.: Wohin die Judenhetze führt, das beweisen uns leider die Vorgänge in Rußland. Stöcker bemerkte: Ich stehe in der Judenfrage nicht auf dem Standpunkte des Angriffs, sondern auf dem der Verthcidigung. Gerade die Vorgänge in Rußland bestärken mich in meinem Vorgehen. (Große Unruhe. Rufe: Pfui!) Ich will durch mein Vorgehen gerade verhüten, daß solche Zustände wie in Rußland bei uns einmal Platz greifen. Rotenburg a. d. Fulda. Am 22. Mai erhielt der Schneidermeister Salomon Gans dahier durch das Königl. Landrathsamt die Medaille für Rettung aus Lebensgefahr. Er hatte im verflossenen Winter einen jungen Menschen, der auf dem

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