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Der Israelit · 1881-06-01 · Heft 22 (1.6.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 22 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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53:1 welchen noch nach dem 30. Mai etwa fremdes Gut aufgefunden werden follte, kriminal-gerichtlich verfolgt werden sollen. Die Krawalle, welche in Konoj top am 9. und 10. Mai stattfanden, beschreibt ein j Korrespondent des „Trnd" wie folgt: „Die Eisen-! bahuarbeiter arbeiteten den ganzen Tag über schon! sehr ungern und machte sich große Aufregung unter j ihnen bemerklich. Um 4 Uhr Nachmittags hieß es i plötzlich „es ist Zeit" und wenige Minuten später! warf sich die ganze Menge, circa 700 Mann, auf! die dem Bahnhöfe zunächst liegenden jüdischen Häuser,! Buden und Schenken. Kaum begann hier das wüste! Werk der Zerstörung, als tausende Bauern ans der! Umgegend anrückten, zu Fuß, zu Pferde, zu Wagen.! Als der letzte Laden in der Eisenbahn-Borstadt, zu-! fällig ein Lichtmagazin, zerstört worden war, ent-; zündete die Menge Lichte und ging in die Stadt, um j hier das Zerstörungswerk fortzusetzen, was ihr auch! vortrefflich vor dem Eintreffen des Militärs gelang. Außer einem, durch einen Bajounetstich getödteten Lauern sind keine Menschenleben verloren gegangen. Im Ganzen verfuhr der Pöbel ziemlich glimpflich niit den Inden, er richtete sein ganzes Augenmerk auf Zerstörung ihres Eigenthums, vergriff sich aber nur höchst selten an der Person." — In höchst origineller Weife behandelt die deutsche „Odessaer Zeitung" die ganze Angelegenheit. In der Stummer vom 18. Mai heißt es nämlich wörtlich: „Zur Frage über die „Judenhetzen" in Süd-Rußland. Bon vielen unserer Leser um Aufklärung darüber ersucht, warum wir in unserem Blatt nicht mehr Details über die verschiedenen Juden-Krawalle in Süd-Rußland bringen, erklären wir hiermit, daß wir diese Ausschreitungen absolut nicht billigen, daß wir dieselben jedoch quasi als ein Ratnrereigniß (!) betrachten, durch beffen eingehendere Schilderung wir dasselbe weder ungeschehen machen, noch den Geschädigten helfen können." Petersburg, den 23. Mai. Aus Nowotscherkask wird gemeldet, daß nach Rostow Kosaken abgesandt wurden, weil daselbst Angriffe gegen die dortigen Juden befürchtet wurden. Bis jetzt ist aber noch keine Ausschreitung vorgekommen. Der Schaden, welcher durch die am 8. und 9. in Kiew verübten Gewaltthätigkeiten verursacht wurde, beläuft sich nach den polizeilichen Ermittlungen für vier Stadtheile 1,137,831 Rubel. Nachrichten über die Höhe des Schadens in den beiden übrigen Stadttheilen liegen noch nicht vor. Feuilleton. Die Jugendfreunde. Bon A. Königshofen. XX. Heinrich lebte seinen Studien in Wien, als er von seiner Mutter eines Abends ein Telegramm erhielt, unverweilt nach Berlin zu kommen, da der Onkel bedenklich erkrankt sei. Brauchte man auch in Berlin nicht um geschickte Acrzte verlegen zu sein, so wollte man doch gern Heinrich in der Nähe des Kranken haben, um jederzeit des ärztlichen Rathes und der ärztlichen Aufsicht vergewissert zu sein. Dieses allein hatte schon genügt Heinrichs Gegenwart für den glücklichen Verlauf der Krankheit bedeutungsvoll erscheinen zu lassen; es sollte aber seine Gegenwart überhaupt noch von wichtigen Folgen sein. Was in der Geschichte der Krankheiten gewiß nicht zu den größten Seltenheiten gehört, daß gerade in schwierigen Fällen ein junges Arzt in der Diagnose bisweilen glücklicher ist, als ein erfahrener und ergrauter Mann der Praxis, das traf hier zu. Ein Moment, aus welches Heinrich aufmerksam machte, mußte die Aerzte überzeugen, daß man aus einer falschen Fährte gewesen war und man einen anderen Weg einzuschlagen habe. So war also die Herstellung Neicherssohn's zum großen Theile Heinrich's Thätigkeit und unausgesetzt aufmerksamer Beobachtung zuzuschreiben. Wie hatte er den Neffen geherzt, wie ihm gedankt, als er zum ersten Male das Krankenzimmer wieder verlassen durfte: fast hätte er ihm diejenige als Braut zugeführt, für welche sein Herz schlug -aber da regte sich wieder der Stolz des Parvenü in ihm, er wollte um seine Tochter gebeten werden, und er glaubte, dem jungen Mann den Weg zu seiner Werbung leicht genug gemacht zu haben, wenn er ihm sagte: „Heinrich, ich bin Dir vielen Dank schuldig; ich weiß nicht, wie ich Dir das, was Du an mir gethan, gut machen soll; hast Du einen Wunsch, der Dich glücklich machen und den ich Dir erfüllen kann, sage es mir-aber nicht jetzt — nein — nichts unüberlegt. Wir gehen nächste Woche in's Bad, nach vier Wochen kehren wir zurück, dann sage mir Alles!" Heinrich verstand den Onkel, die Absicht war auch ziemlich unverhüllt; nun er wollte dem Vater seiner Emilie den Gefallen thun und um sie bitten, nach vier Wochen wollte jener ja wieder da sein. Seiner Mutter erzählte er gleich freudestrahlend von bem Glücke, das ihm bevorstaud, und daß der Entschluß

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