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Der Israelit · 1881-06-01 · Heft 22 (1.6.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 22 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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525 M an Israel, das mit Moses vereint, die Stimme seines zu Ihm redenden Gottes vernahm. Die Thora ist „das Wort Gottes." Es ist nicht Moses, der zum Volke redete, Gott ist es, der Seinen Willen kund gab- Dreitansendeinhundertdreiundneunzig Jahre sind verflossen seit diesem erhabenen Momente, deffen Größe nachzuempfinden der Sterbliche kaum vermag, und seitdem wirkt der Geist dieses von Gott gegebenen Gesetzes an der Ueberwindung der Menschenherzen unter des Allerhöchsten Gebot. Zunächst in dem Kreise der Priester dieses Gesetzes, des israelitischen Volks. Nur auf eine kurze Weile vermochte es in seiner Totalität sich auf der Höhe des Bewußtseins zu erhalten, welche es in jener heiligsten Weihestunde der Menschheit errungen; — mn in: »tu udoj ibvno ny nur vierzig Tage waren verflossen, so brach in Israels Mitte der Verrath aus, — ein Theil des Volkes umtanzte das goldene Kalb — und die Bundestafeln, das Zeugniß Gottes, lagen zerschmetterte am Fuße des Sinai, zerschmettert von Moses Hand- Dennoch, und trotz vielfach erneuten Abfalls, trotz noch bis zu dieser Stunde niemals wieder bezeigter voller und ungetheilter Treue ist dieses oy *ny r.»p, dieses starrsinnige Volk, Verkünder des Gottesworts; Prediger der Gotteslehre, Herold des Gottesreichs geworden und mahnt durch sein Leben, und warnt durch seine Fehler, und weckt durch sein Wort — die Menschen Alle, gleich ihm 'n Gottes Eigenthum in Liebe und Treue zu werden. Was seitdem die Menschheit an Edlem und Wahren gedacht und empfunden und geübt — es ist der Thora entnommen. Ein Strahl aus der Thora ist doch in die Kreise der Nationen gedrungen und hat das Licht des Rechts und der Liebe getragen in die Herzen, Gemüther und Geister, hat die Menschen gelehrt gerecht und milde zu sein, hat Trost und Erleuchtung verbreitet in die Länder der Civilisation. Wie trübe auch immer dieses Licht leuchtet, dennoch ist es Heller geworden; und das Wort Gottes dringt immer unaufhaltsamer auch in die Wälder und Steppen, von den Wildnissen des Nordens bis in die sonnedurchglühten Kraals der Betschuanen und Hottentotten. Weitab von der Höhe des Sinaigesetzes befindet sich freilich auch noch Israel. Die Thora harret noch bis zur Stunde auf die ganze Verwirklichung durch der Menschen That. Schauen wir uns um in nnserer nächsten Nähe. Wohl schmücken sich überall die Gotteshäuser mit Kränzen und Gewinden zur Feier des Geburtsfestes der Thora, und Hymnen erschallen, und Chöre! ertönen zum Preis und zum Lobe der Thora. Aber sind sie Alle, die heute die Synagoge I füllen, sind sie Alle in Wahrheit Priester des Ge- I setzes, zollen sie ihm im Leben außerhalb der Tempel-; mauern den Gehorsam und die Treue eines „Gott ' ganz angehörenden, heiligen Volks"? Auch das Sabbatgebot gehört zur Thora, auch das Speisegesetznt>®*n onmn Pr n« „alle diese Worte" hat „Gott" gesprochen, keines ist von Moses oder eines Menschen Laune oder Weisheit erfunden. Und wer „vier Ellen im allgemeinen Gebiet" trägt, hat den Sabbat entweiht, selbst wenn es auch ein in Sammt gebundenes, mit Goldschnitt versehenes Gebetbuch wäre, welches der „fromme Beter" mit zum „Tempel" führt. Scham ihr da die „jugendliche Schaar," Jungfrauen und Jünglinge, die festlich gekleidet ihrem „Geistlichen" in das Gotteshaus folgen und auf der Estrade Platz nehmen? Monatelang hat sich der fromme Seelenhirt mit ihnen beschäftigt, um sie einzuführen in die „Religion ihrer Väter" und nun — am Schabuothfestc — ist der weihevolle Augenblick gekommen, wo er sie „weiht" und „consirmirt." Arme Kinder, die ihr so bewegt und gerührt des Moments gewärtig seid, in welchem ihr euer „Glaubensbekenntniß ablegen sollt"! Der „Priester des Herrn," wie sich euer Lehrer nennt, hat es verabsäumt euch zu sagen, daß ihr alle Priester und Priesterinncn der Thora sein sollt, und daß Gott, von welchem die „Religion euer Väter" stammt, auch zu euch am Sinai gesprochen hat; — daß ihr alle Gebote Gottes zu erfüllen habet; daß ihr unverbrüchlich befolgen sollet alle die Worte, welche Er auch euch befohlen. Er hat auch vergessen euch zu sagen, daß in der Thora viele Gesetze enthalten sind, welche von einer modernen falschen Weisheit als „unzeitgemäß" mißachtet werden, daß ihr aber nicht hören möget auf die Stimme der Menschen, nicht auf Vater und Mutter, wenn sie euch etwas lehren, was gegen Gottes Gebot ist, wenn sie von cud> die Mißachtung eines Gebots verlangen sollten. Er hat auch übersehen euern Sinn zu erwecken für das Verständniß des göttlichen Gesetzes, euer Herz zu begeistern für die 'Treue gegen das Gesetz, euch empfänglich zu machen für das Seligkeitsbewußtsein: Gott gehorsam zu sein; er hat es auch unterlassen euch mit dem edlen Stolze zu erfüllen, welcher aus der Befolgung des Gesetzes entspringt und gegen Spott und Verhöhnung einer unerleuchteten Umgebung unempfindlich macht. Er hat in euch den Wahn genährt, daß das Judenthum lediglich in dem „Glauben an Gott"

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