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Der Israelit · 1881-06-01 · Heft 22 (1.6.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 22 (1.6.1881)
Date
1881-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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522 4i i r apjr n^np mtnio n»o Mi ms min „Die Thora, die Moscheh uns geboten, sie ist das Erbtheil der Gemeinde Israels." Mit der fortschreitenden Entwickelung muß das Kind an die Ausübung der einzelnen Gottesgebote gewöhnt und von Uebertretungen zurückgehalten werden, bis die vollständige religiöse Mündigkeit beiden Knaben nach zurückgelegtem dreizehnten und bei den Mädchen nach zurückgelegtem zwölften Jahre eintritt. Einer Bestätigung, einer Consirmation, bedarf es hierbei nicht. Das ist ein fremder Gebrauch, den nachzuahmen verboten ist. Wie die Milch stets rein gehalten werden muß, wenn sie nicht in Fäulniß und Gährung übergehen soll, so müssen wir unsere heilige Religion stets rein und frei halten von der Vermischung mit den Gepflogenheiten fremder Culte. Diese mögen ja für die Bekenner der anderen Religionen recht schön und lobenswerth sein; aber uns ist es nicht gestattet, sie anznnehmen. Der Jude und die Jüdin sind durch die Geburt verpflichtet, einer erneuerten Bestätigung, einer Consirmation, bedarf es nicht allein nicht, diese schließt vielmehr eine Verleugnung eines der wichtigsten Grundsätze unserer heiligen Religion in sich. Die Bar-Mizwah ist keine Consirmation; sie ist weiter nichts als die Feier des Beginnes der religiösen Mündigkeit. Was ist, seitdem die Consirmation in vielen jüdischen Gemeinden ist eingeführt worden, dadurch für die Religion Israels gewonnen? Früher, und auch jetzt noch ttt gesetzestreuen Kreisen, hatte der Varmizwahknabe durch den Vortrag einer talmudischen Abhandlung zu beweisen, daß er eingeführt sei in die Forschung in der Lehre unseres Gottes. Wenn er dann eintrat in das Leben, so wurde ihm die Thora niemals fremd; ihr widmete er die Stunden, die er von der Beschaffung seines Lebensunterhaltes erübrigen konnte; und die jüdischen Mädchen, nachdem sie der Schule entwachsen, wurden eingeführt in den jüdischen Haushalt, wo sie die Pflichten einer jüdischen Hausfrau kennen lernten. Jetzt werden die Knaben nnd Mädchen in feierlicher Parade in der Synagoge aufgeführt, nachdem sie aus irgend einem Katechismus unverstandene, religionsphilosophische Phrasen in sich anfgenommen, sagen das mechanisch Auswendiggelernte her, legen den feierlichen Schwur ab, im Judenthum zu leben und zu sterben, um gleich hinterher die heiligsten Gebote zu übertreten, den Sabbat zu entweihen, verbotene Speisen ZU genießen und überhaupt zu leben, wie wenn die Vorschriften des Judenthums gar nicht existirten. Man wird einwenden, daß auch ohne die Confirmation die Söhne und Töchter der von der Religion Israels entfremdeten Eltern kein religiöses Leben führen würden. Es ist das allerdings wahr; aber trotzdem ist auch für diese Bedauernswerthen die Confirmation vom Uebel; sie werden über das wahrhafte Wesen der jüdischen Religion, die vor allem eine Religion der That ist, getäuscht; es werden ihneu Phrasen statt der zu Thaten führenden Lehren geboten, sie vermeinen, durch die erhaltene „Weihe" Juden und Jüdinnen geworden zu sein und die Ausübung der jüdischen Pflichten nicht nöthig zu haben. Und die Rabbiner und Lehrer, welche die Confirmation in Scene setzen, wie bereiten sie die armen Kinder zu diesem „heiligen Akte" vor? Sie glauben, den gegebenen Verhältnissen Rechnung tragen zu müssen, und gestalten die Lehre um nach dem thatsächlichen Leben der Eltern. Uns sind Thatsachen bekannt, daß es sorgfältig vermieden wurde, die Kinder auf das Verbot der Arbeit am Sabbat aufmerksam zu machen, um nicht die Lehre mit dem Leben in Conflikt zu bringen, daß Rabbiner und Lehrer an „trsxbonmi" Gastmählern Theil nahmen, welche zu Ehren der Consirmation veranstaltet wurden. Zwar haben diese Rabbiner und Lehrer von den biblisch verbotenen Speisen nicht gegessen; sie haben sich mit dem Dessert und dem verbotenen Weine begnügt. Unsere Weisen erörtern im Tractat Megillah die Frage, wodurch die Israeliten zu Ahasvers Zeiten die Vernichtung verdient hatten, und sagen: „Weil sie Genuß gehabt von der von jenem bösen Könige veranstalteten Mahlzeit." Rabbi Jonathan Eibeschütz wirft in seinem Buche eoi nnjr die Frage auf, warum es nicht heißt: Weil sie gegessen haben 2c., und sagt: Es ist nicht anzunehmen, daß die Israeliten zu jener Zeit hndö nonn nicai nisntai gegessen; aber das Dessert haben sie sich gut schmecken lassen. Welch ein Verrath am Heiligsten liegt darin, wenn ein Rabbiner, ein Vertreter und Lehrer der heiligen Religion Israels, durch seine Anwesenheit solche flagrante Gesetzesübertretung, und noch dazu bei angeblich religiösen Anlässen, gleichsam sanctionirt und etwa auf den „edlen Gastgeber" und dessen zur „religiösen Weihe" gelangten Kinder einen Toast ausbringt! Das ist nicht die Milch der Gotteslehre, die hier den Kindern gereicht wird; das ist tödtliches Gift. Allein die fortgeschrittenen Söhne und Töchter unserer Zeit meinen längst der Mutterbrust der Gotteslehre entwachsen zu sein. 3?na 'viOü pa' ’o n«i njn mi’ ’n nx ü’ittfo ’p’ny „Wen will man Weisheit lehren, wem die Lehre zum Verständniß bringen? Glauben sie doch der Milch entwöhnt, der Brust entwachsen zu sein! (Jesaias c. 28. V. 9.) Häuft doch die Gotteslehre Gebot auf Gebot, Richtschnur auf Richtschnur! Das ist zu viel; sie wählen sich von den Geboten Gottes

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