Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1881)
- Date
- 1881-05-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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504 fung zu spät. Sie war auf der Insel Pandateria dem Kummer um den Tod ihres geliebten Gatten erlegen. Der neue Kaiser ließ die Weisen aus Judäa zu sich rufen, und empfing sie auf das Huldreichste. „Ich bin jetzt in der Lage," sprach er, „Euch das Gute zu vergelten, was Ihr mir erwiesen habt. Ich werde den Juden stets ein gnädiger Herrscher sein." Bei diesen Worten überreichte er ihnen eine Münze. Auf der einen Seite derselben befand sich das Bild des Kaisers, auf der andern Seite ein Palmenbaum als Symbol des Judenthums mit der Umschrift: „Fisci judaici columnia sublata,“ „die Anklagen gegen die Juden sind aufgehoben." Die Rabbinen dankten dem Kaiser, und Rabbon Gamliel überreichte ihm eine Schutzschrift, in welcher alle Angaben gegen das Judenthum widerlegt waren. Dann segneten die Rabbinen den Kaiser und nahmen Abschied von ihm. Wiewohl der Winter herannahte, ließen die Weisen sich doch nicht bewegen, die gute Jahreszeit abzuwarten. Sie sehnten sich nach der Heimath und nach ihrer gewohnten Lehrtätigkeit. So reisten sie dann nach Brundisium und bestiegen das Schiff, das hier ihrer wartete. Allein die Fahrt war eine sehr stürmische. Das Schiff wurde verschlagen, und die Lebensmittel, die sie mit sich führten, waren kaum ausreichend für die verlängerte Fahrt. Zudem mußte der Levitenzehnten, und da es das dritte Jahr der sieben Schemittahjahre war, auch der Armenzehnten abgesondert werden. Da sprach Rabbon Gamliel: „Ich werde für dieses unser Getreide den Levitenzehnten von dem absondern, was ich zu Hause habe; dasselbe sei Dir, Josua, der Du ein Levit bist, schon jetzt übergeben, und der Ort, an dem jenes Getreide sich befindet, sei Dir vervüethct; ebenso werde ich in Bezug auf den Armenzehnt:n verfahren. Der Armenzehnten, den ich zu Hause absoudern werde, sei Dir, Akiba, der Du Armenvorsteher bist, schon jetzt übergeben, und der Ort, an dem er sich befindet, sei Dir vecmiethet." In gleicher Weise überwies Rabbi Josua dem Rabbi Elasar ben Asarjah, der ein Ahronide war, den Priesterzehnten von dem ihm gewordenen Levitenzehnten. Run konnten die Weisen alle Borräthe, die sie bei sich hatten, genießen, und diese reichten auch aus, bis sie in Jaffa den Hafen erreichten. Es war an einem Freitag-Nachmittage gegen Abend, als das Schiff sich dem Fcstlande näherte. „Es wird Sabbat werden," sagte Rabbi Elasar ben Asaria, „ehe wir den Hafen erreichen, und wir werden das Schiff nicht verlassen dürfen." „Nicht doch," entgegnete Rabbon Gamliel, „es ist noch Tag, und wir befinden uns schon innerhalb der Sabbatgrenze. Wir sind keine 2000 Schritte mehr vom Lande entfernt. Wenn auch das Schiff erst landet, wenn es bereits Nacht ist, so dürfen wir dennoch ans Land steigen. Jetzt aber, meine Freunde, folgt mir in den untern Schiffsraum." „Warum," fragte Rabbi Elasar, „sollen wir nicht auf dem Verdecke bleiben? Mein Auge genießt mit Wonne den Anblick des heiligen Landes." Schon hatten Rabbon Gamliel und Rabbi Jofua das Verdeck verlassen. Rabbi Akiba aber sprach: „Komm nur, mein Bruder Elasar. Wenn wir heute noch ans Land gehen wollen, so dürfen wir hier oben nicht verweilen. Sobald das Schiff anlandet, — und es wird dann schon Sabbat sein — wird das Schiffsvolk eine Treppe Herstellen, durch die wir vom Schiffe aus das Land erreichen können. Wenn diese Treppe nur unsretwegen gemacht würde, so dürften wir sie am Sabbat nicht benützen. Da sie das Schiffsvolk aber für sich amertigt, so dürfen auch wir durch diese Treppe das Schiff verlassen." „Aber," fragte Rabbi Elasar, „warum sollen wir uns vom Verdecke entfernen?" „Weil," antwortete Rabbi Akiba, „wenn die Treppe in unserer Gegenwart verfertigt würde, es so gut wäre, wie wenn sie für uns gemacht würde. Wenn wir uns aber fern halten, wie wenn es uns gar nicht eilen wollte, das Schiff zu verlassen, so verfertigt das Schiffsvolk die Treppe lediglich für sich, und wir dürfen sie am Sabbat benützen." Bei diesen Worten, waren sie im untern Schiffsraum angelangt, so daß Rabbon Gamliel die Auseinandersetzung Rabbi Akiba's noch hörte. „Du hast meine Gedanken errathen, Akiba," sagte er. „Nur wenn der Schiffshauptmann die Treppe anfertigen läßt, wenn wir nicht zugegen sind, dürfen wir auf ihr das Schiff verlassen." Und so geschah es. Freudetrunken gingen Rabbon Gamliel und seine Genossen ans Land.*) (Fortsetzung folgt.) *) «Liehe Toßephlat, Sabbat, C. 14. — Vergleiche auch Sabbat f. 144 a. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. ÄottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).